Landgang

Ausgenommen an der Costa Brava

Mitunter wähnt sich mensch (oder ist hier frau mehr angebracht?) in einer traumwandlerischen Sicherheit. Eingelullt in all dem, was selbstverständlich, routinemässig läuft, schleicht sich was ein, das früher oder später zum Erwachen führt.

So oft haben wir die Reise zwischen Spanien und der Schweiz schon pannen- und störfallfrei bewältigt, gewiss dank der guten Verbereitung und wachsamen Begleitung des Käptens und der grossen Flexibilität der Rücksitzmitfahrenden. Der Wahrheithalber ist einzuräumen, dass es mitunter auch zu Spannungen und Stress-Situationen kam, die sich unterschiedlich tief eingegraben haben.

 

Diesmal also, nach einer Nachtfahrt im Konvoi mit zwei Kompositionen (PW plus Anhänger) und einer kurvenreichen, wunderschönen Küstenetappe steuern wir leicht übermüdet einen grossen Supermarkt-Parkplatz an. Mittagsrast ist angesagt und Lust auf frisches Futter lockt uns ins Einkaufsparadies. Die Wagen bleiben stehen voll Gepäck, Schlafsäcken, Kissen und Kuscheltieren. Wir kehren wohlgemut zurück. um die ergatterten Happen jetzt bei etwas strengem Wind vorzugsweise im Innenraum unseres Subarus zu geniessen. Der Bauer dreht für diesen Zweck eigens den Fahrersitz um, was zu mehr Tischatmosphäre führt. Hinter dem Beifahrersitz lagert ein Ersatzgetriebe, drum ist ne Hals- statt Sitzwende für die Schreiberin angesagt. Danach der übliche Powernap des Käptens – sommeil consciemment – wie er es nennt, die Kinder tollen draussen rum. Die Vierte im Bunde schnüffelt vor Ort mit der Kamera in Sack und der Attraktion zum Grünzeug im Herzen herum. Diesmal winkt ein verschlungenes, megahohes Schilfwäldchen am Parkplatzrand zur näheren Betrachtung.

Alles gut, Aufbruch! Auf-Bruch? Als erstes fällt das offene Handschuhfach auf im anderen Fahrzeug. Ach, vielleich aufgeklappt, weil der Bauer die Taschlampe rausgekramt hat, oder so, beruhige ich mich schnell und flüchtig im internen Strom der Welterklärung. Die Tochter, die sich auf dem Rücksitz einquartiert hat und dort wieder Einsitz nehmen will, bemekt schlagartig, dass ihr so wohlgehütetes Reisegepäck verschwunden ist. Noch mehr, nicht nur der Kleidersack ist weg, auch die Computertasche – mit Inhalt versteht sich. Ach ja. Und Augenblicklich durchfähren mich zwei Worte: beklaut! shit! An der Beifahrertür fehlt das Schoss. Aufgeknackt? Wo ist mein Gepäck, wo sind meine Kostbarkeiten fragen sich nun alle aufgebracht im Team. Kakteensammlung und Pfauenfedern lagern unberührt im Kofferraum, doch die „Koffer“ sind weg. Das Werkzeug und des Bauern Sachen lagern noch alle gut verstaut im Subaru, wenigstens das, aber die drei andern Ausrüstungen sind unauffindbar.

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Nein, sie hätten keine Ueberwachungskameras im Aussenbereich erkärt der Filialleiter und verweist stattdessen auf den nächsten Polizeiposten im Nachbardorf. Na bravo. Was nun? Der Bauer zeter kurz was rum von wegen Selbstdiziplin, Unordnung ec.t pp., das hilft jetzt auch nicht wirklich weiter. Fassung finden! Schock bewältigen. Was war denn da alles eingepackt? Klamotten, Computer, Handys, Pässe, E-Banking-Acess, Reserve-Geld… Der Bauer sucht nochmals die Gegend ab, auch die Kindern ordnen ihre Beobachtungen neu. Der Tatbestand ist soweit klar. Den Tathergang versuchen wir zu rekonstruiert. Von Tätern fehlt jede Spur. Verdächtiges wird aus der Erinnerung gepopelt. Was hab ich über-sehen, war da irgendein Signal, irgendein erkennbares Anzeichen? Leichtsinn‘? Unbeschwertheit? Nachlässigkeit? Karmischer Abtrag?

Der Poizeiposten ist rel. schnell gefunden. Zu dritt erstellen wir die Inventarliste für die Anzeige, derweil der Käpten die Gefährte bewacht. Ein routinierter Beamter, der grad von der Steife zurückkommt, übernimmt den „Fall“. Die ganze Sache läuft recht emotionsfrei ab, entlang der formularbedingten Fragen. Kurz wird eingangs Bedauern geäussert. Ein Protokoll für die Versicherung (welche??), Produkte mit Typebezeichnungen, Wertfestlegungen, geschätzter Verlust: 2500 Euro!! Mehr könnten sie im Moment nicht tun. Wiederauffinden? Möglich bis eher unwahrscheinlich, weil dahinter die Diebe meist unerkannt mit dem Auto wegfahren und in aller Ruhe zuhause das Zeug durchkramen und nach ihren eigenen Wertkriterien neu in Verwertbares und Abfall sortieren. Bumm. Aha. ja. so. ok. klar. Vielleicht hilft dieser ritualisierte Ablauf ganz einfach zur Verbeitung der Erschütterung, die mensch erfährt bei plötzlich eintretenden, unvorhergesehenen Ereignissen. Eine Art Ausnüchterung.

