Wasser

Wege zum Wasser erkunden

Wasser begleitet uns als Themen nicht nur, wenn wir auf unserer Sundance leben, unserem Kat, der umgeben ist von Wasser, oder wenn wir die Wassertank auffüllen, die Abwassertanks leeren, Trinkwasser in Petlaschen bunken, Salzwasser filtern, das Deck schruppen, die undichte Stelle am Fenster suchen bei starkem Regen, die Bilgenpumpe anstellen, das Teewasser auf dem Petrolherd erwärmen etc.

Auch bei Landgang in der Süsswasserzone bleiben wir mit dem Nautischen und Aquatischen im Bezug. Sei es, dass wir mit dem Käpten zu verschenkende Segelboote auf Binnenseen oder in alten Scheunen besichtigen gehen oder am Abend unbelichteten Uferwege abschreiten, um Ausschau zu halten nach bisher nicht beachteten Bojenfeldern oder gar Inseln. Dann können wir auch immer wieder wilde Überquerungen mit selbstgebastelten Ruderbooten oder die Einsätze der neusten Hydrofoil-Mini-Trimerane auf Youtube kucken, der Bauer beliefert uns da frei Haus mit frischem Material. Das Reden über mögliche künftige Reiseziele hilft weiter, den Kontakt zu behalten. Derweil der Käpten das grosse Wasser im Blick hat, zieht es die Schreiberin mehr zu den lokalen Rinnsalen hin, sie sucht Trost im Überschaubaren und lernt wieder zu Staunen, freut sich ob kleinen Entdeckungen.

Zusammen mit den Kindern geht sie dann auf Expedition vor Ort und erkundet ganz einfach den nächstgelegen Wasserlauf mit dem sinnigen Namen Aabach, klar: ah, ein Bach! 🙂 , in dem sie als Kind gespielt hat. Jetzt ist sowohl der Agitationsradius sowie die Wahrnehmung eine andere. Wir laufen gegen die Strömung der Quelle entgegen und finden heraus, dass der Bach irgendwo unterirdisch gefasst wird. Google-Earth und lokales Kartenmaterial geben da nur ungenügend Auskunft. Eine Befragung der Bauern im Quellgebiet steht noch aus. Bachab ist auch spannend, neu Wäldchen und Landstriche erschliessen sich. Wir finden einen künstlichen Weiher, der offenbar mal in der Frühindustrialisierung angelegt wurde. Auch die alte Stauanlage ist als Ruinen noch anzutreffen, moosüberwachsen und vergessen. Wer hätte das erwartet, ein verrostes Auto im Tobel, welch abenteuerlicher Fund! Alte Fotos zeigen ein riesiges Fabrikgebäude, das heute nur noch Schutt und Asche ist. Wer da wohl mal gearbeitet hat und wie sich das damals gelebt hat? Wir begegnen grossen, alten Baumriesen die gewiss dabei waren und auch vielen hölzernen Wasser- und Sturmopfern, die umgeknickt oder umgekippt darnieder liegen. Unter Brücken durch, vorbei an einer alten Säge, weiter hin zu einem grösseren Weiher, der weniger idyllisch direkt unter einer Autobahn liegt. Noch sind einige Etappen vor uns bis wir im Mündungsgebiet ankommen.

Die Sensibilisierung für die lokalen, kleinräumigen Zusammenhänge ist jedenfalls in vollem Gange. Es kommt mir vor wie Wurzeln bilden. Fein und zaghaft spüren die filigranen Wurzelhaare das Gelände ab, wachsen aus sich heraus in die Welt hinein, befühlen den Boden, finden Steine des Anstosses, aber auch viele hilfreiche Nährstoffe, Entwicklungsfreiräume und labendes Wasser.

