Monatsarchiv: Januar 2016

Nachtschicht für 007

Der Bauer gibt alles, voll im Schöpferischen arbeitet er bis tief in die Nacht hinein und lässt sich von keinem Staub der Welt abhalten, die ideale Form für sein Boot zu rauszuschleifen.

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Leider ist uns das Epoxi ausgegangen und so muss die Cockpit-Stratifizierung noch etwas auf sich warten lassen. Zum Glück hat’s grad noch gereicht zum Stabilisieren der Grundstrukturen. Jetzt braucht‘s  nur noch den richtigen Sponsor, et voilà. Den zweiten Wassertest hat es jedenfalls erfolgreich bestanden. Der Käpten knabbert jetzt schon an der Realisierung des Riggs rum – mit drehbarem Mast -und hat schon einige vielversprechende Ideen dazu. Gut Werk!

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Alfons Baby wächst

Das Kleine nimmt allmählich Gestalt an. Ganz anders als die Instandstellung von Hilma, dem fast siebzigjährigen Holzschiff, ist die Neuentwicklung von unserem multifunktionalen Beiboot.

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Bei Hilma ging es mehr darum, möglichst viel von der vorhandenen Substanz zu erhalten und resp. aufzubessern oder gegebenenfalls zu ergänzen. Die vorgegeben Formen und Masse galt es zu respektieren. Da war kaum Spielraum für eigene Eskapaden. Eintauchen in die alte Bootsbauertradition war Thema, Holzduft wahrnehmen, Hobel und Hammergeräusche von einst aus der Ferne vernehmen, vierkantige Kupfernägel extrahieren und brüchige Messingschrauen durch Inox-Schwesten ersetzen. Selbst die Farbe des Bodens haben wir adaptiert.

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Bei „007“ (Entwicklungsnamen des Beiboots Marke Eigenbau) ist so vieles komplett anders. Die Klinkeroptik wird zwar übernommen, aber mit Isolationsplatten aus dem Baumarkt „gezimmert“ resp. vorgetäuscht. Die Masse sind vorwiegend durch das Mutterschiff limitiert. Länge, Breite, Höhe und Gewicht werden beschränkt durch die Zug-, Hebe- und Tragekräfte der Sundance und deren Crew. Die Ideen und Erfahrungen des Bauer schmelzen, nach bald jahrelanger Schwangerschaft zusammen und materialisieren sich zusehends. Erst das Ringen um die Form des Rumpfes, dann die Herausforderungen des schenkbaren Kiels, der Kabinenaufbau mit Luken und Solarpanel, die Cockpitgestaltung mit der Selbstlenzung und nicht zu vergessen das Rigg. Ein Schiff ohne Segel, das gibt’s beim Käpten doch (fast) nicht, auch nicht eins ohne Motor! Nicht nur die Funktionalität ist wichtig, auch mit dem Aussehen beschäftigt den ästhetisch veranlagte Konstrukteur. Die Mahagoni-Fourniere liegen schon bereit und es ist sonnenklar, dass er kaum einen Aufwand scheut, um sein Werk zu vollenden. Möge es ihm wohl gelingen.

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Danke, Alfons Max, dass ich diesen Prozess begleiten darf, am Rand zwar, mal da und dort eine Hand bietend, mal mal mittendrin am Epoxieren und mit wohlweisslicher Vorsicht, um dieses wundersame Werden nicht unnötig zu stören. Deshalb sind Schwangerschaften verdeckt, under cover, damit sich eben das Draussen nicht einmischt, damit sich bilden kann, was ureigenst aus sich heraus zur Entstehung drängt. Heutzutage wird dieser Zeitraum nicht mehr entsprechend gewürdigt. Mit Ultraschall wird nach allem Möglichen gesucht. Auch ich hab mal die Kamera hingehalten und gewähre hier Einblick, mit Verlaub, Käpten 007.

