Begegnung

Sturmholz im Familienwald

Es ist genau der richtig Tag, um in unseren Wald zu gehen und dort zu wirken. Winterstürme haben im Januar ein Weisstanne in Grenznähe zu Fall gebracht, auf ca. 6 m Höhe ist die Gute einfach abgeknickt wie ein Streichholz. Das muss ja wohl gedonnert haben, als sie haarscharf an ihren grünen Genossinnen vorbeischrammend zu Boden rauschte. Durch diesen Vor-Fall bot sich mir die unausweichliche Gelegenheit mit unserem Waldanstösser in östlicher Richtung Kontakt aufzunehmen. Eine sehr erfreuliche Begegnung übrigens, kam ich doch wie gerufen zur morgentlichen Kaffepause des Bauern und wurde auch gleich vertrauensvoll dazu eingeladen sowie anschliessend zur gemeinsamen Waldbegehung begleitet. Alles informell, spontan, pragmatisch und unkompliziert, das gefällt mir. Ein echtes Flow-Erlebnis!

Der Frost hat ja waldwirtschaftlich gesehen einige Vorteile vor allem im Bereich Zufahrt und Abtransport, aber auch einen sehr empfindlichen Nachteil: die Kälte. Mit klammen Fingern ganz nahe am Kuhnagel rum zu agieren, das ist nicht unser Ding, nicht mehr – präzisierend – denn der Bauer erinnert noch so manche winterliche Fahrt mit dem Motorad! Also warten wir ein günstiges Wetterfenster ab, was ja von der Seglerei und Landwirtschaft her bestens bekannt ist und und dann wenn’s passt, toppt auch der Einsatz.

Chairos, der Gott des günstigen Zeitpunkts begleitet uns und es fügt sich, dass wir unseren Waldnachbar in südlicher Richtung kennen lernen, der akkurat zusammen mit seinem Nachwuchs die vermeintlichen Grenzsteine ausfindig macht. Mit Plan, Messband und Farbspray erkunden sie hangaufwärts das Terrain, können jedoch die verschollen Marksteine nicht aufspüren. Der Einfachheit halber einigen wir uns dann gemeinsam auf eine Annäherung und seine Jungs sprühen ein paar Strünke leuchtend rot zur Markierung der erahnten Grenze. Interessant und unmittelbar spürbar wird dabei die Wirkung einer solchen Absetzung. Hier bin „ICH“, dort sind anderen, essentielle Identifikation übers Territoriale, Zuständigkeitsbereich, Wirkungsradius, Definition über die eigene resp. fremde Begrenzung, das exklusive Nutzungsrecht, abgesichert über den weitgehend geteilten Konsens des Eigentumsrechts. Wer einst diese zwischenzeitlichen verlorenen gegangen Steine setzte, wissen die Zeitgenössischen nicht mehr. Wir tragen ein Erbe weiter und sind konfrontiert mit den Taten und Untaten unser VorgängerInnen und stehen neu selbst in der Verantwortung für uns und unsere Nachfahren Sinnvolles zu erwirken.

Toll ist das gemeinsame Werken im Wald, denn es bringt (Selbst-)Erleben und Erfahrung mit sich und fordert uns alle vielfältig heraus. Den Käpten mit seinen Rückenbeschwerden und seiner historisch gewichtigen aber robusten Motorsäge, er kriegt sein Alter zu spüren und schöpft gleichzeitig aus seinem Fundus von Können und Wissen. Sein Sohn – in der Blüte seiner Kraft – entfaltet sich hier nach allen Seiten als Macher, Konstrukteur und Erzieher. Er sägt und spaltet, schlägt Pflöcke ein und avisiert die Kinder. In der Mittagspause am Lagerfeuer schreinert sich der Profi noch kurz einen Do-It-Yourself-Hocker zusammen. Für den verspielten Enkel wird der Arbeitseinsatz zur Durchhalteprobe. Die Schreiberin kommt auch etwas ins Schwitzen und erlebt ihre körperliche Untrainiertheit und ihre bäumige Freude am Wald. Am Ende des Tages überwiegt das Erfüllende und die Müdigkeit. Gerne wieder, denn die Luft war hervorragend, das Wetter perfekt, das Zusammenspiel gut, die gebraten Würste ein Genuss, das Vogelgezwitscher vorfrühlingshaft und die Pneuabdrücke in der Wiese vertretbar.

