Pflanzen

Grüne Tomaten

Es ist mehr eine Ahnung, mehr ein Hauch von Endzeit oder eher Endlichkeit, eine Stimmung, ein feines, aber unmissverständliches Gefühl des Abschieds, Niedergang, Was den ganzen Sommer über so üppig gedieh und das ganze Teibhaus in eine grüne Gewächszone mit duftender Ausstrahlung verwandelte, ein Ort der pomodoren Verwandlung, wird jetzt marode. Auch die vitalsten Tomatenstauden erliegen zusehens den Kräften der Blattfäulnis und es wird klar, obschon am Top noch in voller Blüte, von unten fehlt mehr und mehr das Tragende und Nährende. Die gelben Sternchen drängen zwar noch nach dem immer spärlicher werdenden Licht und die grünen Früchte wandeln die verbleibende Wärme in zarteres Rot. Vielleicht werden sie nicht mehr zur Reife gelangen. Das Glück ist flüchtig, die überschwängliche Sommersonne, welche die Früchte in prallrote süssliche Götterspeisen verwandelte dahin.

So bleibt dann nur der Schritt zum Schnitt. Sie haben ihren Dienst getan, jetzt dürfen, können, müssen sie gehen. Und selten ist mir das Wegräumen von Pflanzen so unter die Haut gegangen, wie dieses Mal. Mir wird auf einen Schlag die Verantwortung und die Mächtigkeit von GärtnerInnen bewusst. Sie sind nicht nur Heger- und Pflegerinnen, sie sind auch knallhart rassistische Porfitgeier, die zugunsten der Optimierung und Durchsetzung von eigenen Interessen über Leichen gehen. Macht hat sehr viel mit Verfügungewalt über (anderes) Leben zu tun. Und so gesehen oute ich mich hier als Tomatenstaudenmörderin, ich schlachte im Auftrag und für einen vermeindlich guten Zweck namens winterhartem Nüsschensalat. Bald werden die guten, frischen Nützlinge in Reih und Glied eingepflanzt, um unsere winterliche Tafel zu bereichern. Fressen und gefressen werden? Alles ein grosses Spiel des Wandels, ein Werden und Vergehen, mitunter viel schneller oder viel zäher als einem lieb ist.

Der Boden wird umgestochen, wenig weiss ich eigentlich, was dabei geschieht. Der Akt sieht jedenfalls ziemlich brutal aus und hinterlässt mindestens rein optisch eine braune Wüste, wenn auch der Schein trügt. Die Erde ist voller Mikroben und kleinsten Lebewesen, voller Pilze und Würmer, Käfer und Laven. Wer vergibt mir, denn es dämmert mir erst allmählich, was ich da tue!

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Traumland Treibhaus

 

Es ist fast wie eine Unterwasserlandschaft. Schon als Kind bin ich immer wieder gerne eingetaucht darin. Ein Treibhaus, eine Wunscherfüllung höchsten Grades für meine leidenschaftlich gärtnernde Mutter. Ihr Reich. Ein Raum der grünen und blühenden Glückseeligkeit. Mein Vater hat ihr das Glashaus gebaut, fast wie ein goldener Käfig, sogar mit einem grossen betonierten Wasserbecken. Alle Elemente begegnen sich darin und verbinden sich auf wundersame Weise zu einem fruchtbaren Wachstum: die braune Erde, das gesammelte Wasser, die zugfreie Belüftung , das sonnige Wärme-Licht-Feuer. Künstlich optimierte Bedingungen für einen der tollsten Prozesse hienieden, die Photosynthese.