Das Bestohlenwerden fühlt sich an wie Durchschütteln, Erdbebengleich, was vorher Bestand hatte, trägt nicht mehr so zweifelsfrei, was vorher noch einfach und fraglos verfügbar war, ist jetzt verschwunden, nur noch in der Erinnerung zugänglich. Eine neu Art der Wertschätzung erwächst durch das Verarbeiten des Verlusts, ein Dankbarkeit, für alles, was noch da ist, was noch funktioniert. Eine schleichende Trauer, für das, was von einem gegangen ist z.B. der Lieblingspullover und die neue Windjacke, die Fotosammlung seit Anfang Jahr (ohne Backup), die USB-Datensticks… Eher neutral fühlt sich der Abgang von Kabeln und Adaptern an, die glücklicherweise fast alle im Doppel noch irgendwo vorhanden sind und mitunter wird auch ein Hauch Erleichterung spürbar, für das Befreiende. Wie gut, dass ich mich mit dem jetzt nicht mehr so alltäglich rummühen muss z.B. dem überfüllten, ewig langsamen Tablet mit dem Wackelkontakt-Kabel, dem fehlenden USB-Anschlüssen und den weggepickten Tasten.

Die Tochter muss ebenfalls mit dem Verlust ihres Computer klarkommen, der ihr in den letzten Monaten so zum Fentster in die Welt geworden ist. Im Nu hat sie ein tolle Bildersammlung angelegt und Links von wichtigen Dokumentarfilmen gespeichert. Die Kommunikationsmöglichkeiten entdeckt, die der elektronische Briefverkehr mit ihren Freundinnen bietet.

Den Sohn triffts fast am härtesten, nicht nur dass sein Computer, den er erst vor ein paar Wochen von seiner Patin erhalten hat weg ist, auch seine drei Handys, die er in einem kleinen roten Köfferchen gehütet hat zusammen mit allen dazugehörigen Kabeln und Kopfhörern. Und am meisten beunruhigt ihn, dass eines davon bloss ausgeliehen war. Wie wird wohl sein Freund auf die Mitteilung reagiere und wie kann er den entstandenen Schaden wieder gut machen?

Er-Setzen. Kann mensch das überhaupt? Dasselbe gibt es gar nicht mehr und mitunter wird erst jetzt bewusst, wie einzigartig auch die Dinge (selbst industriell gefertigte) sind. Es heisst zwangsläufig sich mit etwas Neuem wieder vertrautmachen, anfreunden, in Beziehung treten und Liebgewonnenes loslassen, verabschieden, freigeben.

Wieder Balance suchen und die vormals verengte Perspektive wieder weiten, mehr Nachsicht, Vorsicht, Rücksicht, Umsicht, Weitsicht, Innenschau und Ausschau. Prioritäten neu akzentuieren auf das hin, was uns wichtig ist, was wir brauchen. Wie komme ich dazu und wie schütze ich es und gegebenfalls wie lebe ich ohne damit weiter.

Der Bauer wartet (schon fast ewig) darauf, dass ich endlich vom “hohen Ross” runtersteige, er meint wohl damit meinen Stolz, die Dinge selber regeln zu wollen und auf meiner Eigensinnigkeit zu beharren. Ich solle endlich lernen Hilfe anzunehmen (insbesondere auch seine) und mir einzugestehen, dass ich es nicht allein schaffe. Sehr, sehr ungerne, geb ich zu, doch ist es offensichtlich. Klopfet an und euch wird aufgetan?

Wer immer das liest und vielleicht in seinem resp. ihrem Depot ungenutzte, aber noch funktionierende Handys resp. Tablets oder Laptops hat oder Ideen für günstige Bezugsquellen, findet hier dankbare AbnehmerInnen.

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Mit Adios auf der Klosterinsel

Wir mögen gelbe Boote und wie das Leben mitunter so spielt, hat es uns eine neue Einladung geschickt, um mit einer sonnenfarbigen Barke grüne Inseln zu erreichen.

Der Käpten hat den Aufwand nicht gescheut und sich einen Klassiker angelacht, einen Corsaire. Seit ich ihn kenne, schwärmt er für diese Schiffe. Via Inserat aufgespürt und mit Slip-Tailer übernommen, fehlte nur noch die Kippvorrichtung zum Aufladen auf den bereits vorgängig organisierten Anhänger. Männer brauchen (offenbar) Herausforderungen und finden immer auch wieder Lösungen zu quasi selbstgestellten „Problemen“. Als gewandter Recyclist organisiert der Bauer sich Aluschienen und montiert die, assistiert durch die Kinder. Das Patent funktioniert auf dem Trockenen, wird es sich auch an der Rampe bewähren? Wir checken das aus.

