Monatsarchiv: April 2014

Der Bauer baut

Er bekommt wieder etwas mehr Vitalität durch die Sammlung auf ein kleineres Boot, der Bauer. Qué suerte!  Es ist handhabbarer, unverbraucheter und verlangt auch alle Zuwendung des Meisters, der endlich wieder seine Kreativität, sein nautisches Wissen, seine Segler-Erfahrung und die bootsbauerischen Handwerkskünste voll einsetzten kann. Ein paar Isolationsplatten aus dem Baumarkt, eine Fein für den geraden Schnitt sowie ein altes Küchenmesser, das seine Klingen lassen muss, ein paar planerische Skizzen, ein Holzgerüst, ein alter Gartentisch und los geht’s.

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Das Ganz wär unmöglich ohne den Superkleister Expoxi, der wie ein zauberhaftes Elexier in alle Ritzen geschmiert wir, reichlich, um hernach die überständigen Resten wieder genüsslich abzuschmirgeln und dem ganzen Gebilde eine gediegene Form zu entlocken. Es ist interessant, diesem schöpferischen Akt mindestens phasenweise bewohnen zu dürfen, auch wenn spürbar wird, dass all zu viel Präsenz den heiklen Prozess doch empfindlich zu stören vermag. Die innige Intitimität von Schöfer und Geschöpftem leidet. Eine Neuwerdung im halböffentlichen Raum erregt klar Aufmerksamkeit und wirft Fragen auf. Ab und an kommen Stauner, Admirateure, schlicht Neugierige, zum Glück wenig Besserwisser oder Skepik auf den Schauplatz, um die wachsende Skulptur vor Ort zu besichtigen.

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Wie sie alle ist auch die Schreiberin gespannt, wie sich der Cocon weiter entwickelt. Da bekanntlich die Doku-Kamera den Geist aufgegen hat und der Fokus des neuerstanden Discount-Modells tatsächlich mehr auf Unterwasser ausgerichtet scheint, sind die Bilder noch ziemlich verschwommen. Es besteht mindestens im visuell-dokumentarischen Bereich noch Optimierungspotential. Wie heisst’s im Tao Te King so trefflich, frei übersetzt, was noch nicht vollendet ist, kann noch zur Gänze reifen.

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Eier brüten

Die Kinder haben ihre Osternester bereitgelegt. Es muss schon ein etwas bergängiger Hase vorbei hoppeln, um sie gehörig füllen zu können, dort unter den Kiefern im geröllreichen Hangen oberhalb des Hafens. Ob der Halbe-Preise-Hase noch rechtzeitig den Weg dorthin findet? Jedenfalls hat’s mit dem Eierfärben geklappt und fürs sonntägliche Frühstück gibt’s frischen Dinkelzopf aus dem bootseigenen Ofen, den die jungen BäckerInnen selbst gezöpfelt haben.

Es ist spürbar wärmer geworden und die Sonne strahlt recht intensiv. Anlass genug, um unsere Badesaison im Hafen-Freibad zu eröffnen. Welchem lustvollem und ausgelassenen Gequiecke und Gespritze darf da die Schreiberin beiwohnen. Mit langem Anlaufrun springen Lorhan und Samona immer wieder ins erfrischende Wasser und wickeln sich hernach genüsslich in die trockenen Frottetücher. Das Bad gehört uns ganz allein, welch Luxus. Danke Leben.

Alfonso brütet sein Beibootprojekt weiter aus. Tagelang wird berechnet, skizziert. Mit prüfendem Blick Schiffsrümpfe studiert, in meditative Versenkung die geistige Schwangerschaft reifen lassen…und plötzlich geht’s los. Der Bauer hat seinen Nistplatz gefunden im Puerto seco, hat all die Platten und Latten zusammengetragen und fängt an zu wirken.