Ich erinnere mich an die vielen Pickierschalen, die überwinterten Eternitkisten voll zurückgeschnittener Geranienstöcke, die Tomatenstauden mit den sonnenwarmen Früchten, die ich für den mittäglichen Salat frisch ernten durfte. Die Ansammlungen von Garteninstrumenten und Blumentöpfen, die Schachtel mit den Samensäckchen, die Düngerabteilung, unzählige Giesskannen und viele einzelgängerische Gartenhandschuhe. Und immer war da auch ein kleiner Tansistor-Radio. Nach dem Mittagessen so gegen zwei Uhr kam jeweilen früher die sogenannte Frauenstunde. Ich erinnere mich nicht mehr an die Themen, aber an die Dringlichkeit, mit welcher sich Mutter für diese Sendung in ihrem Reduit zum Werkeln zurückzog, wie eine Künstlerin in ihr Atelier. Ein Gehäuser in dem Transformatives in Gang kommt, eine Art Schutzraum, Gefäss, Gebärmutter. Faszinierend. Danach sehne ich mich auch, nach dem schöpferischen Raum, der ungeteilten Keimzelle, in der das Einzigartige gedeihen kann bis zu seinem Durchbruch in die Welt.

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Ein bisschen Spätherbstglück

Ich geb’s zu, ich vermisse die Laubbäume. In der trockenen Küstenzone, wo die mediterane Vegetation tolle Sukkulenten hervorgebracht hat mit farbigen Blüten und bezaubernden Blätterarrangements, die immergrün ganzjährige Präsenz zeigen, hier wo die Bäumchen nur in begossenen Plantagen grün bleiben und das colline, steinige Hinterland spärlich mit Pinien bewachsen ist, die Flussläufe längst keine Wasser mehr führen, hier gibt’s kein Laub.

Da zeigt mit jemand Bilder von Südengland, das er aus beruflichen Gründen kürzlich bereist hat und mir kommen fast die Tränen. Genau, Inbegriff für Herbst und Reife, Fülle und Ernte war und ist eine Landschaft voller Farben, gelb, rot, orange, braun und ein stahlblauer Himmel mit sattgrünen Wiesen dazu. Wie konnte ich das nur vergessen?

Weniger Temperaturschwankungen, weniger Niederschlag, höhere Durchschnittstemperaturen, stabilere Wetterlagen, all das hat seinen Preis. Die saisonalen Schwankungen fallen weniger ins Gewicht und sind somit auch nicht so deutlich wahrnehmbar.

Mehr per Zufall finden wir im Hinterland einen verwilderten Flusslauf mit meterhohen Schilfrohren und besäumt von gelb belaubten Papeln und Platanen. Die Kinder jubeln und wuseln aufgeregt durch das raschelnde Laub, scharren Haufen zusammen, veranstalten Blätterschlachten und lassen Goldregen über sich ausschütten, fangen einzelne fallende Blätter und suchen die gefälligstisten Musterungen heraus. Im Flussbett schlängeln sie sich bis zum Wasser durch, in einer tieferen Mulde ist noch was hängen geblieben.Stundenlang bauen sie Flosse und Katamarane, schwimmende Insel und Brücken.

Da nutze ich die Zeit bergan zu geben und mich in den stillgelegten Korkeichenwäldern zu verlieren. Die Bäume, einst rege beschnitten wie man an den geschälten Stämmen noch gut erkennen kann, sind mittlerweilen wieder sich selber überlassen. Die einstige Kulturlandschaft durchzogen mit Steinmäuerchen und einem weitreichenden Wegnetz wird von der Natur wieder zurückgewonnen. Moose und Flechten legen sich über den steinigen Boden und an die knorrigen Stämme, efeuartiges Gewächs klimmt zu den Baumkronen hoch. Wie leicht diese Rindenstücke sind und wie dick. Häufigste Begegnung mit diesem eigenartigen Material sind wohl die Falschenzapfen, Korken. Wie hatten denn die Römer ihre Amphoren verzapft? Wein hatten sie doch darin gelagert, oder? Wer kam denn überhaupt aufs Weinkeltern? Ich kann auch nicht erklären, wieso Holz braun ist und musste zugegebenerweise ungern eine diesbezügliche Frage unseres Sohnes offen stehen lassen. Wie wenig frau über so Alltägliches weiss. Kork ist jedenfalls ein interessanter Rohstoff, weich, warm, elastisch, hautfarben, wasserabweisend… Wir haben im Schiff Kork-Böden eingebaut und im Cockpit die Sitzflächen mit korkgranulierter Isolationsfarbe beschichtet. Grund genug, mal noch was mehr über Kork in Erfahrung zu bringen.

