Natur

Vollmond im Krater

Aufbruch, Ausbruch, Abbruch, Durchbruch… Na ja, jedenfalls sind wir als ursprüngliche Sundancer-Crew endlich mal ausgefahren und haben die nächstgelegene Inselgruppe Richtung Balearen besucht und zwar auf tollen Vorschlag des Käptens zur Vollmond-Zeit.

Die Winde sind mässig günstig und schwer zu finden, das Wetter ansonsten recht stabil, trocken und heiss, gerade richtig. Also verlassen wir den angestammten Hafen, Leinen los und geniessen das erhebende Gefühl, einfach alles Landige hinter uns zu lassen. Ok, klar für den Bauer ist es natürlich nicht ganz so locker, schliesslich hat er nicht nur das Schiff zu manövrieren, navigieren und trimmen, sondern auf auch dessen ganzes Energiemanagement zu jonglieren, Formeln mit einigen Unbekannten! Am schwerwiegendsten für ihn ist es wohl, die subversive Kraft der Schreierin zu bändigen, die jederzeit zur Meuterei aufzurufen droht. Doch da kommt ihm deren Faibel für die schwankenden Wellen auch zu Hilfe. Schon nach einigen Meilen ist sie quasi ausgenockt und in der Koje geknebelt, geschlagen von der Geissel der Seekrankheit! Mit den jungen Crew läuft’s prima, die übernehmen in den Manövern ihren Part, sie als Steuerfrau und an den Fendern, er an den Motoren und als Vorschoter. Das frei flowtenden weitere „Element“ ist aus besagten Gründen nicht so zuverlässig einsetzbar. Mal für den Auskuck vielleicht. Aber wie gut ist ihre Nach(t))sichtigkeit? Als eigentliches Greenhorn auf dem Wasser immer wieder irritiert von den vielen verschiedenen Lichtern in Küstennähe und dem noch nicht eingetunten Gefühl für Distanzen und Geschwindigkeiten auf dem Wasser.

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Wir kommen noch vor Mitternacht an der Boje in den Islas Columbretes an und dank himmlischer Beleuchtung ist das Anlegen auch entsprechend easy. Leichter Levante trügt die Wellen in den nach Osten offenen Kraterrand des Vulkans, der vor ca. 300’000 Jahren letztmals ausgebrochen sein soll – weiss ja keiner so genau. Am nächsten Morgen ist Landgang angesagt. Das Naturschutzgebiet kann auf Anfrage und in Begleitung eines Wächters besucht werden. Per Beiboot setzen wir über erklimmen auf einer rollstuhlgängigen Piste den höchsten Punk, der auch vom Leuchtturm markiert wird. Eine fantastisch Sicht eröffnet sich uns hier und zeigt die ganze Gruppe von schroffen Felsklötzen, die aus dem Blau hervorlugen. Zwar liegen einige andere Yachten in Bojenfeld, doch heute geniessen wir eine Privat-Tour sogar inklusiv Tourifoto, das der Guide unaufgefordert von uns schiesst.

Speziell ist das ewige Gelächter der Möwen, welche hier die kargen Abhänge besiedeln und sich Tratschtanten gleich gegenseitig immer wieder neu Geschichten zugackern, um deren Pointen mit ausgelassene Gegröle zu feiern. Ansonsten treffen wir Tigerspinnen, die in ihren Netzen auf Beute lauern und ein grosses Kakteenfeld, das einst von ehemaligen Leuchtturmwächter angelegt wurde. Viel wächst hier sonst nicht. Kein einziger Baum! Unterwasser gibt`s fast mehr zu entdecken, das finden jedenfalls die Jungen, schnappen sich das Schnorchelzeug und tauchen ab.

Den verloren Zahn von Samona finden sie allerdings nicht mehr. Wie das Leben so spielt ist bereits bei unsere ersten Inselbesuch vor Jahren an Bord von Freunden just an der Kratereinfahrt ein Milchzahl bereit gewesen zu weichen. Samona hat ihn kurzerhand aus ihrem Mund geknackt und den Wellen übergeben, ganz ähnlich wie diese Mal. Dafür finden wir auf unserer Rudertour eine seichte Stelle und haben endlich eine felsenfeste Erklärung für die sagenhafte Jesus-über-Wasser-geh-Geschichte ;). Der Käpten gibt noch einzeln Segelunterricht auf der SaLoLoSa, derweil die etwas rekreierte Schreiberin zwei drei Ecken des kürzlich genähten Biminis von Hand verstätet. Der Schattenspender verwandelt das sonst bratige Cockpit in eine lauschige Laube ganz zu Gefallen aller.