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Stein-Reich

Endlich wieder mal Zeit einfach am Strand entlang zu gehen und im Sand einzusinken, das Wasser kommen und gehen sehen, hören, riechen, spüren, das angeschwemmte Gut betrachten und berühren.

Ich mag das Meer, aber ich spüre auch deutlich, dass es mir fremd ist, irgendwie unzugänglich, von anderer Wesensart. Ich blicke in die Ferne und werde etwas wehmütig, die Weite gefällt mir, das Aufgeräumte, Freie, Unbesetzte, der Horizont, der zugleich Ende und Neuanfang, Trennung und Berührung symbolisiert.

Ein Ufer voller runder Steine. Ein riesiges Reich von Begegnungen für Begegnungen.

So viele Zwischenräume, wo etwas passiert, wo Spannung entsteht und besteht. Eintauchen in den Mikrokosmos von Geschichten. Jeder Stein seine Form, seine Farbe, sein Gesicht, bei genauer Betrachtung unverwechselbar, einmal, interessant, vielsagend. Ich lege mich zu ihnen, fühle mich getragen, sanft gebettet, glücklich.

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Von Froschleichen und ersten Gänseblümchen

 

Kaum zu glauben, wie vorfrühlingshaft diese Tage mit munterem Vogelgezwitscher und ersten blühenden Gänseblümchen auf den noch schneebefleckten Juramatten sich anfühlen. Es ist sogar locker möglich, selbst auf 900 m unter wärmender Sonne das Mittagsmal draussen zu geniessen, derweil die Mädchen innig und ausführlich von ihren morgendlichen Erkundigungen im nahen Weiher berichten. Zahlreiche Frösche haben sie da gesammelt, die wohl definitiv und für immer in diesem Winter erstarrt sind. Detailreich und sehr plastisch schildern sie von ihren eher gruseligen Funden, die sie dann auch gebührend untersucht haben, aussen und innen! Den Lesenden kann nur rudimentär beschrieben werden mit welcher geradezu prickelnder Lust und leuchten Augen die Forscherinnen von ihren sezierten Präparaten berichteten.

Freudig ging’s auch bei den Jungs zu und her, die mit dem selbstgebastelten motorisierten Dreirad (klar unterstützt durch den Chefmechaniker P. Vom Platz) durch die braun-weissen Wiesen knatterten, voll steil mit Zweiganggetriebe! Von der abenteuerlichen Fahrten im Gelände geht’s pausenlos über zum den Indoor-Flugplatz, wo der Polizei-Helikopter jeden Stubenwinkel mit seinem ferngesteuerten Kamera-Auge ablinst. In den Bergen von Lego-Technic-Teilen gehen sie unter und auferstehen mit neuen Kreation, das es eine wahre Freude ist.

Sie knüpfen an Freundschaftsbänder und lesen Asterix, Tintin und andere Comics, sie malen zusammen Drachenköpfe und fliegen mit Einhörnern zum Mond, sie steilen ihre Crossmaschinen neu und streifen durch die Hoflandschaft, sie graben Löcher im Garten und striegeln die Pferde, sie finden fossile Versteinerungen und erfinden Geschichten, sie fragen sich aus über Vergangenes und Zukünftiges. Sie verdrücken überjährige Osterhasen und erzählen sich Witze, hängen vor dem Computer testen verschieden Games, rammeln auf Matratzen, lernen französische Sprichwörte oder deutsche Abzählreime, verstecken sich hinter Vorhängen, panieren ihre Hosen mit Sägemehl, fahren mit selbstgebastelten Schiffchen auf dem Hofbrunnen umher. Sie durchforsten den Wald, diskutieren über Spielzeugtauschhandel und deren Detailkonditionen, wühlen im Alteisen, sie steicheln die Katzen, bauen Nester für luftgetrockenete Blaumeisen, helfen beim Rahmschwingen, verwandeln ihre Stiefel in wandelnde Dreck-Klumpen, konkurrieren um Sitzplätze oder schlafen einfach ein am hell heiteren Tag. Sie scheinen glücklich und die Mütter sind es auch.