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Zeit für Aufbruch

Es ist Zeit für Aufbruch, noch nicht in die weite Welt hinaus, aber mindesten raus aus dem Tockendock. Erst gilt es mal das Schiff freizuschaufeln von all den Ablagerungen, die sich über die Jahre hier angestaut haben, div. Sammlungen von: Inox-Teilen, Kanistern, Werkzeugsets, havarierten Bootshaken, gekappten Wanten, zu flickenden Segeln, Kinderspielzeug, Epoxi, gestapeltem Leergut, Spachtel, Kitt-Tuben, Handschuhe, Pneus, Pinseln, Putzmitteln, Schläuchen und Seilen…

Diesen Sommer, im September, Ende Monat, nächste Woche, immer näher rückt der lange erwartete und kaum mehr für möglich gehaltene Moment. Das Unterwasser ist angestrichen. Ein schönes Rot. Lorhan rollert mit und findet seinen Spass daran. Der Kat steht nur noch auf feinen Stelzen. Im Umland liegen noch einige Hügel, die abgetragen werden müssen in den nächsten Tagen: Hölzer (Brenn- und Bauholz, Platten, Leisten, Gedrechseltes) oder Planen, Legoteile, Tauchutensilien, Stoffe und Tuchresten, Fahrräder in allen möglichen Zuständen, ganz zu schweigen von der Kleiderhalde und den Schuhkisten. Der Käpten schwirr auf in alle Winkel und zieht hier noch ne Schraube an und setzt da noch einen neuen Splinten ein, wechselt die Anoden, klebt die letzten Löcher zu. Der Sohnemann ist sich noch nicht so sicher, vorsichtshalber will er die erste nach im Wasser noch nicht an Bord erleben.

Es gilt Abschied zu nehmen vom Platz, vom exklusiven Privileg, auch von meinem Garten, von der Sukkulentensammlung, die im Laufe der letzten Monate auf eine stattliche Grösse angewachsen ist. Zum Glück gibt’s genug interessierte AbnehmerInnen, denen ich meine Lieblinge gerne weiterreiche. Das Gartenkonzept fürs Segelschiff steht noch aus. Zwei, drei Töpfe lassen sich vielleicht schon irgendwie unterbringen. Dann ist da auch noch einiges Immergrün zu platzieren, Vaters humoreske Favoriten. So Kunstblumen kann man immer wieder neu mit derselben Inbrunst schenken und sie sind nett anzuschauen (sofern sie gut gelungen sind).

Ich bin froh, kommt mehr Bewegung und ne konkretere Ausrichtung zum Tragen. Eine neue Epoche vielleicht, jedenfalls eine willkommene Veränderung. Drei verpuppte Kohlweisslingraupen haben wir noch zu hüten, überschaubar. Der Rätterich zieht nicht mit um, das Gift hat gewirkt. Der Bauer will alles behalten bis zum letzten Moment und wenn möglich auch darüber hinaus, schon was fürs nächste Projekt. Die Bauerin ist da mehr auf leisen stufenweisen Abschied bedacht und sehnt sich nach Abschliessendem, Befreiendem. Zwei Ansätze, die mitunter kollidieren und beiderseits zu tiefen Säufzern führen. Polar statt dual heisst die relativerende Ent-Spannung dazwischen. Fühlt sich gut an, die beiden Schwimmer gemeinsam zu bepinseln. Wie das wohl wird, wenn die dereinst im Wasser floaten? Fast un-vorstellbar, aber bald wahr!