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Nach ein paar Tagen ist dann genug geschaukelt und die Geschäfte an Land rufen zurück. In einer nächtlichen Fahrt mit mehr Motor-denn-Windkraft finden wir trotz lästig pipsendem, positionsverlustigem GPS zurück an unseren Hafenplatz. Die Testfahrt hat doch einiges aufgezeigt. So ist gewiss noch an dem Batterieladesystem zu arbeiten und der Bauer wünscht sich eine stärkere Motorisierung und hat auch schon seine Pläne im Werden. Etappen, Schritte, Teilziele…Jedenfalls der Ausflug gut geklappt und der Kapitän hat sich erfolgreich gehen etwelche Meutereien behauptet sowie Schiff und Crew heil zurückgebracht. Merci bien et chapeau!

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Stein-Reich

Endlich wieder mal Zeit einfach am Strand entlang zu gehen und im Sand einzusinken, das Wasser kommen und gehen sehen, hören, riechen, spüren, das angeschwemmte Gut betrachten und berühren.

Ich mag das Meer, aber ich spüre auch deutlich, dass es mir fremd ist, irgendwie unzugänglich, von anderer Wesensart. Ich blicke in die Ferne und werde etwas wehmütig, die Weite gefällt mir, das Aufgeräumte, Freie, Unbesetzte, der Horizont, der zugleich Ende und Neuanfang, Trennung und Berührung symbolisiert.

Ein Ufer voller runder Steine. Ein riesiges Reich von Begegnungen für Begegnungen.

So viele Zwischenräume, wo etwas passiert, wo Spannung entsteht und besteht. Eintauchen in den Mikrokosmos von Geschichten. Jeder Stein seine Form, seine Farbe, sein Gesicht, bei genauer Betrachtung unverwechselbar, einmal, interessant, vielsagend. Ich lege mich zu ihnen, fühle mich getragen, sanft gebettet, glücklich.

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Grüne Tomaten

Es ist mehr eine Ahnung, mehr ein Hauch von Endzeit oder eher Endlichkeit, eine Stimmung, ein feines, aber unmissverständliches Gefühl des Abschieds, Niedergang, Was den ganzen Sommer über so üppig gedieh und das ganze Teibhaus in eine grüne Gewächszone mit duftender Ausstrahlung verwandelte, ein Ort der pomodoren Verwandlung, wird jetzt marode. Auch die vitalsten Tomatenstauden erliegen zusehens den Kräften der Blattfäulnis und es wird klar, obschon am Top noch in voller Blüte, von unten fehlt mehr und mehr das Tragende und Nährende. Die gelben Sternchen drängen zwar noch nach dem immer spärlicher werdenden Licht und die grünen Früchte wandeln die verbleibende Wärme in zarteres Rot. Vielleicht werden sie nicht mehr zur Reife gelangen. Das Glück ist flüchtig, die überschwängliche Sommersonne, welche die Früchte in prallrote süssliche Götterspeisen verwandelte dahin.

So bleibt dann nur der Schritt zum Schnitt. Sie haben ihren Dienst getan, jetzt dürfen, können, müssen sie gehen. Und selten ist mir das Wegräumen von Pflanzen so unter die Haut gegangen, wie dieses Mal. Mir wird auf einen Schlag die Verantwortung und die Mächtigkeit von GärtnerInnen bewusst. Sie sind nicht nur Heger- und Pflegerinnen, sie sind auch knallhart rassistische Porfitgeier, die zugunsten der Optimierung und Durchsetzung von eigenen Interessen über Leichen gehen. Macht hat sehr viel mit Verfügungewalt über (anderes) Leben zu tun. Und so gesehen oute ich mich hier als Tomatenstaudenmörderin, ich schlachte im Auftrag und für einen vermeindlich guten Zweck namens winterhartem Nüsschensalat. Bald werden die guten, frischen Nützlinge in Reih und Glied eingepflanzt, um unsere winterliche Tafel zu bereichern. Fressen und gefressen werden? Alles ein grosses Spiel des Wandels, ein Werden und Vergehen, mitunter viel schneller oder viel zäher als einem lieb ist.