Erst waren es ja nur die roten Filzstiftzeichen auf dem Betonboden, die vernehmbar waren. Dann ertönte das unverkennbare Geräusch der Stichsäge, mit deren Hilfe Alfonso das Gerippe aus einer Spanplatte rausschnitt. Ein wackliges Etwas liegt unter dem linken Rumpf der Sundance. Was das wohl geben soll, hat sich so mancheR gefragt. Doch der Bauer hat sich nicht irritieren lassen, dreht und wendet das Ding, schafft immer mehr Körperlichkeit, Zusammenhang, Stabilität, Form. Eine schöpferische Auseinandersetzung mit Gedanken, Ansprüchen, Erfahrungen, Wünschen, Material, Werkzeug, sozialer Situation, ökonomischen Mitteln. Nach und nach entsteht ein produktives Feld, indem das kleine Boot heranwachsen kann. Eindrücklich mitzuerleben, das Prototyping, das Ringen, das Entstehen eines Wesens.

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Mittelmeer halt!

Wie oft ich das wohl schon von unserem Käpten gehört habe, typisch Mittelmeer. Wenig Wind, falsche Richtung. Tatsächlich treten wir gegen Mittag die Rückreise nach Oropesa an, Wind Nordost. Ok, wir motoren raus, um dann wenigsten ein Weilchen unter Segel unserem Ziel entgegen zu treiben. Auf der Höhe unserer Lucky Lady (ankerndes Frachtschiff vor Castellon) ist es dann soweit. Segel raus, Motor aus. Ein halbes Stündchen wohl, dann nimmt die Flaute überhand und das Geschaukel wird ungemütlich.

Der Skipper schein in seinem Element zu sein, er stellt sich voll zu Diensten, räumt auf, tunt die Segel, checkt die Position, trägt das Logbuch nach, kocht, wirft eine CD ein, legt einen Fischleine aus, kontrolliert den treuen Willy, der als neues Crewmitglied hier auch noch offiziell willkommen geheissen werden soll, unser neue Autopilot. Der Bauer ist ganz zufrieden mit ihm, super. Die Kinder dösen auf dem Vordeck oder hoffen auf Fischfang, verzehren Kaugummi und halten Ausschau nach Haien und Delphinen.

Claudia schwebt zwischen Himmel und Hölle, mal überwältigt vom Rundblick und der Ahnung von der so ersehnten Weite, dann wieder beschäftigt mit der aufkeimenden Übelkeit. Ein Wechselbad der Gefühle, das für sie ziemlich erschöpfend wirkt. Kampf mit den Parasiten, den nagenden Selbstzweifel. Schwer zu ertragen für den Käpten, der längst zu seinem überzeugten ICH-KANN-UND-ICH-WILL gefunden hat und tunlichst darauf achtet, nicht ins Opfer und damit ins Selbstmitleid abzugleiten.

Zu diesem 100% JA, das sich vielleicht mit „voll im echten Leben“ übersetzen liesse, hat die Schreiberin – zum Leidwesen aller – noch nicht gefunden. Sie sucht Wege hin zu und verirrt sich immer wieder im Unterholz, verhäddert im neurotischen Lianengewirr. Eine hoffnungslose Idealistin ohne greifbare Ideale auf der verzweifelten Suche nach Selbsterkenntnis und dem Wunsch von dieser ganzen Psychokacke endlich erlöst zu werden. Hier ist die Tür für den Exit, stosse sie auf, lass dich überraschen, hab den Mut…go, now!!

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Küstenfahrt nach Burriana

Endlich fügt sich alles soweit zusammen, dass wir mit unseren kleinen Moïra wiedermal einen Ausflug unternehmen – Saisonstart! Wir werfen die Leinen los und tuckern raus aus dem Hafenbecken. Schnell wird klar, dass der Wind uns heute nicht dahin tagen wird, wo wir hin möchten, so gilt’s halt gegen den mässigen Südöstler anzugehen mit unserem Knatter-Kuddel. Samona übernimmt derweil die Pinne und steuert gut und geduldig auf einen Container-Frachter zu der im Dunst vor Castellons ankert und sie an die moersische Molloch erinnert.

Um doch noch in den Genuss des edlen Dahingleitens im Wasser zu kommen, stellt der Käpten irgendwann den Motor aus und setzt die Segel… aahh… Wie anders es sich doch anfühlt, wie mehr Atem und Weite, Stille und Frieden das schenkt, augenblicklich entscheunigt. Klar, es würde bis in die Nacht reichen, wollten wir mit diesem Tempo weiterziehen und aufkreuzen. Irgendwann erfüllt Motorenölgeruch wieder die Luft, das Schiff gewinnt an Fahrt, die Segel verschwinden und am führen Abend laufen wir in Burriana ein, wo unsere Freundin mit ihrer angehenden Schwiegertochter schon auf uns wartet.