Aufbruch ist angesagt zum schweizerischen Bundesfeiertag. Wir versprechen uns eine exklusive Sicht auf die Lichtershows am See, die diese Jahr wegen der anhaltenden Trockenheit spärlicher ausfallen werden. Doch erst will eingewassert werden und der Mast gestellt sein. Kaum flottiert das Schiffchen auf dem lauen Nass, da sprudelt es auch schon den Schwertkasten hoch. Wir legen vorsichtshalber mal am Steg an zur weiteren Beobachtung. Des ausgetrocknete Sperrholz muss sich erst wieder an die neue Umgebung gewöhnen. Wir schöpfen Wasser und richten uns ein, die Nacht sicherheitshalber landnah zu verbringen. Nach einer massvollen und doch imposanten Gewitterfront, die wir hautnah miterleben dürfen, kommen wir zum krönenden Tagesabschluss doch noch in Genuss von zwei, drei Feuerwerken. (Ich hoffe, es gibt ein anderes  Mal Gelegenheit, den Kindern die herzerwärmende Kette der kommunalen Höhenfeuer der Eidgenossen näher zu bringen.) Der Käpten übernimmt stillschweigend und verlässlich den Schöpfdienst (MERCI  CHERIE) und so schläft die Crew ganz gemütlich dem nächsten Morgen entgegen.

Der bootsinterne Wasserspiegel hat sich stabilisiert, wir können einen Schlag auf dem Zürichsee wagen Richtung Ufenau. Wenig Wind (hallo, kenne wir das nicht von woher?) und unser toller, bis anhin wenig benutzter Elektromotor (called: mixer) bringen uns zur Klosterinsel. Unter Segel legen wir an mit Ankerwurf, die Schiffsgrösse ist angenehm übersichtlich, zum Einspielen des Monövers ideal. Petrolherd an Bord muss sein, jedenfalls auf einem Bauer-Schiff. So brätelt uns dann der Käpten und Kombüsenchef ein Mittagsmenü, da mit offenem Feuer ja ein Grillplausch im Freien bei Feuerverbot nicht angesagt ist. Auf dem anschliessenden Landgang finden wir wunderbar sonnengereifte Bio-Brommbeeren zur Nachspeise. Oberlecker!

Die Rückreise nutzt der Käpten zum Erproben der Segelgarderobe. Ein mitgebrachter Spi aus dem Fundus bläht sich rotschimmernd im zunehmenend Wind. Die Jung-Crew wird zum Trimmen eingespannt, derweil die Schreiberin im dunklen Innenraum abtaucht. Bald kriegt das Boot aber wirklich gut Fahrt und es ist ein echtes Vergnügen an so einem Prachtstag quasi den See für sich zu haben. In Ufernähe steigt eine grosse Rauchsäule gegen den Himmel, wir werden ZeugInnen eines Grossbrands. Doch allsbald haben wir selber Action. An der Auswasserungsrampe wird nämlich voller Einsatz gefordert. Auf der Badeliegewiese scheinen die ZuschauerInnen schon auf ein Spektakel zu warten. Schon laufen Wetten, ob wir das Teil wohl so wieder rauskriegen. Es gibt aber glücklicherweise schnell Kontakt und Helfer melden sich zur Stelle, um letztlich mit Seilwinde und Manpower die Adios wieder auf ihren Hänger zu buxieren. Hau-Ruck, und gegen Mitternacht fahren wir dann zufrieden und müde den Berg hoch.

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PS: Gewisse Ähnlichkeiten von Vater und Tochter sind nicht zu verkennen! 😉

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Vollmond im Krater

Aufbruch, Ausbruch, Abbruch, Durchbruch… Na ja, jedenfalls sind wir als ursprüngliche Sundancer-Crew endlich mal ausgefahren und haben die nächstgelegene Inselgruppe Richtung Balearen besucht und zwar auf tollen Vorschlag des Käptens zur Vollmond-Zeit.

Die Winde sind mässig günstig und schwer zu finden, das Wetter ansonsten recht stabil, trocken und heiss, gerade richtig. Also verlassen wir den angestammten Hafen, Leinen los und geniessen das erhebende Gefühl, einfach alles Landige hinter uns zu lassen. Ok, klar für den Bauer ist es natürlich nicht ganz so locker, schliesslich hat er nicht nur das Schiff zu manövrieren, navigieren und trimmen, sondern auf auch dessen ganzes Energiemanagement zu jonglieren, Formeln mit einigen Unbekannten! Am schwerwiegendsten für ihn ist es wohl, die subversive Kraft der Schreierin zu bändigen, die jederzeit zur Meuterei aufzurufen droht. Doch da kommt ihm deren Faibel für die schwankenden Wellen auch zu Hilfe. Schon nach einigen Meilen ist sie quasi ausgenockt und in der Koje geknebelt, geschlagen von der Geissel der Seekrankheit! Mit den jungen Crew läuft’s prima, die übernehmen in den Manövern ihren Part, sie als Steuerfrau und an den Fendern, er an den Motoren und als Vorschoter. Das frei flowtenden weitere „Element“ ist aus besagten Gründen nicht so zuverlässig einsetzbar. Mal für den Auskuck vielleicht. Aber wie gut ist ihre Nach(t))sichtigkeit? Als eigentliches Greenhorn auf dem Wasser immer wieder irritiert von den vielen verschiedenen Lichtern in Küstennähe und dem noch nicht eingetunten Gefühl für Distanzen und Geschwindigkeiten auf dem Wasser.