Der Boden wird umgestochen, wenig weiss ich eigentlich, was dabei geschieht. Der Akt sieht jedenfalls ziemlich brutal aus und hinterlässt mindestens rein optisch eine braune Wüste, wenn auch der Schein trügt. Die Erde ist voller Mikroben und kleinsten Lebewesen, voller Pilze und Würmer, Käfer und Laven. Wer vergibt mir, denn es dämmert mir erst allmählich, was ich da tue!

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Lieblingsfarbe: Grün

Es ist die ideale Jahreszeit für „meine“ Farbe. Das saftige Grün, das jetzt in allen Nuancen aus allen Winkeln und Ritze spriesst, ist genau das richtige Labsal für meine dürstende Gärtnerinnenseele, die ich so lange verkannt habe.

Samoa ahoi. Was heisst denn das im Klartext? Willkommen grüne Insel im Pazifik, ich grüsse dich. Nur durch die riesige Wasserwüste erreichbar, auf einem langen, entbehrungsreichen (un-grünen) Weg zu finden, weit aussen im pazifizierten  (befriedeten) endlosen Blau? Längst ist mir klar geworden, dass dieses Omen nicht wörtlich zu nehmen ist. Dass es nicht zwingen darum geht in meinem Leben je auf dem geographischen Inselgebilde namens Samoa anzukommen. Kann sein, das es auch darum geht. Aber vielmehr geht es darum die grüne Insel anzusteuern, wo das Leben zum Blühen kommt. Bekanntlich tagen die Blumen von heute, die Samen der Zukunft in sich. Wo ist der fruchtbare Boden für sie?


Es ist dieses leichtdurchflutet, zarte Frühlingsgrün wonach es in mir wahrhaftig lechtzt.  Als ich nach langer Entbehrung erstmals wieder durch einen Buchenwald ging und den Geschmack von Bärlauch erhaschte, die Finger über filigranes, flauschiges Moos wanderten und die Lugen sich mit der frischen, feuchten Luft füllten, wurde mir schlagartig und unmissverständlich klar: das ist meine Heimat. Da gehöre ich hin. Da komme ich zu neuer Kraft. Hier findet sich das nährende Substrat. Ich bin mir mittlerweilen sicher, mag es auf der Welt noch so viel schöne Orte geben: there is no place like home!

PS: Ab sofort gibt`s in diesem Blog auch eine Kategorie Sehnsucht

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Frühling in der Wolfsschlucht

Radau auf dem Rücksitz. Die Kinder sind nach der lagen Fahrt in den Jura langsam ungeduldig und beginnen sich zu zanken. Klack, der Moment für eine Pause. Ich fahre ziemlich spontan rechts ran und lese da auf einem Schild, Wolfsschlucht. Aha. Das ist doch eine Erkundungstour wert.

Wir steigen aus und bündeln unsere Energie für den Gang ins Neuland. Wir überqueren das Flüsschen, das parallel zur Strasse verläuft und steigen ein in das beschilderte Seitental, dessen Weg steil bergwärts führt. Riesige Felswände aus ausgeschwemmten Kalkgestein flankieren die enge Schlucht beidseitig. Wirklich eindrücklich. Laubwald, vornehmlich Buchen, zeichnen mit ihren zarten hellgrünen Blättern weiche Schatten auf dem spriessenden Waldboden. Kleine Höhlen und Nischen sind überall zu erkennen, sowie markante Felsvorsprünge, die sich in ihren Dimensionen nur schlecht fotografisch darstellen lassen. Ein kleiner Zaunkönig hüpft ganz in der Nähe umher, wohl auf der Suche nach geeignetem Nistmaterial. Der Erholungswert ist enorm. Es gibt jede Menge verschiedener Farne zu entdecken genauso wie kleines Getier, Käfer, Raupen, Ameisen. Aufgetankt, voll neuer Eindrücke lässt es sich ganz locker wieder weiterziehen mit einer Perle mehr im Erinnerungsspeicher. Vive le Jura et la Nature!