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Sommer im Wasser

Sommer im Wasser, im Süden. Es ist heiss und die Kinder wollen (hart am Sonnenstich vorbei) dauernd ins Freibad. Kein Problem, mittlerweilen sind sie gute SchwimmerInnen und selbstständig genug, um ohne Mamagard unterwegs zu sein (Papa hätte sie eh schon längst alleine ziehen lassen). Welche Entlastung! Sie schnappen sich die Frottetücher, stülpen die Badehose an, poltern durch die Kabine ins Freie und zag ist das Abenteuer lanciert für die nächsten Stunden, bis sie dann hungrig und aufgebracht wie eine energisch frische Welle wieder über das Schiff herschwappen.

Der Käpten ist derweil beschätigt mit Aufklaren und Komando üben, Tanks füllen, LED montiernen, Motoren testen, Tonbandgeräte reparieren und auch mit seiner Verdauung und der Hitze klar zu kommen. Draussen schippern die Sonnenhungrigen Richtung Hafenausfahrt, Welle um Welle bewegen wir mit. Unsere Sundance schwimmt im etwas schmutzigen Portwasser oben auf. Die Wasserlinie ist etwas höher als gedacht, aber tief genug, dass die Luken der Kinderkojen zwecks Durchlüften und Kühlen des Innenraums bedenkenlos offen stehen können tagsüber.

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Schatten spendet ein altes Leinentuch über dem luftigen Trampolin auf dem Vorschiff und das Cockpit wird provisorisch überdacht mit einem Sonnenschirm, den wir in Südfrankreich vor dem vorzeitigen Abfalltod gerettet haben. Ideal für die paar Tage hier im Hafen, um noch so einige Pendenzen zu erledigen. Die mitgebrachten Motoren (Zweitakt-Raritäten und ähnliche „Kaliber“) wollen platziert und verstaut werden, ebenso wie die zu reparierenden Zweiräder. Ein gutes Papa-Kind-Projekt mit viel Anschauungsmaterial und Praxisbezug. Seit Kindsbeinen an hat der Kätpen gelernt, für seine Mobilität selber einzustehen, mit Erfolg. Sowas gibt man sinnvollerweise auch gern seinem Nachwuchs weiter.

Die Bordfrau liest Yacht-Artikel über die weibliche Nachwuchsförderung im Segelsport. Ihr fehlt echt der Ehrgeiz, selber Skipperin zu werden. Sie drückt sich vor der Verantwortung, aber rumkomandieren lassen, will sie sich auch nicht. Einfach mitmachen ist zu banal. Verzwickte Sache. Kein passende Rolle an Bord, denn QuerläuferInnen sind nicht nur unbeliebt, sondern auch untauglich. Die meisten portraitierten Frauen, die am Ruder stehen, entstammen ausgesprochenen Seglerfamilien, sind auf Schiffen geboren oder sonstwie in Wasser- und/oder Bootsnähe aufgewachsen. Da kann ich echt nicht mithalten. Pfanzenmeer, Häusermeer, Menschenmeer, Automeer – irgendwie bekannt, bewältigbar scheinend , aber Wassermeer – fremd, wenn auch sehr verlockend anziehend gleichwie gefährlich abschreckend …. und dann noch all der Technik- und Motorenkram! Wind und Wetter! Ach du meine Güte. Was muss sich frau denn da beweisen? Oder hat in den letzten Jahren ganz einfach das Bedürfnis Mithalten zu müssen bei mir nachgelassen? Vielleicht ist auch ganz die Machbarkeitsillusion einer realistischeren Einschätzung gewichen? Wer weiss. Die nächste Generation wird zur Hoffnungsträgerin. Samona bietet schon sehr selbstbewusst Anleitung für Segelinteressierte an. Go for it!

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Keinen Keller, aber Osmose an der Ruderabdeckung

Also woher kommt jetzt dieses Wasser? Eine brisante Frage, vor allem wenn man auf einem Schiff wohnt. Nachdem der Bauer backbordseitig den Motor und dessen Kühlsystem erfolgreich wieder in Stand gestellt hat, wird der Weg frei für tiefer liegende Schwachstellen. Wir haben zwar keinen Keller, aber ne Bilge und einige recht schwer zugängliche Boxen und Stauräume ganz hinten, unten. Also kriechen wir mal da hin, um zu prüfen, ob jetzt das neuerlich ersetzte Abgasrohr auch wirklich dicht ist.