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Ein bisschen Spätherbstglück

Ich geb’s zu, ich vermisse die Laubbäume. In der trockenen Küstenzone, wo die mediterane Vegetation tolle Sukkulenten hervorgebracht hat mit farbigen Blüten und bezaubernden Blätterarrangements, die immergrün ganzjährige Präsenz zeigen, hier wo die Bäumchen nur in begossenen Plantagen grün bleiben und das colline, steinige Hinterland spärlich mit Pinien bewachsen ist, die Flussläufe längst keine Wasser mehr führen, hier gibt’s kein Laub.

Da zeigt mit jemand Bilder von Südengland, das er aus beruflichen Gründen kürzlich bereist hat und mir kommen fast die Tränen. Genau, Inbegriff für Herbst und Reife, Fülle und Ernte war und ist eine Landschaft voller Farben, gelb, rot, orange, braun und ein stahlblauer Himmel mit sattgrünen Wiesen dazu. Wie konnte ich das nur vergessen?

Weniger Temperaturschwankungen, weniger Niederschlag, höhere Durchschnittstemperaturen, stabilere Wetterlagen, all das hat seinen Preis. Die saisonalen Schwankungen fallen weniger ins Gewicht und sind somit auch nicht so deutlich wahrnehmbar.

Mehr per Zufall finden wir im Hinterland einen verwilderten Flusslauf mit meterhohen Schilfrohren und besäumt von gelb belaubten Papeln und Platanen. Die Kinder jubeln und wuseln aufgeregt durch das raschelnde Laub, scharren Haufen zusammen, veranstalten Blätterschlachten und lassen Goldregen über sich ausschütten, fangen einzelne fallende Blätter und suchen die gefälligstisten Musterungen heraus. Im Flussbett schlängeln sie sich bis zum Wasser durch, in einer tieferen Mulde ist noch was hängen geblieben.Stundenlang bauen sie Flosse und Katamarane, schwimmende Insel und Brücken.

Da nutze ich die Zeit bergan zu geben und mich in den stillgelegten Korkeichenwäldern zu verlieren. Die Bäume, einst rege beschnitten wie man an den geschälten Stämmen noch gut erkennen kann, sind mittlerweilen wieder sich selber überlassen. Die einstige Kulturlandschaft durchzogen mit Steinmäuerchen und einem weitreichenden Wegnetz wird von der Natur wieder zurückgewonnen. Moose und Flechten legen sich über den steinigen Boden und an die knorrigen Stämme, efeuartiges Gewächs klimmt zu den Baumkronen hoch. Wie leicht diese Rindenstücke sind und wie dick. Häufigste Begegnung mit diesem eigenartigen Material sind wohl die Falschenzapfen, Korken. Wie hatten denn die Römer ihre Amphoren verzapft? Wein hatten sie doch darin gelagert, oder? Wer kam denn überhaupt aufs Weinkeltern? Ich kann auch nicht erklären, wieso Holz braun ist und musste zugegebenerweise ungern eine diesbezügliche Frage unseres Sohnes offen stehen lassen. Wie wenig frau über so Alltägliches weiss. Kork ist jedenfalls ein interessanter Rohstoff, weich, warm, elastisch, hautfarben, wasserabweisend… Wir haben im Schiff Kork-Böden eingebaut und im Cockpit die Sitzflächen mit korkgranulierter Isolationsfarbe beschichtet. Grund genug, mal noch was mehr über Kork in Erfahrung zu bringen.