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Wir kommen noch vor Mitternacht an der Boje in den Islas Columbretes an und dank himmlischer Beleuchtung ist das Anlegen auch entsprechend easy. Leichter Levante trügt die Wellen in den nach Osten offenen Kraterrand des Vulkans, der vor ca. 300’000 Jahren letztmals ausgebrochen sein soll – weiss ja keiner so genau. Am nächsten Morgen ist Landgang angesagt. Das Naturschutzgebiet kann auf Anfrage und in Begleitung eines Wächters besucht werden. Per Beiboot setzen wir über erklimmen auf einer rollstuhlgängigen Piste den höchsten Punk, der auch vom Leuchtturm markiert wird. Eine fantastisch Sicht eröffnet sich uns hier und zeigt die ganze Gruppe von schroffen Felsklötzen, die aus dem Blau hervorlugen. Zwar liegen einige andere Yachten in Bojenfeld, doch heute geniessen wir eine Privat-Tour sogar inklusiv Tourifoto, das der Guide unaufgefordert von uns schiesst.

Speziell ist das ewige Gelächter der Möwen, welche hier die kargen Abhänge besiedeln und sich Tratschtanten gleich gegenseitig immer wieder neu Geschichten zugackern, um deren Pointen mit ausgelassene Gegröle zu feiern. Ansonsten treffen wir Tigerspinnen, die in ihren Netzen auf Beute lauern und ein grosses Kakteenfeld, das einst von ehemaligen Leuchtturmwächter angelegt wurde. Viel wächst hier sonst nicht. Kein einziger Baum! Unterwasser gibt`s fast mehr zu entdecken, das finden jedenfalls die Jungen, schnappen sich das Schnorchelzeug und tauchen ab.

Den verloren Zahn von Samona finden sie allerdings nicht mehr. Wie das Leben so spielt ist bereits bei unsere ersten Inselbesuch vor Jahren an Bord von Freunden just an der Kratereinfahrt ein Milchzahl bereit gewesen zu weichen. Samona hat ihn kurzerhand aus ihrem Mund geknackt und den Wellen übergeben, ganz ähnlich wie diese Mal. Dafür finden wir auf unserer Rudertour eine seichte Stelle und haben endlich eine felsenfeste Erklärung für die sagenhafte Jesus-über-Wasser-geh-Geschichte ;). Der Käpten gibt noch einzeln Segelunterricht auf der SaLoLoSa, derweil die etwas rekreierte Schreiberin zwei drei Ecken des kürzlich genähten Biminis von Hand verstätet. Der Schattenspender verwandelt das sonst bratige Cockpit in eine lauschige Laube ganz zu Gefallen aller.

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Nach ein paar Tagen ist dann genug geschaukelt und die Geschäfte an Land rufen zurück. In einer nächtlichen Fahrt mit mehr Motor-denn-Windkraft finden wir trotz lästig pipsendem, positionsverlustigem GPS zurück an unseren Hafenplatz. Die Testfahrt hat doch einiges aufgezeigt. So ist gewiss noch an dem Batterieladesystem zu arbeiten und der Bauer wünscht sich eine stärkere Motorisierung und hat auch schon seine Pläne im Werden. Etappen, Schritte, Teilziele…Jedenfalls der Ausflug gut geklappt und der Kapitän hat sich erfolgreich gehen etwelche Meutereien behauptet sowie Schiff und Crew heil zurückgebracht. Merci bien et chapeau!

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Wege zum Wasser erkunden

Wasser begleitet uns als Themen nicht nur, wenn wir auf unserer Sundance leben, unserem Kat, der umgeben ist von Wasser, oder wenn wir die Wassertank auffüllen, die Abwassertanks leeren, Trinkwasser in Petlaschen bunken, Salzwasser filtern, das Deck schruppen, die undichte Stelle am Fenster suchen bei starkem Regen, die Bilgenpumpe anstellen, das Teewasser auf dem Petrolherd erwärmen etc.

Auch bei Landgang in der Süsswasserzone bleiben wir mit dem Nautischen und Aquatischen im Bezug. Sei es, dass wir mit dem Käpten zu verschenkende Segelboote auf Binnenseen oder in alten Scheunen besichtigen gehen oder am Abend unbelichteten Uferwege abschreiten, um Ausschau zu halten nach bisher nicht beachteten Bojenfeldern oder gar Inseln. Dann können wir auch immer wieder wilde Überquerungen mit selbstgebastelten Ruderbooten oder die Einsätze der neusten Hydrofoil-Mini-Trimerane auf Youtube kucken, der Bauer beliefert uns da frei Haus mit frischem Material. Das Reden über mögliche künftige Reiseziele hilft weiter, den Kontakt zu behalten. Derweil der Käpten das grosse Wasser im Blick hat, zieht es die Schreiberin mehr zu den lokalen Rinnsalen hin, sie sucht Trost im Überschaubaren und lernt wieder zu Staunen, freut sich ob kleinen Entdeckungen.