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Feld-Wald-und-Wiesengang

Da wir ja noch mehrheitlich auf dem Land resp. auf dem Trockenen leben, kann von effektiven Landgängen ja nicht eigentlich die Rede sein. Was wir aber oft und gern unternehmen, zumindest die Kinder und die Schreiberin, sind sogenannte Feld-Wald-und-Wiesengänge. Dabei handelt es sich meist um eine sehr kurzweilige und begegnungsreiche bis hin zur abenteuerlichen Eskapade, weg vom Hafen, hinein ins Hinterland. Mitunter reicht schon ein Stop an der Lieblingswiese, ein Brachland mitten im Dorf, das dank Baukrise noch überlebt hat. Hier tummeln wir uns rum mit Käfer suchen, Ameisenbahnen verfolgen, Blumen in verschieden Entwicklungsstadien sammeln, Durftnoten aufspüren, Halmeflechten, Verstecken spielen oder etwas mehr für die älteren Semester mit Fotografieren im Makrobereich.

Faszinierend sind etwa die Schneckenhäuschen, die in dieser Hitze wie erstarrt zuweilen massig kummuliert an irgendwelchen Halmen hoch über dem Boden baumeln. Bei längerem Durchsteifen oder Verweilen lassen sich kuriose Kombinationen und Raritäten entdecken. Ich bin dankbar für diese geschenkten Augenblicke, die mich neu begeistern, im wahrsten Sinn des Wortes, in-spirieren. Plötzlich prangt aus all den trockenen Gräsern ein golden glänzender Zapfen. Was ist das denn? Aufblickend lassen sich eine ganze Ansammlung davon ausmachen, irgendein distelartiges Gewächs, toll. Befreit vom Anspruch, dieses Phänomen weiter botanisch zu verorten, lichte ich es ab und weiter geht der Streifzug.

Einem kleinen Pfad folgend, geraten wir tiefer ins Gestrüpp und später in ein Wäldchen. Eigenartigerweise treffen wir hier auf einem abgelegenen Karrweg auf Spuren eines brutalen Massakers. Total verstümmelte Pflanzenleichen liegt hier lieblos hingekippt auf mehreren Haufen. Der Gärtnerin bleibt fast die Spucke weg. Kaum zu glauben. Es tut richtig weh, mir das vorausgehende Geschehen vorzustellen. Einige superschöne, mächtige (frauhohe) Agaven inklusiv ihrer zahlreichen Nachkommen liegen hier niedergemetzelt, sogar Spuren von noch blühenden resp. treibenden Geranien sind zu erkennen. Das geht gar nicht!!! Rette, was zu retten ist. Mit einem Puschel voll Neuzugängen für unseren Garten kehren wir beim Eindunkeln zurück. Ein unverhofft fruchtbarer Waldgang.

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Pflanzenkarma

Für Pflanzen ist es mitunter eine ziemlich schicksalshafte Herausforderung im menschlichen dominierten Umfeld (über-)leben zu müssen. Ob es wohl auch für Blumen, Gräser, Tannen und Algen sowas wie Karma gibt? Wahrscheinlich. Wenn ich hier auf dem Hafenareal rumschaue, was frau insgesamt getrost als hartes Pflaster für Samen und Keimlingen aber auch für ausgewachsene Bäume bezeichnen könnte, gedeihen diesbezügliche Gedanken.