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Merlyn auf dem Weg nach Afrika

Plötzlich stand er einfach lächelnd da. Ein Freund von uns habe ihm an der Tankstelle von den Sundancers erzählt, er sei auf der Reise nach Afrika mit dem Fahrrad und wolle dort in einem Permakultur-Projekt für einige Zeit als Freiwilliger mitarbeiten. Interessant. Willst du bei uns übernachten? Klar! Komm. Und er holt das vollbepackte Rad und seine Gitarre. Er besingt uns, wir bekochen ihn, er wäscht ein altes Schlauchboot und in einer stürmischen sowie einer ruhigen Nacht, wacht resp. schläft er auf der Moira (unserem kleinen Zweimasterchen, das momentan etwas unterbeschäftigt am Steg hängt. Wer uns besuchen kommt, kann sich gerne von ihr wiegen lassen, feel wellcome!).

Merlyn macht seine Interessengebiete Musik, Sport, Naltur und Spiritualität zu seinen Zugpferden und fährt damit in die Welt hinaus, ausgerüstet mit einer kleinen Videokamera. Er dokumentiert seine Reise und befragt Menschen, denen er begegnet. Könnt ihr euer Leben in 15 Minuten zusammenfassen? (Mehr freier Speicherplatz ist momentan nicht zur Verfügung.) Ein Versucht wert! Alfons beginnt… seine Erzählungen beginnen zu mäandrieren und im Nu ist die Zeit abgelaufen. Merlyn löscht was raus, fragt nach markanten Ereignissen oder Einflüssen, die unser Leben prägen… Aufnehmen und zuhören ist eines, die Essenz herausdestillieren ist ein weit aufwendiges Verfahren, das geübt sein will.

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Und weiter geht’s, südwärts. Lorhan darf noch ne Rundedrehen mit dem sportlichen Troubadouren, der ihn beeindruckt und den Kindern noch seine farbige Hängematte samt Beutel hinterlässt. Samona wirft Merlyn auf seine Anregung hin Wasser hinterher, ein kleines Abschiedsritural, mit den besten Wünschen für die Reise. Husch und weg ist er wieder. Danke für die bereichernde und inspirierende Begegnung.

Mehr über den wundersamen Merlyn gibt’s direkt auf seiner Seite zu erfahren:

http://www.solteriologicgarden.com/

 

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Kleinigkeiten im Final

Noch die Ruder lackieren und die Sitzlehnen, noch die abdichtende Leiste und den oberen Rand des Schanzkleids bemalen, noch die Bodenleisten und eine Eckabdeckung anschrauben, die Plexigalsscheibenhalterung anpassen und das Steuerrad mit Furnier etwas verschönern…

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Alfons findet im Nachbarort bei einem Garagisten eine Spritzkabine, um die letzte Schicht Lack dort aufzutragen und einzubrennen. In Castellon konnte er auch eine Werkstatt ausfindig machen, welche die Lichter und Beschläge neu galvanisiert. Bin ja mal gespannt, wie die dann aussehen, glänzend! Es  ist ein bisschen vom Hundertsten ins Tausenste. Immer wenn frau so in etwas das Gefühl hat, jetzt ist es dann vollbracht, das Werk, entweicht die Fatamorgana ins Unerreichbare. Ok, dann halt noch dies und jenes, aber dann… Erlösung gibt’s bloss im Tun und Dranbleiben.

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Befreit das Unterschiff!

Nach so langer Zeit auf den Trockendock haben wir so einiges zusammengetragen und unter der Sundance angestaut, sogar die Nachbarschiffe, die längste ihrem Schicksal überlassen wurden, dienten als Ablageorte für Holz, Planen, Cockpitsitze, Beiboote und Farbdosen.