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Wachsendes Baumbewusstsein

Mit jedem Tag scheint mir die Bedeutung von Bäumen in meinem und unser aller Leben mehr bewusst zu werden.

Letzthin hat mein Bruder einen alten Zwetschgenbaum auf unserem Familienhof gefällt. Nein, nicht irgendeinen, den letzten, alten Hochstamm von den über dreihundert, die ursprünglich auf diesem Boden standen. Wie sich die Zeiten geändert haben. Eigenes Obst ( Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen, Kirschen und sogar Aprikosenspaliere) waren einst ein Stolz und klar auch viel Arbeit. Mit der zunehmenden Rationalisierung in der Landwirtschaft wurden sie nach und nach alle eliminiert. Es hat sich der Zeitaufwand nicht mehr buchhalterisch gerechnet, Fällungen wurden gar staatlich subventioniert und die Qualität von eigenen Früchten waren damals von anderer Gewichtung. Heute kann mensch sich ja mehr als glücklich schätzen wenigstens noch im kleinen privaten Bereich Einfluss auf die Produktionsbedingungen (von wegen Bio und so) zu nehmen.

Bäume unterliegen ja bekanntlich wie alles Organische auch einem Lebenszyklus. So  krachen morsche Bäume eines Tages ganz einfach in sich zusammen. Aber selbst äusserlich stark wirkende Tannen können zu Fall kommen bei böhigem Winden. Im nahen Wald haben wir letzthin nicht schlecht gestaunt, wie bäumig da Riesen entwurzelt wurden. Daraufhin haben ich mich auf Spurensuche nach den Marksteinen gemacht, die mittlerweilen ziemlich verwachsen sind. Aber was bedeutet es eigentlich, selbst FamilienwaldbesiterIn zu sein? Wald ist mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Was wächst denn hier alles? Wie spielt das zusammen?

Meine Mutter will unter dem jungen Nussbaum beigesetzt werden, das hat sie verlauten lassen. Sie ist mittlerweilen 82 Jahre alt und macht sich Gedanken über das Leben und Sterben. Ich besuche „ihren“ Baum und kann gut nachvollziehen, dass sie hier eine letzte Ruhe finden mag. Der Baum wurde vor etwa zwanzig Jahren an einem sonnigen und exponierten Ort gepflanzt, er nimmt allmählich Gestalt an und verspricht, dereinst gross und kräftig zu werden. Der alte Nussbau an einem tiefer liegenden Standort ist sichtlich dem Zerfall ausgeliefert. Jedes Jahr brechen mehr Äste ab, schlagen weniger Blätter aus und setzen mehr Flechten, Pilze und Moose an. Der einst so stattlich Baum wird zusehens zum Schatten seiner selbst. Von ihrem Letzteruhestättebaum aus sieht man nicht nur prächtig über die Gegend in die Berge, sondern auch auf den Hof, auf dem sie seit über 60 Jahre gewirkt und auf den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist, die Kapelle, die dank ihre Familie an diesem Ort gebaut werden konnte. Bei klarer Sicht kann man sogar noch einen Blick auf den See erhaschen und in der Ferne die Stadt grüssen.

Bäume als (Projektions-)Partner, treue (wenn auch ortsgebundene) Lebensbegleiter, stille Zeugen, Erinnerungsträger.  Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich, wie die persönliche Lebensgeschichte mit Bäumen in Verbindung steht. Auch mit dem obenewähnten Fellenberg-Zwetschgenbaum, der so schmackhafte Früchte lieferte. Ich erinnere mich noch bestens an die Farben der Früchte, an das Sonnenlicht bei Zusammenlesen, an die Holzkisten, die Wespen, die an den überreifen Früchten im Gras nagten… Leider wurde in meinem Fall nicht der bäuerlichen Tradition folge geleistet und anlässlich meiner Geburt ein Baum gepflanzt. Für meinen Brüder wächst ein Kastanienbaum, bei meinen anderen Geschwistern weiss ich es gar nicht. Aber anlässlich der Geburt einer Tochter von Freunden wurden ein Birnbaum mitten im Garten gepflanzt und wir durften bei der Einpflanzung mit dabei sein. Schön, das es das noch gibt.
Überall spriessen jetzt die jungen Bäume, haufenweise Buchnüsse springen auf, Eicheln platzen, Kastanien keimen, Ahornpropeller…Einige habe ich ausgewählt und eingetopft, um ihr Wachstum zu verfolgen und sie vielleicht dereinst bewusst irgendwo zu setzen, auch als Referenz für unsere Kinder. Lieber spät als nie!