Zusammen mit den Kindern geht sie dann auf Expedition vor Ort und erkundet ganz einfach den nächstgelegen Wasserlauf mit dem sinnigen Namen Aabach, klar: ah, ein Bach! 🙂 , in dem sie als Kind gespielt hat. Jetzt ist sowohl der Agitationsradius sowie die Wahrnehmung eine andere. Wir laufen gegen die Strömung der Quelle entgegen und finden heraus, dass der Bach irgendwo unterirdisch gefasst wird. Google-Earth und lokales Kartenmaterial geben da nur ungenügend Auskunft. Eine Befragung der Bauern im Quellgebiet steht noch aus. Bachab ist auch spannend, neu Wäldchen und Landstriche erschliessen sich. Wir finden einen künstlichen Weiher, der offenbar mal in der Frühindustrialisierung angelegt wurde. Auch die alte Stauanlage ist als Ruinen noch anzutreffen, moosüberwachsen und vergessen. Wer hätte das erwartet, ein verrostes Auto im Tobel, welch abenteuerlicher Fund! Alte Fotos zeigen ein riesiges Fabrikgebäude, das heute nur noch Schutt und Asche ist. Wer da wohl mal gearbeitet hat und wie sich das damals gelebt hat? Wir begegnen grossen, alten Baumriesen die gewiss dabei waren und auch vielen hölzernen Wasser- und Sturmopfern, die umgeknickt oder umgekippt darnieder liegen. Unter Brücken durch, vorbei an einer alten Säge, weiter hin zu einem grösseren Weiher, der weniger idyllisch direkt unter einer Autobahn liegt. Noch sind einige Etappen vor uns bis wir im Mündungsgebiet ankommen.

Die Sensibilisierung für die lokalen, kleinräumigen Zusammenhänge ist jedenfalls in vollem Gange. Es kommt mir vor wie Wurzeln bilden. Fein und zaghaft spüren die filigranen Wurzelhaare das Gelände ab, wachsen aus sich heraus in die Welt hinein, befühlen den Boden, finden Steine des Anstosses, aber auch viele hilfreiche Nährstoffe, Entwicklungsfreiräume und labendes Wasser.

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Mir eis! Brotauswerfen in Einsiedeln

Per Zufall entdecke ich in einer Lokalzeitung ein Fasnachts-Inserat, das einlädt zum Brotauswurf am Güdelzischtig in Einsiedeln. Was ist das? Wie in Vorinternetzeiten lässt sich das am besten durch aktive Teilnahme in Erfahrung bringen. Also nichts wie hin. Die Kinder fantasieren zwar wie sie von fliegenden Broten beinahe erschlagen werden und Lorhan nimmt vorsorglich schon mal ne grosse Tasche mit, um tüchtig einsacken zu können.

Wir parkieren ausserhalb des Dorfes, beim Friedhof, der übrigens für kulturell und historisch Interessierte überraschend viel zu bieten hat, wie ich beim nachträglichen Besuch feststellen durfte. Dann geht’s mal der Strasse nach zum Zentrum. Die Klostermauern sind hoch und definitiv ausgrenzend, da gibt’s für Unbefugte keinen Hintereingang. Also nichts mit nostalgischem Schlendern durchs berühmte Pferde-Gestüt mit Besichtigung der mittelalterlichen Bestallungen. Dafür reichlich Konfetti-Spuren vom gestrigen Umzug und schmackhafte Schmelzwasser-Topfen, die von den kleinen Mauervordächern direkt in die offenen Kindermäuler plumsen (hmmm!). Obwohl ich ja seit Kindsbeinen an das Klosterdorf „kenne“, ist der Besuch diesmal doch erfrischend neu, anders. Von wegen tausend mal berührt…

Da begegnen wir einer steinernen Glocke auf einem hohen Sockel mit der Beschriftung: ich erinnere an die Welschlandfahrer. Ein echtes Denk-mal! Was soll das bedeuten? Eine kurzfistig angelegte Strassenumfagen bei PassantInnen ist vorerst wenig erfolgreich und wird bloss mit Schulterzucken quittiert. Gerade in diesem Augenblick vernehmen wir die richungsweisenden Böllerschüsse, wohl das Startsignal für die ausgeschriebene Veranstaltung. Nichts wie hin, querdorfein durch die Hinterhöfe und engen Gassen, die so ganz im Kontrast zum offiziell pompösen Klostergesicht stehen.