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Erleuchtung nach Mitternacht

Südwellen, Nordwind, beinahe Stille, Ostbegrüssung und der Westen hinterm Berg. Einen Hafenplatz kennenlernen. Wer hätte das geahnt, welche Herausforderung das darstellt. Die meisten Schiffe baumeln hier ja alleine rum und die Besitzer kriegen nur im Schadenfall was mit, wenn ein Fender zermürbt zwischen Wänden seinen Dienst aufgibt, wenn die Genua-Abdeckung aufflattert und zerreisst, wenn der Spitz unsanft die Quaimauer touchiert und dergleichen. Ansonsten, ist das Boot sich selbst und den beaufsichtigenden Marinieros überlassen. KeinEr schaukelt hier sonst lange mit.

Ein Hafen sollte Zuflucht sein, nicht Abstellplatz, die Schiffe sollten rausfahren können und nicht bloss der Verwitterung preis gegen sein. Doch dieser Idealismus wird von einer anderen Praxis überlagert. Auch unser Schiff hat noch nicht die Weltmeer gesehen und nicht mal gross die vorliegende Küste. Jedem Individuum (im Sinne einer materialisierten Einheit) scheint ein Schicksal beschieden, das grösser ist als wir uns mitunter vorstellen können. Vielleicht fehlt’s auch ganz einfach an positiver Kraft und inspirierter Vision, in meinem Fall ist das wenigstens so. Wie die rückseitigen Anleger zerrt es mich zurück ins Bekannte, um den möglichen drohenden Gefahren da draussen nicht begegnen zu müssen. Aber auf der anderen Seite zieht die schmale Hoffnung auf Erlösung, der diffuse Wunsch nach Veränderung, schrötig und wenig kanalisiert in die andere Richtung. Ein unangenehmes inneres Spannungsfeld offenbart sich hier, gefangen in den eigenen Verw-Irrungen. Fakt ist, das Kat ist nicht bereit zum Reisen, ein Weg von hier ist nur auf dem Landweg möglich. Doch die Befreiung ist mit Flucht nicht gewonnen und gute Lösungen finden sich nicht im Abwenden, sondern vielmehr in der radikalen Zuwendung, soviel trägt die Erfahrung bei.

So sitze ich zu früher Stunde unter dem roten Nachtlicht im Salon, wie die kleine Duckkammer so grosszügig genannt wird und sinniere über das Sein und anderes nach. Bis auch das vergeht und in allem Gewackel etwas Ruhendes erlebbar wird wie eine kleine, immer wieder aufs neue überraschende Sensation, eine Falltüre ins Freie. Sieh an, ich wachse, werde zum Boot und zu den Anlegern, werde Steg und Wellen, Rauschen und Plätzschern…wouh… fein und leise trippelnd fallen Tropfen aufs Deck, kosmische Tränen für das Minutenglück.

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Feld-Wald-und-Wiesengang

Da wir ja noch mehrheitlich auf dem Land resp. auf dem Trockenen leben, kann von effektiven Landgängen ja nicht eigentlich die Rede sein. Was wir aber oft und gern unternehmen, zumindest die Kinder und die Schreiberin, sind sogenannte Feld-Wald-und-Wiesengänge. Dabei handelt es sich meist um eine sehr kurzweilige und begegnungsreiche bis hin zur abenteuerlichen Eskapade, weg vom Hafen, hinein ins Hinterland. Mitunter reicht schon ein Stop an der Lieblingswiese, ein Brachland mitten im Dorf, das dank Baukrise noch überlebt hat. Hier tummeln wir uns rum mit Käfer suchen, Ameisenbahnen verfolgen, Blumen in verschieden Entwicklungsstadien sammeln, Durftnoten aufspüren, Halmeflechten, Verstecken spielen oder etwas mehr für die älteren Semester mit Fotografieren im Makrobereich.

Faszinierend sind etwa die Schneckenhäuschen, die in dieser Hitze wie erstarrt zuweilen massig kummuliert an irgendwelchen Halmen hoch über dem Boden baumeln. Bei längerem Durchsteifen oder Verweilen lassen sich kuriose Kombinationen und Raritäten entdecken. Ich bin dankbar für diese geschenkten Augenblicke, die mich neu begeistern, im wahrsten Sinn des Wortes, in-spirieren. Plötzlich prangt aus all den trockenen Gräsern ein golden glänzender Zapfen. Was ist das denn? Aufblickend lassen sich eine ganze Ansammlung davon ausmachen, irgendein distelartiges Gewächs, toll. Befreit vom Anspruch, dieses Phänomen weiter botanisch zu verorten, lichte ich es ab und weiter geht der Streifzug.