Es gibt eine ganze Anzahl von echten Überlebenskünstlerinnen, die mit scheinbar nichts auskommen und einsam aus Asphaltritzen oder festbetonierten Klinkerböden hochkommen. Auf dem grossen Kiesplatz setzen sich die Pioniere nieder und bringen blütenreiche Pracht mit kleinsten Blättern auf kargem Grund zu Stande. Wer ins gestalterische Konzept der Hafenplaner eingebunden wurde z.B. als Alleebaum, der hat’s auf `ne andere Art streng. Der wir zwar mit ausreichend Wasser versorgt, doch drohen alljährlich massive Ast-Beschneidungen im Frühjahr und radikale mechanische De-Blatt-ierung am Tag X im Herbst. Als Farbtupfer in einem grossen Blumentrog am Flaniersteg eingesetzt zu werden, das kann ebenfalls unangenehm werden, vor allem wenn die nötige Pflege fehlt und die Läuse darin ein geeignetes Domizil finden. Im Sommer wird’s ziemlich schnell recht trocken in der festgestanzten Erde.  Abbrechen kann bei jedem Wind oder wild gewordenem Spaziergänger passieren. Rauchende Menschen scheinen teilweise noch nicht begriffen zu haben, dass bepflanzte Blumentöpfe keine Aschenbecher sind. Jeder Samen, jede Pflanze, jedes Wesen kann in Umstände geraten, null Komma nix, die gelinde geschrieben als suboptimal bezeichnet werden können.

Gärtnern heisst mit Werden und Vergehen unweigerlich in Kontakt zu kommen. Mit gewissen einzelnen Pflanzen, denen ich täglich immer wieder begegne, verbindet mich schon ein echtes Stück Geschichte. Sie sind mir wichtige MitbewohnerInnen geworden, mit denen ich im stillen Austausch stehe. Ein unsichtbares Band verbindet mich mit ihnen. Sympathie und Antipathie scheinen auch bei den Pflanzen eine Rolle zu spielen. Wieso wohl, nehme ich die einen intensiv wahr, während andere unbeachtet bleiben? Wieso gedeihen die einen in meiner Obhut und andere gehen trotz scheinbar idealen Bedingungen ein? Alles ist Spiegel und Möglichkeit für Selbsterkenntnis. Ein blühendes Forschungsfeld, das der genaueren Beobachtung gebührt.

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Ansammlungen von Aussätzigen und Findlingen

Das scheint tatsächlich was zu haben, wo was ist, sammelt sich noch mehr vom selben an. Das eherne Gesetz der Resonanz. In diesem Fall bezieht es sich auf die Neuzugänge in unserem Garten. Kaum hab ich die Pforten für die grünen Freunde geöffnet, so scheinen sie fast wie von alleine zu mir zu strömen. Ja kommt alle her, die ihr hungrig und verlassen seid, ein Refugium der Rekreation bildet sich hier klangheimlich. Eine Feld-Wald-und-Wiesen-Gärtnerin hat wohl immer ein bisschen ein Retterinnenflair. Wie viele ausgesetzte Pflanzen doch gerade jetzt zum Saisonstart an den Wegrändern zu finden sind, mit und ohne Topf. Sie stehen wie bestellt und dann von uns abgeholt neben Mülltonnen oder liegen weggekippt in Mulden oder auf Halden. Und in selben Masse wie Pfleglinge zulegen sammeln sich auch deren Behausungen an. Töpfe, Joghurtbecher, Dosen, Eimer, Kisten, Säcke, alles Mögliche eignet sich zur Bepflanzung. Ein Hoch auf die Bohrmaschine, die im Nu was Dichtes in ein prima Gefäss mit Staunässe-Prevention verwandelt.

Neben den Findlingen gibt’s auch Samen, Kernen, Knollen oder Stecklinge, die bei uns ‘ne Chance auf Wachstum kriegen. Die erhaltenen Kapuzinerkresse-Kügelchen (Sabine sei Dank) sind innert Wochenfrist aufgekeimt und es ist eine Freude zu beobachten wie sie jeden Tag mehr ins Kraut schiessen. Überhaupt ist so ein Garten ein echter Segen und ich verstehe gar nicht recht wieso ich mir dieses Glück so lange vorenthalten habe. Egal, jetzt ist Zeit zum Geniessen und endlich was zum Blühen zu bringen, zum Beispiel mehr Lebensfreude!