Genau zum richtigen Zeitpunkt biegen wir in die Hauptgasse ein, wo uns die bunten Gestalten durch die Menschenmassen hindurch entgegentanzen mit ihrer für uns noch rätselhaften Kostümierung. Vorneweg die einen ganz in Weiss mit einer Art Narrenkappe (Hörelibajassen), gefolgt von schellentragenden, rotweiss gekleideten Pferdehändlern und gegürteten Bauern mit Holzmasken. Na ja, eben Figuren, welche die Geschichte der denkwürgigen Welschlandfahrenden erzählen (Welsch steht für fremdes Land). Touristenbüro sei dank, so lässt sich der Zusammhang, der bei den meisten Teilnehmenden nicht wirklich verankert zu schein scheint (Eindruck gemäss spontaner stichprobenhafter Umfrage), doch noch erfassen.

Wir stehen also wie die vielen Wartenden rund um die eigens dafür errichtete Holzbühne und rufen den Brotauswerfern mit erhobenen Händen zu: mir eis! mir eis! Teils wird hochpräzise geschossen, teils fliegen die pfundigen Weggen der ansässigen Bäcker tatsächlich fast wie gefährliche Geschosse durch die Luft. Den Sack haben wir im Auto vergessen, macht nix, mit Glück haben auch wir ein „Mütschli“ empfangen als Wegzehrung. Die Kinder tanzen zum privaten Abschluss des Anlasses auf dem schwindenden letzten Haufen Schnee auf dem Klosterplatz und schon ist der Spuk vorbei.

 

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Feuerchen überm Nebelmeer

Als begeisteret FeuerliebhaberInnen, um nicht eben von pyromanischer Veranlagung zu sprechen, machen wir uns auf in die Voralpen, um über dem Nebelmeer die lange vermissten Servelats am eigenen Feuerchen zu rösten. Der behödlich verordnete Entzug, den mensch in gewissen spanischen Trockenregionen zwangsläufig durchzustehen hat, baut wirklich auf die Dauer einen fast unwiderstehlichen Druck auf. Da nützt kein Kerzenanzünden und auch kein Kohlenfeuer kontrolliert auf dem Grill, auch kein Vorglühen auf dem Petroliumherd. Nichts geht über ein freies Feuer mit selbst gesammeltem Holz an einem gemeinsam gewählten Ort. Diesmal war’s unter einer Wettertanne am Südhang mit Blick in zart verschneiten Alpen und das Nebelmeer über dem Vierwaldstättersee, kurz vor dem grossen Wintereinbruch.

PS: Mit lieben Grüssen an den Käpten, der die weissgezuckerten Bergspitzen so gerne sieht.

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Litchi im Schnee

Schnee, Schnee und Eis, nur noch davon war bald die Rede. Ein riesiges Lechzen nach der Kälte, die so Faszinierendes wie Eiskristalle zu Stande bringt. Ich denke dabei eher an klamme Füsse, triefende Nasen und bronchiale Infekte, nicht so die Kinder. Mit einer unbändigen Begeisterung haben sie sich auf die letzten Reste des kostbaren Weiss gestürzt und ihren nahezu unstillbaren Hunger danach zu befrieden gesucht, wie Wüstenwandernde, die fast mit letzter Kraft endlich einen Tropfen Pflanzensaft aus einem Kaktus pressen. Es war so deutlich, dieses Verlagen, so klar und unmissverständlich und es war diskussionslos, dass dafür auch nur der echte „schweizerische“ Schnee in Frage kommt. Nada mas! Nüt anders!

Sie wäre ja nicht die Tochter unseres begnadeten Kombüsen-Chefs, der Kulinarisch so fast alles mit allem irgendwie zusammenführt in seinem alchemistischen Küchen-Laboratrium. Was liegt näher, als das Allerallerliebste mit dem Allerliebsten zu kombinieren. So nimmt Samona auf unseren Spaziergang durch den raureiferverzauberten Wald ein paar frisch geschälte Litchis mit. Tatsächlich findet sich an einem schattigen Hang – auf Brombeerblättern luftig gelagert – noch mal etwas Stoff für köstliche Träume. Sie ballt flink eine Kugel um die glitschige Frucht und ist wohl dem Himmel so nahe wie selten. Stolz präsentiert sie ihre Kreation und lässt uns natürlich gleich kosten. Wahrlich, ein erfrischendes Gedicht zum Geniessen oder vielmehr zum Dahinschmelzen!

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Jing Jing wird zu Hmm Mampf Sushis

 

Der Faszination für Japan lässt sich im allgemeinen Trend am einfachsten kulinarisch frönen. Schiebetüren, Tatami-Matten, Bonsais und Steingärten sind nicht eben tauglich für unseren Kat und auch mit den Tuschzeichnungen werden wir im feuchten Umfeld nicht weit kommen. So bieten sich als Annäherung fürs Erste mal die Sushis und Co an, die wir alle gerne mögen.

Wie es sich im Leben mitunter so genial fügt, finden wir in einer alten Schiffsbibliothek ein Buch über Sushis, französisch und mit vielen einladenden Bildern. Beim Discounter gibt’s günstige Einsteigerkits, wir greifen zu. Bei einem einem gemeinsamen Picknick mit befreundeten Familien kommen wir beiläufig auf Bendos zu sprechen, japanische Verpflegungsboxen der besten Güteklasse. Längst ist die lackierte Holzkiste mit Fächerunterteilung durch Tuperware überholt (mindestens hier im Westen), gut verschliessbar versteht sich, damit der Reis nicht raus rieselt, wenn’s unterwegs mal drunter und drüber geht. Das Konzept gefällt mir, habe ich doch mittlerweile schon fast so was wie Krümelphobie entwickelt. Überall sind sie ja zu finden, diese abgesprungen, weggebrochen, runtergefallenen, fortgeworfenen, weggepurzelten, entflohenen Überreste von Etwas, Splittergruppenrepäsentanten, Ausreisser…ob das wohl was mit meinem Schatten zu tun hat? Gewiss!