Einem kleinen Pfad folgend, geraten wir tiefer ins Gestrüpp und später in ein Wäldchen. Eigenartigerweise treffen wir hier auf einem abgelegenen Karrweg auf Spuren eines brutalen Massakers. Total verstümmelte Pflanzenleichen liegt hier lieblos hingekippt auf mehreren Haufen. Der Gärtnerin bleibt fast die Spucke weg. Kaum zu glauben. Es tut richtig weh, mir das vorausgehende Geschehen vorzustellen. Einige superschöne, mächtige (frauhohe) Agaven inklusiv ihrer zahlreichen Nachkommen liegen hier niedergemetzelt, sogar Spuren von noch blühenden resp. treibenden Geranien sind zu erkennen. Das geht gar nicht!!! Rette, was zu retten ist. Mit einem Puschel voll Neuzugängen für unseren Garten kehren wir beim Eindunkeln zurück. Ein unverhofft fruchtbarer Waldgang.

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Merlyn auf dem Weg nach Afrika

Plötzlich stand er einfach lächelnd da. Ein Freund von uns habe ihm an der Tankstelle von den Sundancers erzählt, er sei auf der Reise nach Afrika mit dem Fahrrad und wolle dort in einem Permakultur-Projekt für einige Zeit als Freiwilliger mitarbeiten. Interessant. Willst du bei uns übernachten? Klar! Komm. Und er holt das vollbepackte Rad und seine Gitarre. Er besingt uns, wir bekochen ihn, er wäscht ein altes Schlauchboot und in einer stürmischen sowie einer ruhigen Nacht, wacht resp. schläft er auf der Moira (unserem kleinen Zweimasterchen, das momentan etwas unterbeschäftigt am Steg hängt. Wer uns besuchen kommt, kann sich gerne von ihr wiegen lassen, feel wellcome!).

Merlyn macht seine Interessengebiete Musik, Sport, Naltur und Spiritualität zu seinen Zugpferden und fährt damit in die Welt hinaus, ausgerüstet mit einer kleinen Videokamera. Er dokumentiert seine Reise und befragt Menschen, denen er begegnet. Könnt ihr euer Leben in 15 Minuten zusammenfassen? (Mehr freier Speicherplatz ist momentan nicht zur Verfügung.) Ein Versucht wert! Alfons beginnt… seine Erzählungen beginnen zu mäandrieren und im Nu ist die Zeit abgelaufen. Merlyn löscht was raus, fragt nach markanten Ereignissen oder Einflüssen, die unser Leben prägen… Aufnehmen und zuhören ist eines, die Essenz herausdestillieren ist ein weit aufwendiges Verfahren, das geübt sein will.

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Und weiter geht’s, südwärts. Lorhan darf noch ne Rundedrehen mit dem sportlichen Troubadouren, der ihn beeindruckt und den Kindern noch seine farbige Hängematte samt Beutel hinterlässt. Samona wirft Merlyn auf seine Anregung hin Wasser hinterher, ein kleines Abschiedsritural, mit den besten Wünschen für die Reise. Husch und weg ist er wieder. Danke für die bereichernde und inspirierende Begegnung.

Mehr über den wundersamen Merlyn gibt’s direkt auf seiner Seite zu erfahren:

http://www.solteriologicgarden.com/

 

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Bald Besuch

Nun, in einigen Tagen sind die Kinder zurück und wir kriegen Besuch aus der Schweiz, Grund genug die Zeit zu nutzen und längst fälliges anzugehen, z.B. die Revision resp. vorab die gründliche Reinigung unseres Wohnschiffs Moira.