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Brotbacktag im Regenwald

Schon früh beginnen die Vorbereitungen für den Backtag. Die grossen Teigbecken werden hervorgeholt, das Mehl, die Formen. Der Tisch wird abgeräumt, der Holzherd freigemacht, der Ofen eingefeuert. Die Mädels wollen mit dabei sein, stehen entsprechend bei Zeiten auf und helfen beim Zeitungszerknüllen, Anzünden, bei der Mengenberechnung, dem Anrühren der Hefe, Vermischen der Zutaten und sind dann auch beim ausgiebigen Kneten, Teilen des Teigs und Formen der Brote mit dabei. Das Treibenlassen und Backen überlassen sie dann getrost der gewandten Bäckerin, die das Feuer zu schüren weiss, die Leiber in den Ofen schiebt und mit gutem Gespür und viel Erfahrung zu richtigen Zeitpunkt wendet und rausnimmt.

Mit dem Rest des rohen Teigs heisst’s dann nichts wie los in den nahen Wald. Auch das regnerische Wetter mag uns davon nicht abhalten. Die Jungs wollen unbedingt noch am Baggerseechen vorbei, das zwar noch zugefroren ist, doch nicht mit tragfähiger Eisfläche. Frösche sichtbar am nahen Ufer? Nein, aber ein toter Fisch. Wir bleiben beim vegetarische Menü und suchen uns bei feinem Niesel eine geschützte Stelle am Waldrand unter einer mächtigen Fichte. Schnell haben die Buben die Feuerstelle mit Steinen umringt. Die Mädchen und Frauen suchen Holz. Die Weidenkätzchen zeigen bereits ihre Pelzchen, die Haselsträucher sind auch startklar. Die Teigschlangen umwinden die frisch geschnittenen Stecken, zum Enrichement gibt’s Bratspeck und Schokoladenriegel. Schmeckt lecker!

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Feuerchen überm Nebelmeer

Als begeisteret FeuerliebhaberInnen, um nicht eben von pyromanischer Veranlagung zu sprechen, machen wir uns auf in die Voralpen, um über dem Nebelmeer die lange vermissten Servelats am eigenen Feuerchen zu rösten. Der behödlich verordnete Entzug, den mensch in gewissen spanischen Trockenregionen zwangsläufig durchzustehen hat, baut wirklich auf die Dauer einen fast unwiderstehlichen Druck auf. Da nützt kein Kerzenanzünden und auch kein Kohlenfeuer kontrolliert auf dem Grill, auch kein Vorglühen auf dem Petroliumherd. Nichts geht über ein freies Feuer mit selbst gesammeltem Holz an einem gemeinsam gewählten Ort. Diesmal war’s unter einer Wettertanne am Südhang mit Blick in zart verschneiten Alpen und das Nebelmeer über dem Vierwaldstättersee, kurz vor dem grossen Wintereinbruch.

PS: Mit lieben Grüssen an den Käpten, der die weissgezuckerten Bergspitzen so gerne sieht.

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Litchi im Schnee

Schnee, Schnee und Eis, nur noch davon war bald die Rede. Ein riesiges Lechzen nach der Kälte, die so Faszinierendes wie Eiskristalle zu Stande bringt. Ich denke dabei eher an klamme Füsse, triefende Nasen und bronchiale Infekte, nicht so die Kinder. Mit einer unbändigen Begeisterung haben sie sich auf die letzten Reste des kostbaren Weiss gestürzt und ihren nahezu unstillbaren Hunger danach zu befrieden gesucht, wie Wüstenwandernde, die fast mit letzter Kraft endlich einen Tropfen Pflanzensaft aus einem Kaktus pressen. Es war so deutlich, dieses Verlagen, so klar und unmissverständlich und es war diskussionslos, dass dafür auch nur der echte „schweizerische“ Schnee in Frage kommt. Nada mas! Nüt anders!