 

Ich will jetzt da vor dem tiefenspychologischen Abstieg lieber aufs Bambusbrett rüberschwenken, das in der Küche bereit liegt, um darauf die ersten Algen-Reis-Rollen zu drehen. Samona ist mit von der Partie bei unserem selbstarrangierten Kochkurs mit unserer erfahrenen Sushi-Köchin. Reiskochen, Reis-Essig dran, ausluften lassen, platt drücken, belegen, rollen und drücken. Sehr simpel und doch mit dieser Stäbchenmatte auch wohl elaboriert. Ich mag diese gepflegte Art. Die Tochter wetzt das grosse Messer und säbelt ihr erstes selbstgedrehtes Sushi mit Thonfüllung von der Rolle, sie füllt den Teller und macht sich gleich ran an die Deko. Die mitgebrachte Rübe anerbietet sich zur Auslebung ihrer Schnitzkünste. Es entstehen Sterne, Möndchen und Herzen, die den etwas bleich wirkenden Schnitten eine willkommene optische Auffischung verleihen.

Anschliessend gibt’s noch ’nen willkommenen Abstecher für die Schreiberin zum nächstgelegenen Chinaladen mit asiatischen Lebensmitteln namens Jing Jing. Hier findet sich reichlich Material und teilweise kulinarisches Neuland, Soja-Sauce in grossen Kanistern, getrochnete Pilze im Kilopaket, endlich Lichies aus Dosen und jede Menge Reisnudeln. Der heissbegehrten eingelegte Ingwer ist ausverkauft, nicht so die vielen Varianten von süssen Kugeln aus gestampftem Reis namens Mochi. Ein langsames Vortasten in einen noch zu entdeckenden Geschmacks- und Kulturraum mit viel Vorfreude.

 

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Der Schrumpfkopf von Onda

Die Gelegenheit ist günstig, was anerbietet sich besser als an einem regnerischen Tag endlich mal das Naturhistorische Museum in Onda zu besuchen, am Rande der kleinen Stadt, die sonst vor allem durch ihre Keramikwaren gross geworden ist.

Das Museum erweist sich als eine Sammlung von ausgestopften resp. aufgespiessten Tieren aller Art und birgt auch einige unerwartete Kuriositäten in seinem Innern. Die Präsentation entspricht nicht dem jüngsten Trend von didaktisch interaktiv aufgebauten Erlebniszonen mit multimedialer Stimulierung. Zwar gibt es einzelne Versuche, die strenge Ordnung der geschlossenen Glasvitrinen durch etwas aufzulockern, aber insgesamt ist die hermetische Abschliessung fast perfekt und erschwert indirekt die Zugänglichkeit des Ausgestellten. Aber gerade diese etwas überholte Form hat auch seine unverkennbaren Vorzüge. Die atmosphärisch gestalteten Schaukästen gruppieren verwandte Lebewesen nach Lebensräumen. Die Tiere sind zum Teil in etwas eigenartigen Haltungen drapiert und mitunter von verblüffender Echtheit. Staunend standen wir vor jenem weissen Pferd, dessen Nüstern sich jeden Augenblick zu blähen drohten. Die Phantasie wird jedenfalls prächtig angeregt durch das eigenartige Sammelsurium.

Angeblich sollen alle Tiere bis auf den Hai und das Rhinozenros echte sein. Einblicke in die Konservierungsverfahren gibt es nicht, nur Regale voller Fische in Einmachgläsern und einen kurzen Video über gebärende Seepferdmännchen. Da findet sich in mitten drin auch ein wahrhaftiger Schrumpfkopf, der klar zum unvorstellbaren und schwer zu verkraftenden Hinkucker wird. Angeblich soll ihn seinerzeit ein Missionar mitgebracht haben. Das menschliche Skelett im dritten Stock ist auch eine Replika, aus Pietätsgründen haben die Kuratoren anno dazumals in der Prä-Von-Hagen Periode auf ein Orginal verzichtet. In der museumseigenen Bibliothek gibt es zwar nicht so viele Bücher zu sehen, dafür umsomehr Radios aus allen Entwicklungsstufe,eine Privatsammlung.

Wer sich Zeit nimmt, kann eintauchen in eine wundersame Welt von Geschichten, denn jedes dieser einzelnen Exponate war einst gefüllt mit Leben und hat einen Weg hinter sich und ein Geheimnis in sich. Wir treffen auf Gürtel- und Schuppentiere, deren Existenz, ganz neue Dimensionen öffnen. Schuppen aus Horn, angeordnet wie bei Fischen, ein sich bewegender Tannzapfen mit einer meterlangen Zuge, nachtaktiv und in seiner Kringelform unbezwingbar selbst für Löwen, fast unglaublich. Diese Details erfahren wir aber nicht im Museum selbst, sondern erst bei späteren Internetrecherchen.