Ich habe sie nur benutzt, als Provisorium, als Zwischenstation, mit zurückgehaltener Liebesenergie. Nein, sie sollte nicht mein Zuhause sein, das ich in absehbarer Zeit wieder verlassen würde, sie sollte bloss eine Bleibe sein. Als solche habe ich sie behandelt, ohne Engagement, ohne Investment, ohne werterhaltende oder gar -steigernde Massnahmen. Ich hab geflucht über den mühsamen Brenner am Petrolherd, über das siffende Klo, den engen Platz, den vielen Staub, den Gestank vom nahe dem Wohnraum liegenden Inboarder… hab mich nicht sicher gefühlt bei Regenschauer, die Schale trägt, aber das Deck leckt.

Jetzt ist sie leergeräumt, fast alles Persönlich ist verschwunden, Kleider, Bücher, Kinderzeichnungen, Spielsachen… Ein paar Esswaren lagern noch dort und des Käptens abgetragene Mütze hängt noch am Nagel. Es ist kaum vier Jahre her als wir das Schiff für unsere Reise nach Spanien fit gemacht haben. Der ganze Innenraum frisch gestrichen, lackiert, neuer Teppich, neue Vorhänge… erschrecken wie schnell beim Gebrauch und Nichtgebrauch ein Schiff vergammeln kann. Sand und Staub, Brotkrümel und Legoteilchen in den Ritzen. Durch die Feuchtigkeit  und ungenügender Beachtung dieser gegenüber kommt’s rasch zu Schimmelbildung. Unangenehm!

Ein guter Lernprozess jedenfalls und Ansporn, die kleine Defekte und Ungereimtheiten künftiger gebührender zu beachten, da eine fehlende Schraube, dort ein rostiges Teil, hier was Tropfendes, da drüben was Abgebrochenes. Aufkommen für einen selbst-bestimmten Standart. So möchte ich das gern haben, damit ich mich wohlfühlen kann. Ich weiss ja genug über Fengshui-Technisches, wie wär’s mal wieder mit einem angewandten Selbstversuch. J Schrupp hier, schraub da, löt jenes, kleb oben, kratz unten, weich ein, schab ab, lüft aus, mal an, krust weg usw.

Fotos mocht ich gar nicht knipsen von der Misere, dafür schäme ich mich zu sehr und mag mich auch gar nicht mehr so detailliert daran erinnern müssen. Wichtiger ist mir dabei die Selbstbegegnung. Nicht nur die Moira hab ich abfracken lassen, auch mich selbst. Minimale Körperpflege, kein Parfüm, null Schmuck, tolle Kleider oder Nagellack, nur noch Säcke, Schlarpen, trockene Haut und rauhe Hände. Ist das wirklich, was ich mir wünsch vom Leben? Hallo Selbstwert, wo bist du?? Aufbauarbeit ist gefragt. Lust wiederentdecken, am Schönen, Harmonischen, Intakten, Gepflegten, Heilen, Gesunden, Lieblichen. Die Beziehung mit mir wieder mehr aktivieren, falschverstanden Verzicht und unnötiges Kleinmachen aufgeben, mit neuer Selbstermächtigung leben: ja du darfst sein, so wie du bist, ok…und du darfst dich auch verändern, vale!

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Nopi läuft vom Stapel

Eines Tags war es einfach so weit, eine gelbe Segelyacht liegt im Hafen, eine tolle Crew lebt darauf mit Kindern, Hunden und einer Katze. Ihr Dinghi ist weg (das Thema ist auch bei uns grad aktuell, wenngleich nicht von derselben Dringlichkeit) und sie brauchen ein neues. Eine Chance für Nopi, das schon über ein Jahr einfach getreu auf einen Einsatz wartet. Es gefällt ihnen, das Ruder-Motor-Segelschiffchen, der multifunktionale Prototyp des Käptens. Der adoleszente Sohn soll sein eigenes Lehrboot haben und wer weiss, wozu so ein Inboarder auf dem Weg nach Afrika noch alles zu gebrauchen ist. Erst mal muss doch noch der Impeller gewechselt werden, die Elektronik reduziert und da und dort noch Kleines adaptiert werden. Dann kann’s losgehen, im Schlepptau ab Richtung Kap Verden: ahoi und gute Fahrt!