Wir finden Wasser, salziges. Die Bordfrau putzt das mal weg und in ein paar Stunden ist wieder in etwas die selbe Menge da. Der Fall muss genauer untersucht werden. Tatsächlich, in der Verkleidung der Ruderhalterung gibt’s ne undichte Stelle. Still und leise, aber stetig rinnt da ein Wässerchen in den Bootsrumpf. Es handelt sich hierbei um einen bisher nicht gross beachteten Ort mit Osmosebefall. Wenn’s im einen Schwimmer durchsickert, so könnt’s auch im andern soweit sein. In einer nächtlichern Aktion checkt der Käpten die Steuerbordseite, zum Glück alles trocken.

Erster Einsatz für Unterwasserepoxi aus dem Repairkit. Der Bauer knetet die Paste weich und die Bauerin pflastert das Ganze mal an die Röhre. Da braucht’s noch etwas Deftigeres, wie sich rausstellt. Ein kleiner „Kaugummi“ allein reicht da nicht. Der Held reitet in die nächstgelegene Stadt und findet heraus, dass selbst in bootspezifischen Läden nichts Bauchbares am Lager ist. Ok, zum Farbspezialisten, der dann nach langem Hin und Her was herausrückt. Das 2K-Zeug erinnert mit seinen knalligen Farben (gelb / blau) direkt an die neulich am Weihnachtsmarkt von den Kinder entdeckte Supergummy-Masse, die sich wie Plastilin verarbeiten und mischen lässt, jedoch an der Luft trocknet. Geduldig knetet der Käpten das gewünschte Grün heran und bereitet das Wundpflaster vor, das er dann mit einem fetten Tape an die Röhre drückt. Welch tolle Entlastung, die „Wunde“ bleibt trocken. Huch, überm Berg fürs erste. Jetzt fehlt nur noch der Stützverband mit Kevlar und dem wohlbekannten flüssigen Epoxi, um die Sanierung zu kompletieren. Do it!

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Inbetriebnahme unseres Kats

Leben auf dem Trockendock mit einem Schiff im Umbau, das haben wir ausführlich ausgelotet. Einen weiteren Schritt bei der Inbetriebnahme des Schiffs als Lebensraum und Reisevehikel geschieht nun im Wasser. Von aussen scheint die Schale soweit dicht zu sein bis auf zwei, drei bekannte Stellen an Fenstern, wo bei heftigem Regen in tolerierbarem Mass Wasser eindringt. Das ist ja schon mal ne erfreuliche Zwischenbilanz. Was noch etwas anhängt, ist die interne Wasserverteilung. Die Leitungen sind noch nicht überall dicht und auch die Pumpen sind noch nicht alle befriedigend im Einsatz.

Mit Lecksituationen gilt es Leben zu lernen resp. einen adäquaten Umgang zu finden. So ist auch was mit dem Kühlsystem der Motoren noch nicht ok. Der Käpten ist gefordert, auch die Bordfrau. Alle Schläuche werden gecheckt, durchgespühlt. Ist der Ansaug verstopft? Wieso erhitzen sich die Motoren? Die ganze Backbord-Koje muss geräumt werden, um Zugang zum Auspuff zu finden. Tatsächlich findet sich hier ein Riss im Gummirohr. Das Kühlwasser wird nicht raus katapultiert, sondern rinnt der Bordinnenwand entlang und sammelt sich im hintersten Segment der Bilge. Pütz und Schwamm gewinnen als treue Begleiter Bedeutung, sind nicht mehr länger Assessoirs, sondern unverzichtbar.

Der Garten von einst ist auf drei, vier Töpfe geschrumpft. Zwei haben in Samonas Koje ein Asyl gefunden, der Geburtstagskaktus von Lorhan ist auch umgezogen. Ein junger Aloe Vera hat auch den Umzug mitgemacht und fristet momentan sein Dasein etwas abgeschoben im Cockpit zusammen mit Herta, der das Lächeln zum Glück nicht vergeht.

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