Auf Morgen ist Hafeninspektion angekündigt, also eine dringende und meinerseits sehr willkommene Einladung vorgängig einiges an Ballast abzuladen. Wir verabschieden die verrosteten und irgendwie längst abgeschriebenen, zu klein gewordenen Kindervelos, die drei grossen Epoxy-Kanister, deren Inhalt der Bauer verkleistert hat, den staubigen blauen Teppich mit hoher Selbstauflösungstendenz. Die gesammelten Fender, die wir immer wieder mal aus dem Hafenabfall gefischt haben, kommen auf den Prüfstand. Mehr als die Hälfte fällt bei  genauerem Hinschauen durch. Weg damit! Das alte, schwere Surfbrett tritt den Weg aller irdischen Dinge ebenso an, wie die älteste Generation Besen, auch die gedechselten Tischbeine danken ab. Die vielen angefangen Motorenöl- und Scheibenwischerwasserkanister lassen sich leider kaum abbauen so auf die Schnelle. Bei Lorhan hat sich ebenfalls schon ein stattlicher Haufen Plastik-Fantastik-Spielzeug aus der Basura abgelagert, back to zero ist angesagt. Rostige Spachtel warten weiterhin auf ihre Revision und die Schläuche-, Aussenborder-, Holzleisten-, Travellerschienen-Sammlungen bleiben diesmal noch unberührt. Die Putzmittelkiste wird überarbeitet, spätestens wenn die Etikette fast vollständig weggegammelt ist, braucht’s Entscheide. Alle Planen und Abdeckungen werden neu gewaschen, gefaltet und verstaut.

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Fühlt sich gut an, effektiv leichter, ein paar Atemzüge lang wenigstens. Schon kommt ein neues Schlauchboot auf uns zu, die alten Klappvelos aus dem Lager landen wieder hier und noch ein paar Segel aus dem Fundus der Marinieros, so schnell wird frau die erdende Masse nicht los. Aber ich freu mich echt auf den Tag der Einwasserung, der näher rückt. Einen Moment wird sie einfach frei dastehen, der Traveller wird sie abholen, ihre Rümpfe werden frisch gestrichen sein mit rotem Antifouling. Sanft wird sie ins Wasser gleiten unter Hochspannung und … einfach schwimmen … getragen von ihrem Bestimmungselement.

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Ein flotter Boden für Hilma

Mensch wundert sich vielleicht, was wir denn da so ewig und ein Tag an diesen alten Kähnen rumbasteln. Von aussen betrachtet ist das auch für „Unbedarfte“ kaum nachvollziehbar. Tag für Tag erlebe ich aber gerade beim Umbau der Hilma, wie zeitintensiv das ist, bis jede Schraube, jedes Brettchen, jedes Ding geflickt, poliert, gestrichen, angepasst, abgedichtet und sonst was ist. Dann geht mal die Bandschleifmaschine kaputt oder das Schleifpapier ist alle, dann pfeift mal der Wind um die Ohren, oder der Kopf dröhnt von Innen…

Es ist wie es ist und eine annehmende Haltung hilft wohl am besten dran zu bleiben und weiter zu werkeln, denn in diesem Fall gilt zweifelsfrei: I HAVE TO GET IN TO GET OUT.

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Der Boden ist momentan im Fokus und er besteht aus einem gerippten Rumpf und einem darauf liegendem, mehrteiligen Roost. Ein Teil der alten Bretter können wir restrukturieren (Epoxy sei Dank), fehlende Teile werden durch neue Holzstücke ersetzt. Eindrücklich sind die qualitativen Unterschiede. Das nunmehr bald siebzig jährige Holz ist von einer erstaunlichen Frische, kaum ist die alte Patina abgeschliffen, duftet es frühlingshaft. Es bereitet echte Freude, Stück für Stück einzupassen, Mass zu nehmen und zurechtzuschneiden, aufzubereiten. Das Malen ist dabei dann der letzte Schliff. Mit ein bisschen Farbe sieht‘s gemeinhin schnell attraktiv aus. Früher habe ich alles Mögliche in meiner Wohnung einfach angestrichen. Farbe hat transformierende Kräfte, aber ohne tiefgereifenden Wandel, die Substanz bleibt unberührt bei einer Oberflächenbehandlung. Gut zu wissen, dass Hilmas Strukturen jetzt wacker saniert sind und die Bemalung abschliessender Schutz und Schmuck ist.

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