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PS: Ganz herzlichen Dank für die wundervolle Begegnung

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Un-geliebte Nähmaschine

Es ist zum Verzweifeln, seit Jahren ringe ich mit dieser Segelmacher-Nähmaschine, die der Käpten stolz in seinem Iuventar führt. Vielleicht wäre ich ja auch schon längst eine leidenschaftliche Patchworkerin, würde ich nicht dauernd dieser ungelösten Problematik zu Opfer fallen. Worum geht’s denn dabei, wird sich die und der geneigte LeserIn wundern. Um Spannungen-Missverhältinsse, oben und unten spielen in der Fadenführung nicht richtig gut zusammen und es ist auch kaum zu eruieren, an welchem es liegt. Ich bin überzeugt: es sind beide nicht wirklich im grünen Bereich, so wie ich und die Maschine.

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Das Projektionsobjekt Nähmaschine gibt grad mal ne rund „Stoff“, um etwas tiefergreifende Zusammenhänge auszudröseln und ich will dieser Spur einmal folgen. Was passiert eigentlich beim Nähen? Es werden meist zwei oder mehrere vormals getrennte Teile zusammengeführt, zu einem neuen Stück verbunden, nicht unzertrennlich, aber dauerhaft (je nach Naht- und Stoffqualität). Nähen ist somit fast gleichbedeutende mit verbinden, sich nahe sein, annähern von Separiertem. Es hat auch was mit Formgeben zu tun, gestalten, Ausdruck geben. Dabei entscheidend ist die Fadenführung, der Stich. Etwas wird zugeschnitten, bestimmt, definiert, vorbereitet und dann in einen funktionalen Zusammenhang, in eine bleibende Form gebracht. Die Maschine, die ja im Wesentlichen meine Handarbeit durch ihre Leistung einfach potensiert, soll mir dabei helfen, meine vorgefertigten Vorstellungen stichhaltig zu machen. Da schwingt ganz klar ein Machtaspekt rein.

Jetzt ist also die „Sailmaker“ nicht wirklich gefügig und bereit in meinem Herrschaftsspiel mit zu sticheln. Sie verweigert zwar nicht ganz den Dienst, sie lässt mich immer wieder neu hoffen, jetzt hätte ich sie dann gewonnen, noch ein bisschen und dann wäre alles gut. Denkste. Ist sie in mühseeliger Probiererei mal auf ein Stück eingestellt, kann der kleinste Wechsel sie wieder vollends aus der Naht werfen. Willkür unterstellt ihr die sich unschuldig wähnende Näherin. Subversivität bis hin zu blankem Argwohn. Nein, das wahre Wesen habe ich (noch) nicht erkannt. Die Unerbittliche fordert immer neu Zuwendung und sie lässt sich nicht einfach abspeisen. Verschiedenste Mechaniker haben sich bereits mit der Feineinstellung befasst, aber solange die Näherin nicht mehr zu bieten hat, bleibt sie widerfädig. Wie unangenehm, lästig, unbrauchbar. Sie wird verhasst, abgelehnt, ignoriert. Die Näherin, die sich mit dieser Anstössigkeit immer wieder in ihrer Kreativität und Arbeitswilligkeit behindern lässt, ist abgrundtief unzufrieden und zerstörungslustig. Love it – leave it or change it. Da ich sie noch nicht wirklich lieben kann, ich sie aber auch nicht wirklich lassen kann, muss ich wohl oder übel was verändern, um aus meinem Leiden rauszufinden.

Es gibt jene Näharbeiten an auf der Sundance: Matratzenüberzüge, Fensterabdeckungen, Winchen-Abdeckungen, Fall-Säcke. Auch zum Flicken steht einiges an oder zum Abändern im Kleiderbereich. Dafür braucht’s eine verlässliche Unterstützung, sonst vergeht mir vollends der Spass am Nähen und den will ich mir nicht wirklich nehmen lassen, ganz zu Schweigen von der unerlösten Faszination am Quilten. Es führt wohl kein Weg an der Einfühlung, am Verständnis, am Einlassen, an der Zuwendung vorbei, auch nicht am Mitgefühl für die eigene Verhinderung. Möge ich es noch ein weiteres Mal versuchen mich anzunähe(r)n.

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