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Gärtnern auf dem Trockendock

Die Funkien gedeihen prächtig in der mütterlichen Obhut, auch so der rote Klee, der nach der Haushaltsauflösung bei ihr landete. Was wohl aus dem Fensterblatt geworden ist, das jahrelang den Wohnungseingang zierte. Der grosse Ficus beniamini ist langsam aber unweigerlich eingegangen, zu weit weg vom nährenden Licht war er gestanden. Ach ja, die Kakteen und vor allem die tollen Sukkulenten, z.B. der „Lebbaum“, der aus einem Sprössling von der ehemaligen Nachbarin entstammt. Genau, da war ja noch ein grosser Farn in der Küche und Orchideen auf der Fensterbank… Ich habe kaum mehr an sie gedacht, ich habe sie alle verlassen, aufgegeben, weggegeben… was bleibt ist die verblassende Erinnerung und eine unerfüllte Sehnsucht.

Zu wenig innere Entschiedenheit und entsprechend wirre äussere Umstände, verunmöglichen es einen eigenen Garten im klassischen Stil anzulegen, der an ein fixes Stück Boden gebunden ist. Eine terrestrische Festlegung widerstrebt noch immer meinem schwer zu bändigten Freiheitsdrang. Aber ich erkenne auch immer mehr, den Preis, den ich für die Aufrechterhaltung meiner Illusion zahle. Umso mehr entdecke ich jetzt die Vorteile von Blumentöpfen. Ja klar, gemäss gängiger Definition ist ein Garten ein abgegrenztes Stück Land (resp. Boden, sprich Erde) unter mehr oder minder intensiver Pflege und kann als Nutz-, Zier- oder Mischgarten genutzt werden und erfüllt auch aller meistens therapeutische Zwecke. Was ist denn ein Topf anderes als ein Stück umfriedetes Land, um darauf/darin Pflanzen anzubauen?

Wie ein Schiff eine schützende Schale darstellt, die im Wasser schwimmt ist ein Blumentopf ein bergendes Gefäss, das dem Grün Lebensraum schenkt. Das Erdelement bedarf zwingend seiner gebührenden Repräsentation auch auf einem Schiff, umso mehr da diese nicht im alten Stil aus Holz gebaut ist. Ich plädiere ja nicht gerade für Geranienkisten an der Reeling, aber ich suche nach Wegen, wie das heilsame Grün hier an Bord gedeihen kann. Keimlinge, die den Salat garnieren sind da einmal ein erster Ansatz, doch das genügt mir noch nicht. Im ganzen Baustellengerummel hat(te) es angeblich keinen Platz für Pflanzen. Mag sein, dass sie hindern. Was ich aber leidvoll zugeben muss, dass ich auf diesem Trockendock über die Jahre ohne ausreichende innere und äussere Gartenpflege seelisch regelrecht ausgetrocknet bin. Mein Elexier sind Pflanzen, mit denen ich im unmittelbaren persönlichen Austausch bin, Beziehung pflege, mich an ihrem Wachstum freuen kann und mitleide, wenn sie befallen werden. Sie sind mir Lehrmeisterinnen im Haushalten, Annehmen, Aufblühen, eingebunden in ein grösseres Ganzes. Ihre heilende Kraft kann ich spüren und es ist höchste Zeit diese wieder bewusst in unser Leben einfliessen zu lassen.

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  • „Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt.“ –Aus China
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Komische „Vögel“ im Orangenhain

Kein Wunder lassen hier immer mehr Orangenbauern ihre Plantagen vergammeln. Es lohnt sich längst nicht mehr den einstigen Exportschlager für 13 Cents das Kilo zu pflücken und abzuliefern. Da sind 3 Euro für 5 kg im Direktverkauf vor dem Garagentor gerade schon gut, von den paar verkauften Säcken lässt sich jedoch nicht leben. Krass! Der wirtschaftliche Sturkturwandel der letzten Jahrzehnte ist an der Costa Azahar (Küste der Orangenblüten) gut spürbar. Zwar liegt der magische Duft der weissen Blüten noch immer in der Luft, doch statt Esel-Karren voll oranger Früchte und später Autobussen voll Sommertouristen, sieht mensch nunmehr die Neubau-Ruinen der Spekulanten, die ganze Quartiere in geisterstadt-ähnliche Gegenden verwandeln.

