Monatsarchiv: Oktober 2017

Grüne Tomaten

Es ist mehr eine Ahnung, mehr ein Hauch von Endzeit oder eher Endlichkeit, eine Stimmung, ein feines, aber unmissverständliches Gefühl des Abschieds, Niedergang, Was den ganzen Sommer über so üppig gedieh und das ganze Teibhaus in eine grüne Gewächszone mit duftender Ausstrahlung verwandelte, ein Ort der pomodoren Verwandlung, wird jetzt marode. Auch die vitalsten Tomatenstauden erliegen zusehens den Kräften der Blattfäulnis und es wird klar, obschon am Top noch in voller Blüte, von unten fehlt mehr und mehr das Tragende und Nährende. Die gelben Sternchen drängen zwar noch nach dem immer spärlicher werdenden Licht und die grünen Früchte wandeln die verbleibende Wärme in zarteres Rot. Vielleicht werden sie nicht mehr zur Reife gelangen. Das Glück ist flüchtig, die überschwängliche Sommersonne, welche die Früchte in prallrote süssliche Götterspeisen verwandelte dahin.

So bleibt dann nur der Schritt zum Schnitt. Sie haben ihren Dienst getan, jetzt dürfen, können, müssen sie gehen. Und selten ist mir das Wegräumen von Pflanzen so unter die Haut gegangen, wie dieses Mal. Mir wird auf einen Schlag die Verantwortung und die Mächtigkeit von GärtnerInnen bewusst. Sie sind nicht nur Heger- und Pflegerinnen, sie sind auch knallhart rassistische Porfitgeier, die zugunsten der Optimierung und Durchsetzung von eigenen Interessen über Leichen gehen. Macht hat sehr viel mit Verfügungewalt über (anderes) Leben zu tun. Und so gesehen oute ich mich hier als Tomatenstaudenmörderin, ich schlachte im Auftrag und für einen vermeindlich guten Zweck namens winterhartem Nüsschensalat. Bald werden die guten, frischen Nützlinge in Reih und Glied eingepflanzt, um unsere winterliche Tafel zu bereichern. Fressen und gefressen werden? Alles ein grosses Spiel des Wandels, ein Werden und Vergehen, mitunter viel schneller oder viel zäher als einem lieb ist.

Der Boden wird umgestochen, wenig weiss ich eigentlich, was dabei geschieht. Der Akt sieht jedenfalls ziemlich brutal aus und hinterlässt mindestens rein optisch eine braune Wüste, wenn auch der Schein trügt. Die Erde ist voller Mikroben und kleinsten Lebewesen, voller Pilze und Würmer, Käfer und Laven. Wer vergibt mir, denn es dämmert mir erst allmählich, was ich da tue!

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Kopflose Hähne

Im Frühjahr haben wir sie schlüpfen gesehen, die kleinen herzigen Küken, die im Brutkasten auf einem Biohof einer befreundeten Familie im Jura das Licht der Welt erblickten. Die Kinder waren voll Neugier und Begeisterung dabei und haben ihnen Namen gegeben… Aurora, Fortuna und so. Mehrmals täglich wurden sie besucht und gestreichelt. Nicht alle haben die erste Zeit überlebt. Die Kräftigeren haben es dann bis in den Hühnerhof geschafft.

Monate später, akkurat zum „richtigen“ Zeitpunkt führt uns das Leben wieder zu ihnen. Sie sind gross geworden, gackernd und scharrend gedeihen sie im Hinterhof, nicht ahnend, dass für einige bereits die Stunden gezählt sind. Hühner legen Eier und das gibt ihnen vorerst ne Schonfirst und nen Freibrief fürs Winterfutter. Zu viele Hähne allerdings verderben den Frieden, belasten das Budget und müssen deshalb noch im relativ zarten Alter das irdische Dasein wieder verlassen, um geniessbar im Kochtopf zu landen.

Nun gut, eine Super-Lektion im Umgang mit sogenannten Nutztieren. Alle essen wir gerne Poulet-Fleisch und wer mag dem Federvieh den Kopf abschlagen? Traditionellerweise muss der Bauer hinhalten und sein Karma abtragen resp. chargen. Diesmal wird die neue Hackab-Methode mit der Astschere ausprobiert, die sich als sehr tauglich erweist. (In Rücksichtnahme auf sensiblere Gemüter wird auf eine weite Detaillierung hier verzichtet.) Blutige Hände gibt’s dennoch und vereinzelt ein kopfloser Flatter-Tanz, bis der letzte Muskel ausgezuckt hat. Nichts wie ab in den Brühtopf, damit die Federn leichter zu rupfen sind. Die Kinder staunen, wie einfach die Kiele aus der heissen Haut rauskommen. Ein rundum sinnliche Erfahrung. Erst muss zwar vor allem bei den Jungs der Widerstand gegen den strengen Geruch überwunden werden. Die Mädchen sind durch ihre Herz- und Lungen-“Operation“ an einem geschlachteten Lamm vom Vortag her schon etwas akklimatisiert und lassen sich schneller auf die Entdeckungsreise ein. Die Schreiberin darf dann den Bauch aufschlitzen und die warmen Innereien rauspopeln, was in der konkreten Ausführung weit interessanter war als es vielleicht jetzt in der Beschreibung rüberkommt. Es gibt nämlich durchaus viel zum Staunen, begreifen, lernen und erfahren. Wie lässt sich die taktile Qualität einer Leber oder der Geruch des Gedärmes oder die Farbe der Galle oder die stählerne Härte des Magens oder die Form des Herzens, die Elastizität der Bindehäute, die Schwammigkeit der Lunge etc. sprachlich fassen? Und wie erst das Gefühl bei berühren des erkaltenden Körpers der nach und nach erstarrt?