Mich persönlich hat die Abteilung der vielen Schmetterlinge, Falter und Käfer am allermeisten beeindruckt oder vielleicht viel eher fasziniert. Wahre innere Begeisterungsstürme brachen in mir auf, ob dem Schimmern, Schillern und dem Variantenreichtum, der echt seinesgleichen sucht, präzis gezeichnete, genial konstruierte Miniaturen, fantastisch gestaltete Wunderwesen mit einem ebenso erstaunlichen transformativen Werdegang, META-MORPHOSE.

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Pura vida und einen tollen Vollmond

Wir suchen den Alltag an Bord noch, ich mindestens, denn mit dem Umzug vom Tockendock auf den Liegeplatz ins Wasser ist doch einiges in Bewegung gekommen. Als allererstes natürlich das Schiff, sie resp. er schaukelt jetzt springbeleint und durch die Ostdühnung, die kreuz und quer durchs Hafenbecken echot, ziemlich nervzehrend umher. Der Käpten gibt sein Bestes, die Situation so annehmbar wie möglich zu gestalten, er ist der erste, der unter dem Geknarre und Gereisse an den Strippen leidet, aber auch der Befähigste daran etwas zu tunen. Wir bestellen div. Ruckdämpfer und hoffen auf eine rasche Lieferung! Schlaf wird Mangelware bei angesagten Springfluten in einer Vollmondnacht und einem Schiff (noch) ohne Vollkasko-Versicherung.

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Der Perspektivenwechsel tut uns allen gut. Marinisierung ist angesagt, alle sind gefordert. Wie komm ich vom schwankenden Kat wieder an Land und umgekehrt, wie federt mensch einen Sprung aufs Heckdeck ab, ohne dass die auf der schwimmenden Insel gleich an einen Kontainerzusammenstoss denken. An welchen Stellen halt ich mich beim Gang durchs Innere. Wie schaffe ich es, gelassen zu bleiben, nicht in den Widerstand zu gehen, nicht in die Eskalation, sondern in die Annahme. Derweil die Küche schon ordentlich funktioniert und das Bordklo mit elektrischer Pumpe und Fäkalientank erfolgreich seinen Betrieb aufgenommen hat, zur Freude aller, müssen noch für allerhand für Alltagsgegenstände Verortungen gefunden werden… Jacken, Taschen, Schuhe, Wäschesack und dergleichen. Das Bordwerkzeug hat immerhin einen tollen Platz in Aussicht. Improvisation ist fast das ganze Leben, unseres wenigstens.

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Claudia fährt mit den Kindern zu einem Treffen mit andern FreilernerInnen, derweil der Käpten die Motoren richtig einstellt und undichte Schläuche ersetzt. In letzter Minute konnte an dem regnerischen Tag einen Unterschlupf im Trockenen gefunden werden in einem veganen Strandrestaurant mit Saisonferien. Ideal für unsere Perkussions-Session. Alle bringen ihre Instrumente mit und zusammen wird gejamed. Nicht alle spüren den gleichen Rhythmus, aber das Experimentieren bereitet Gross und Klein Freude.

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Die Schreiberin geniesst neben dem Getrommel und Gerassel den Ort auf ihre Art. Eine aus Recycling-Holz zusammengezimmerte Bude mit einigen Nebengebäuden, eine kleine Bibliothek voll indischer Weisheitsbücher, eine Outdoor-Yoga-Plattform, eine einfache Küche mit handgetöpfertem Geschirr. Viel Umschwung mit Aussensitzplätzen und einem Pizzaofen nebst Mojito-Bar. Was besonders positiv ins Auge sticht, sind etwa 15 grosse Holzkisten gefüllt mit Bausäcken voller Erde. Darin gedeiht allerhand Gewächs: Tomaten, Peperoni, Gurken, Kürbisse, Rüben, Rosmarin, Minze und vieles mehr. Die Saison ist vorbei, ja, das ist spürbar. Der Wildwuchs nimmt Überhand, was auch seinen Reiz hat.

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Obschon nicht all zu weit von unserem Dorf entfernt, so ist doch in Alcossebre eine andere Atmosphäre wahrzunehmen. Weniger Spekulantenwahn, mehr einheitliche Bauten, weniger Deformation durch Massentourismus. In der menschenleeren Bar vom grossen Campingplatz direkt am Meer lässt sich gelassen ein Kaffee trinken. Die Kinder finden Vergnügung auf dem attraktiven Spielplatz, der sogar über eine Boccia-Bahn verfügt. Zum Glück haben unsere gut ausgerüsteten BegleiterInnen ein Kugelset im Kofferraum. Die Nacht bricht früh herein, schon kurz nach 18 Uhr ist zappen duster. Wir werden ZeugInnen eines prächtigen Vollmond-Aufgangs und sehen staunend am Strand bis sich das Wasser glänzend färbt vom hellen Schein.

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