Sie wäre ja nicht die Tochter unseres begnadeten Kombüsen-Chefs, der Kulinarisch so fast alles mit allem irgendwie zusammenführt in seinem alchemistischen Küchen-Laboratrium. Was liegt näher, als das Allerallerliebste mit dem Allerliebsten zu kombinieren. So nimmt Samona auf unseren Spaziergang durch den raureiferverzauberten Wald ein paar frisch geschälte Litchis mit. Tatsächlich findet sich an einem schattigen Hang – auf Brombeerblättern luftig gelagert – noch mal etwas Stoff für köstliche Träume. Sie ballt flink eine Kugel um die glitschige Frucht und ist wohl dem Himmel so nahe wie selten. Stolz präsentiert sie ihre Kreation und lässt uns natürlich gleich kosten. Wahrlich, ein erfrischendes Gedicht zum Geniessen oder vielmehr zum Dahinschmelzen!

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Ein bisschen Spätherbstglück

Ich geb’s zu, ich vermisse die Laubbäume. In der trockenen Küstenzone, wo die mediterane Vegetation tolle Sukkulenten hervorgebracht hat mit farbigen Blüten und bezaubernden Blätterarrangements, die immergrün ganzjährige Präsenz zeigen, hier wo die Bäumchen nur in begossenen Plantagen grün bleiben und das colline, steinige Hinterland spärlich mit Pinien bewachsen ist, die Flussläufe längst keine Wasser mehr führen, hier gibt’s kein Laub.

Da zeigt mit jemand Bilder von Südengland, das er aus beruflichen Gründen kürzlich bereist hat und mir kommen fast die Tränen. Genau, Inbegriff für Herbst und Reife, Fülle und Ernte war und ist eine Landschaft voller Farben, gelb, rot, orange, braun und ein stahlblauer Himmel mit sattgrünen Wiesen dazu. Wie konnte ich das nur vergessen?

Weniger Temperaturschwankungen, weniger Niederschlag, höhere Durchschnittstemperaturen, stabilere Wetterlagen, all das hat seinen Preis. Die saisonalen Schwankungen fallen weniger ins Gewicht und sind somit auch nicht so deutlich wahrnehmbar.

Mehr per Zufall finden wir im Hinterland einen verwilderten Flusslauf mit meterhohen Schilfrohren und besäumt von gelb belaubten Papeln und Platanen. Die Kinder jubeln und wuseln aufgeregt durch das raschelnde Laub, scharren Haufen zusammen, veranstalten Blätterschlachten und lassen Goldregen über sich ausschütten, fangen einzelne fallende Blätter und suchen die gefälligstisten Musterungen heraus. Im Flussbett schlängeln sie sich bis zum Wasser durch, in einer tieferen Mulde ist noch was hängen geblieben.Stundenlang bauen sie Flosse und Katamarane, schwimmende Insel und Brücken.

Da nutze ich die Zeit bergan zu geben und mich in den stillgelegten Korkeichenwäldern zu verlieren. Die Bäume, einst rege beschnitten wie man an den geschälten Stämmen noch gut erkennen kann, sind mittlerweilen wieder sich selber überlassen. Die einstige Kulturlandschaft durchzogen mit Steinmäuerchen und einem weitreichenden Wegnetz wird von der Natur wieder zurückgewonnen. Moose und Flechten legen sich über den steinigen Boden und an die knorrigen Stämme, efeuartiges Gewächs klimmt zu den Baumkronen hoch. Wie leicht diese Rindenstücke sind und wie dick. Häufigste Begegnung mit diesem eigenartigen Material sind wohl die Falschenzapfen, Korken. Wie hatten denn die Römer ihre Amphoren verzapft? Wein hatten sie doch darin gelagert, oder? Wer kam denn überhaupt aufs Weinkeltern? Ich kann auch nicht erklären, wieso Holz braun ist und musste zugegebenerweise ungern eine diesbezügliche Frage unseres Sohnes offen stehen lassen. Wie wenig frau über so Alltägliches weiss. Kork ist jedenfalls ein interessanter Rohstoff, weich, warm, elastisch, hautfarben, wasserabweisend… Wir haben im Schiff Kork-Böden eingebaut und im Cockpit die Sitzflächen mit korkgranulierter Isolationsfarbe beschichtet. Grund genug, mal noch was mehr über Kork in Erfahrung zu bringen.

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