Wald

Sturmholz im Familienwald

Es ist genau der richtig Tag, um in unseren Wald zu gehen und dort zu wirken. Winterstürme haben im Januar ein Weisstanne in Grenznähe zu Fall gebracht, auf ca. 6 m Höhe ist die Gute einfach abgeknickt wie ein Streichholz. Das muss ja wohl gedonnert haben, als sie haarscharf an ihren grünen Genossinnen vorbeischrammend zu Boden rauschte. Durch diesen Vor-Fall bot sich mir die unausweichliche Gelegenheit mit unserem Waldanstösser in östlicher Richtung Kontakt aufzunehmen. Eine sehr erfreuliche Begegnung übrigens, kam ich doch wie gerufen zur morgentlichen Kaffepause des Bauern und wurde auch gleich vertrauensvoll dazu eingeladen sowie anschliessend zur gemeinsamen Waldbegehung begleitet. Alles informell, spontan, pragmatisch und unkompliziert, das gefällt mir. Ein echtes Flow-Erlebnis!

Der Frost hat ja waldwirtschaftlich gesehen einige Vorteile vor allem im Bereich Zufahrt und Abtransport, aber auch einen sehr empfindlichen Nachteil: die Kälte. Mit klammen Fingern ganz nahe am Kuhnagel rum zu agieren, das ist nicht unser Ding, nicht mehr – präzisierend – denn der Bauer erinnert noch so manche winterliche Fahrt mit dem Motorad! Also warten wir ein günstiges Wetterfenster ab, was ja von der Seglerei und Landwirtschaft her bestens bekannt ist und und dann wenn’s passt, toppt auch der Einsatz.

Chairos, der Gott des günstigen Zeitpunkts begleitet uns und es fügt sich, dass wir unseren Waldnachbar in südlicher Richtung kennen lernen, der akkurat zusammen mit seinem Nachwuchs die vermeintlichen Grenzsteine ausfindig macht. Mit Plan, Messband und Farbspray erkunden sie hangaufwärts das Terrain, können jedoch die verschollen Marksteine nicht aufspüren. Der Einfachheit halber einigen wir uns dann gemeinsam auf eine Annäherung und seine Jungs sprühen ein paar Strünke leuchtend rot zur Markierung der erahnten Grenze. Interessant und unmittelbar spürbar wird dabei die Wirkung einer solchen Absetzung. Hier bin „ICH“, dort sind anderen, essentielle Identifikation übers Territoriale, Zuständigkeitsbereich, Wirkungsradius, Definition über die eigene resp. fremde Begrenzung, das exklusive Nutzungsrecht, abgesichert über den weitgehend geteilten Konsens des Eigentumsrechts. Wer einst diese zwischenzeitlichen verlorenen gegangen Steine setzte, wissen die Zeitgenössischen nicht mehr. Wir tragen ein Erbe weiter und sind konfrontiert mit den Taten und Untaten unser VorgängerInnen und stehen neu selbst in der Verantwortung für uns und unsere Nachfahren Sinnvolles zu erwirken.

Toll ist das gemeinsame Werken im Wald, denn es bringt (Selbst-)Erleben und Erfahrung mit sich und fordert uns alle vielfältig heraus. Den Käpten mit seinen Rückenbeschwerden und seiner historisch gewichtigen aber robusten Motorsäge, er kriegt sein Alter zu spüren und schöpft gleichzeitig aus seinem Fundus von Können und Wissen. Sein Sohn – in der Blüte seiner Kraft – entfaltet sich hier nach allen Seiten als Macher, Konstrukteur und Erzieher. Er sägt und spaltet, schlägt Pflöcke ein und avisiert die Kinder. In der Mittagspause am Lagerfeuer schreinert sich der Profi noch kurz einen Do-It-Yourself-Hocker zusammen. Für den verspielten Enkel wird der Arbeitseinsatz zur Durchhalteprobe. Die Schreiberin kommt auch etwas ins Schwitzen und erlebt ihre körperliche Untrainiertheit und ihre bäumige Freude am Wald. Am Ende des Tages überwiegt das Erfüllende und die Müdigkeit. Gerne wieder, denn die Luft war hervorragend, das Wetter perfekt, das Zusammenspiel gut, die gebraten Würste ein Genuss, das Vogelgezwitscher vorfrühlingshaft und die Pneuabdrücke in der Wiese vertretbar.

Kategorien: Bäume, Begegnung, Familie, Wald | Ein Kommentar

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.