Monatsarchiv: Juli 2018

Vollmond im Krater

Aufbruch, Ausbruch, Abbruch, Durchbruch… Na ja, jedenfalls sind wir als ursprüngliche Sundancer-Crew endlich mal ausgefahren und haben die nächstgelegene Inselgruppe Richtung Balearen besucht und zwar auf tollen Vorschlag des Käptens zur Vollmond-Zeit.

Die Winde sind mässig günstig und schwer zu finden, das Wetter ansonsten recht stabil, trocken und heiss, gerade richtig. Also verlassen wir den angestammten Hafen, Leinen los und geniessen das erhebende Gefühl, einfach alles Landige hinter uns zu lassen. Ok, klar für den Bauer ist es natürlich nicht ganz so locker, schliesslich hat er nicht nur das Schiff zu manövrieren, navigieren und trimmen, sondern auf auch dessen ganzes Energiemanagement zu jonglieren, Formeln mit einigen Unbekannten! Am schwerwiegendsten für ihn ist es wohl, die subversive Kraft der Schreierin zu bändigen, die jederzeit zur Meuterei aufzurufen droht. Doch da kommt ihm deren Faibel für die schwankenden Wellen auch zu Hilfe. Schon nach einigen Meilen ist sie quasi ausgenockt und in der Koje geknebelt, geschlagen von der Geissel der Seekrankheit! Mit den jungen Crew läuft’s prima, die übernehmen in den Manövern ihren Part, sie als Steuerfrau und an den Fendern, er an den Motoren und als Vorschoter. Das frei flowtenden weitere „Element“ ist aus besagten Gründen nicht so zuverlässig einsetzbar. Mal für den Auskuck vielleicht. Aber wie gut ist ihre Nach(t))sichtigkeit? Als eigentliches Greenhorn auf dem Wasser immer wieder irritiert von den vielen verschiedenen Lichtern in Küstennähe und dem noch nicht eingetunten Gefühl für Distanzen und Geschwindigkeiten auf dem Wasser.

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Wir kommen noch vor Mitternacht an der Boje in den Islas Columbretes an und dank himmlischer Beleuchtung ist das Anlegen auch entsprechend easy. Leichter Levante trügt die Wellen in den nach Osten offenen Kraterrand des Vulkans, der vor ca. 300’000 Jahren letztmals ausgebrochen sein soll – weiss ja keiner so genau. Am nächsten Morgen ist Landgang angesagt. Das Naturschutzgebiet kann auf Anfrage und in Begleitung eines Wächters besucht werden. Per Beiboot setzen wir über erklimmen auf einer rollstuhlgängigen Piste den höchsten Punk, der auch vom Leuchtturm markiert wird. Eine fantastisch Sicht eröffnet sich uns hier und zeigt die ganze Gruppe von schroffen Felsklötzen, die aus dem Blau hervorlugen. Zwar liegen einige andere Yachten in Bojenfeld, doch heute geniessen wir eine Privat-Tour sogar inklusiv Tourifoto, das der Guide unaufgefordert von uns schiesst.

Speziell ist das ewige Gelächter der Möwen, welche hier die kargen Abhänge besiedeln und sich Tratschtanten gleich gegenseitig immer wieder neu Geschichten zugackern, um deren Pointen mit ausgelassene Gegröle zu feiern. Ansonsten treffen wir Tigerspinnen, die in ihren Netzen auf Beute lauern und ein grosses Kakteenfeld, das einst von ehemaligen Leuchtturmwächter angelegt wurde. Viel wächst hier sonst nicht. Kein einziger Baum! Unterwasser gibt`s fast mehr zu entdecken, das finden jedenfalls die Jungen, schnappen sich das Schnorchelzeug und tauchen ab.

Den verloren Zahn von Samona finden sie allerdings nicht mehr. Wie das Leben so spielt ist bereits bei unsere ersten Inselbesuch vor Jahren an Bord von Freunden just an der Kratereinfahrt ein Milchzahl bereit gewesen zu weichen. Samona hat ihn kurzerhand aus ihrem Mund geknackt und den Wellen übergeben, ganz ähnlich wie diese Mal. Dafür finden wir auf unserer Rudertour eine seichte Stelle und haben endlich eine felsenfeste Erklärung für die sagenhafte Jesus-über-Wasser-geh-Geschichte ;). Der Käpten gibt noch einzeln Segelunterricht auf der SaLoLoSa, derweil die etwas rekreierte Schreiberin zwei drei Ecken des kürzlich genähten Biminis von Hand verstätet. Der Schattenspender verwandelt das sonst bratige Cockpit in eine lauschige Laube ganz zu Gefallen aller.

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Nach ein paar Tagen ist dann genug geschaukelt und die Geschäfte an Land rufen zurück. In einer nächtlichen Fahrt mit mehr Motor-denn-Windkraft finden wir trotz lästig pipsendem, positionsverlustigem GPS zurück an unseren Hafenplatz. Die Testfahrt hat doch einiges aufgezeigt. So ist gewiss noch an dem Batterieladesystem zu arbeiten und der Bauer wünscht sich eine stärkere Motorisierung und hat auch schon seine Pläne im Werden. Etappen, Schritte, Teilziele…Jedenfalls der Ausflug gut geklappt und der Kapitän hat sich erfolgreich gehen etwelche Meutereien behauptet sowie Schiff und Crew heil zurückgebracht. Merci bien et chapeau!

Kategorien: Ausfahrt, Familie, Katamaran, Landgang, Motoren, Natur, Oropesa del Mar | Hinterlasse einen Kommentar

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