 

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Ich bin keine ausgesprochene Orangensaft-Liebhaberinnen, aber angetan von den orangen Fruchtbällen, die sich prächtig zwischen grünen Blättern prangen. Ich mag ihren Duft, der wohltuend erfrischend wirkt. Die Romantik ist zwischen der maschinengerechten Baumreihen längst abhanden gekommen, doch sobald die Natur ihre Rückeroberung antritt, weil  sich für die Betreiber die Monokultur nicht mehr lohnt, wird’s wieder spannend. Weg von Pest- und Herbiziden, dem strengen Kampf um Funktionalisierung und Optimierung, hin zur Wiederauferstehung der Artenvielfalt in Flora und Fauna. Absterbendes zerfällt neben Aufkeimendem, einer koexistiert mit dem andern, nach und nach entsteht wieder ein dicht gewobener dynamischer Teppich im Wechselspiel der Anpassungschancen.

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Wir unternehmen einen Spaziergang raus aus dem besiedelten Raum hinein in die Renaturierung. Die Kinder schwärmen los und entdecken so manches zwischen dürren und ausschlagenden Bäumen. Auf dem ausgetrockneten – da nicht mehr bewässerten Boden wächst dennoch erstaunlich viel auch neben und unter dem erfolgreichen Brombeergestrüpp,  z.B. komische „Vögel“, faustgrosse Samenkapseln einer ziemlich raumeinnehmenden Kletterpflanze, die sich elegant und gut getarnt um die Äste rankt. Die Dinger platzen auf und heraustritt ein wunderbares Arrangement von beschirmten braunen Nachkommen, die auf ihre Chance warten. Begeistert sammeln die Kids die schrumpeligen „Eier“ zusammen, entdecken den milchigen Saft, das weiche Innenfutter des Gehäuses, die wundersame Anordnung der Samen, die verschiedenen Reifezustände, die Flugfähigkeit der grazilen Schirmchen … Ein sinnliches Fest im verlassenen Hain, zwischen Schlingpflanzen, Vogelgezwitscher und wilden Frühlingsblümchen. Kultur vergeht, Natur besteht!

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Sehr aufschlussreich die Nachforschungen unter dem Titel:
Ausgepresst und ausgenommen: der wahre Preis für Orangen

https://www.youtube.com/watch?v=J5z8KcDE_ms

 

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Peniscola

Ein Freund nimmt uns mit auf einen Ausflug nach Peniscola, ein historisches Städtchen auf einer Halbinsel 55 km nördlich von unserem Hafen. Auf einem felsigen Hügel gebaut, wird die schmucke Siedlung von einer Burg gekrönt. Der touristisch gut frequentierte Ort hat seine Hauptsaison hinter sich und steht frisch geputzt und schon ein bisschen erholt vom Rummel zur Besichtigung bereit. Die kleine Halbinsel mit Fischerhafen kann gut zu Fuss erkundet werden.

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Der arabische Einfluss ist architektonisch noch gut spürbar und die Böllerlöcher in der Stadtmauer von französischen Schiffen abgefeuert sind eindrücklich präsent. Einst sollen gar Gegenpäpste hier gelebt haben, doch wie ich an sich mit zunehmender Zufriedenheit feststelle, schwindet mein Interesse für die offizielle Geschichtsschreibung immer mehr zu Gunsten aktueller Beobachtung im Detailbereich. Mauern werden hier weiss getüncht über das ansässige Grün hinaus, Enten und Fischen teilen sich ihr Brot, Dachrinnen bieten Heimat für zarte Blümchen, wild und frei in luftigen Höhen…

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