Gut es gibt Fotos oder Bilder, Filme und Literaten, die das vielleicht besser hinkriegen als ich, mit mehr Geduld und poetischer Einfühlung. Jedenfalls ist es für mich enorm wichtig unseren Kindern Zugang zu derartigen Situationen zu verschaffen. Einmal selber in der Hand gehabt, gerochen, betrachtet und umgedreht, reingebissen und runterklatschen gehört ist so viel wert. Wie mag ich mich gut an meine eigene Kinderzeit erinnern. In einem Paket wurden uns die Eintagskücken zugestellt. Dann kamen sie sofort unter die Wärmelampe. Ich seh heute noch den zarten Schimmer des roten Lichts der sich mit dem flaschigen Gelb der Federbällchen magisch mengte und ganz eigene Farbtöne hervorbracht. Das aufgeregte Gezappel der kleinen Wesen, den Geruch des Futter, die reptilienartige Haut an den Krallen, die undefinierbare Konsistenz ihrer Kacke… Wouh, ein echte Erinnerungslawine wird da losgetreten!!

…zurück zum frisch gerupften toten Hahn …nicht zum Selbstzweck oder zum reinen Erkenntnisgewinn wird seziert, nein, wir wollen ja Hühnersuppe kochen, mit Gemüse aus dem Hofgarten… Kabis, Karotten, Zwiebeln, Lauch… eine weitere sinnliche Offenbarung für alle bereits Eingeweihten. Recall your own memory!!

PS: Ich wünsche alle Lesenden und all deren Kinder solch sinnreiches Erleben

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Mit Holder in Fahrt!

Nach jahrelanger schwerpunktmässiger „Bemutterung“ hat Papa das Betreuungs-Ruder an sich genommen, um zusammen mit den Kindern die Welt resp. ein andere Aspekte des Leben zu erkunden. Gut so. Das bringt Veränderung und damit neue Möglichkeiten ins Spiel. Ganz nach Khalil Gibran: „Lasst in eurem Miteinander Platz, dass der Hauch des Himmels zwischen euch spielen kann.“

So sind die Drei denn wochenlang ins Rheintal gefahren, um gemeinsam einen lang gehegten Wunsch des Käptens zu erfüllen: die Restauration eines gehüteten und leicht angerosteten Einachsers der Marke Holder. Die Kinder haben dabei wacker mitgeholfen zu schleifen, schrauben, pinseln. Und wie das bei so einem Realo-Projekt eben ist, haben sie auch hautnah die ganze Thematik der Logistik, Materialbeschaffung, Werkplatz-Findung-Einrichtung-Unterhaltung-Auflösung mitgekriegt. Halt alles, was das echte Leben so zu bieten hat an Staub und Schweiss, aber auch an überraschenden Schenkungen von Rollern, Einladungen zum Spaghettischmaus, Ausflügen ins Hallenbad oder ans chinesische Buffets in nahen Österreich.

Das künftige zweitaktige Zugpferd soll dereinst mehr Mobilität für den Wohnwagen in den Mitteleuropäischen Gefilden bieten. Die Ideen für den Anhänger gestalten sich vielfältig und lassen einem neugierig werden für die Followups. Mehr sei hier nicht verraten.

Zuerst muss dann noch die administrative Hürde bei der MFK genommen werden. Ein Typenschein liegt schon mal nicht vor, passend zum unikaten Halter! Nicht ganz geklappt hat es auch mit der diesjährigen aktiven Teilnahme am Einachser-Rennen in Lienz. Das Zuschauen hat uns aber fast alle angefixt und sogar bei der eher zurückhalten Mama, was ins Rollen gebacht (mindestens mental). Wie wär’s eigentlich mit der Restauration des familieneigenen Konkurrenten (oder etwas deutscher: Mitstreiter) Rapid? Das könnte doch was werden mit einem tollen selbstgebastelten Anhänger… Mal sehn. Der Sohnemann sehnt sich jedenfalls bereits ans Steuer und beide Kinder hüpfen freudig hinterher oder voraus. Das Fahrttempo stimmt, so dass alle mithalten können, auf- und absteigen, wann sie wollen und doch mit dabei sind. Mit etwas Übung auf der freien Wiese oder auf Seitenpfaden kommen wir gemeinsam der Traumerfüllung jedes einzelnen näher. Gem-einsames entsteht eben, wenn das einzelne (einsame) sich in das ganze eingebunden fühlen kann.

Die kleine Ausfahrt durch Feld und Wald hat jedenfalls super Spass gemacht und soll hier dem durchhaltenden Käpten und seinen JuniorInnen nochmals speziell verdankt werden. Sie hat die Lust auf mehr geweckt.

Kategorien: Ausfahrt, Familie, Kinder, Oldtimer, Reparatur, Rheintal, Transformation | Ein Kommentar

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