Die Violinistin untersucht grad mal als erstes die restaurierte Steiner-Geige, die Alfons im Brockenhaus erstanden hat. Sie reibt die Wirbel mit Grafit ein, stimmt die Seiten, harzt den Bogen und hebt an zu schwingen. Sie tönt wirklich schön so auf dem Steg unter freiem Himmel im familiären Kreis, willkommen. Die Kinder führen ihre Schätze vor, Zeichnungsmappen und Korrallensammlungen. Wir ziehen dann noch alle zusammen rüber zu Tonis überfülltem Strassenrestaurant, kucken uns Fotos vom letzten Jahr an und weiter in Claudias Heladeria für ein Kindereis. Diesmal gibt’s eine frühe Nachtruhe. Samona nistet sich bei Vollmond im Cockpit ein und schläft prächtig, Lorhan tief und fest, Claudia ok und Alfonso so lala, geplagt von irgendwelchem Schwerverdaulichem.

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PS: Die gute Canan hat jetzt ausgeschossen und endgültig ihren Fotoservice bei mir eingestellt, schade. Der sich momentan bietende Ersatz ist nicht wirklich zufriedenstellend (eine Videokamera mit Unterwasserfokus aus dem Discount) . Der Käpten ist auf Camera-Jagd, die Fotografin löst sich nur zögerlich aus ihrer Erstarrung.  

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Saison-Vorbereitung

Allenthalben wird revidiert, ausgebessert, nachgefüllt, frisch gestrichen, der Saison-Auftakt mit der Semana Santa, den spanischen Osterferien, rückt näher. Wirtewechsel mit Gratisapperetiv, neue Korbsessel in der Taberna, Souvenierverkäufer, die ihre Ware wieder aus dem Winterlager schleppen, Se-Vende-Tafeln werden angebracht, die Gestelle in den Supermärkten sind vollgestopft und neue Kassierinnen lächeln einem entgegen. Vieles riecht nach Aufbruch und Umsatz. In knappen vier bis fünf Monaten gilt es, ein ausreichendes Jahreseinkommen zu erzielen.

Das Auffrischen der Moïra geht slow motion voran, Schicht für Schicht. Abschleifen und dann mit Epoxi beschichten und darauf den zwei Komponenten Lack (mindestens vier Lagen), austrocknen lassen, anschleifen… Dazwischen eine kleines Gewitter, ein paar Regentropfen, die sich perlend auf das frisch geölte Deck legen. Schleifstaub, der kleben bleibt. Suboptimales aushalten lernen, immer wieder neu. Aufpassen, dass sich der Baustellenmuffel nicht all zu fett breitmacht.

 Alfons ist nach einem notfallmässigen Frühlingsputz verbunden mit einer Hauruck-Räumaktion auf der Sundance langsam wieder auf der Fährte. Er bereitet die Halterung und Anschlüsse für den Generator vor, der aber beim ersten Test noch kaum Strom zu erzeugen scheint. Er beschäftigt sich mit dem Ordnen von Papieren und Ausweisen, dem Kommentare- Schreiben in der Facebook-Community der Fahrenden, dem Rumfighten mit der französischen Autoversicherung, Schreiben von Sponsorenbriefen und vor allem mit dem Planentwurf für ein neues Beiboot, leichter soll es sein und mit Berücksichtigung der neusten Erkenntnisse. Der verletzte Kleinfinger regeneriert sich allmählich und zur regelmässigen Abendentspannung nimmt er Zuflucht beim nächsten Fussball-Match der Champions League.

Die Schreiberin hadert derweil zeitweise mit ihrem Schicksal, sucht Rat bei Horoskopen und in der Tao-Lektüre. Es holt einem eben unverfrohren ein, das Versäumte und Verdrängte. Immer wieder zeigt sich die grosse Diskrepanz zwischen Denken und Fühlen. Die nüchternen und erschreckenden Zahlen und Zusammenhänge der Tierindustrie lassen sie immer mehr anfreunden mit der veganen Ernährungsweise, nicht nur Fleisch wird unter unglaublichen Umständen produziert, sondern auch Eier, Milch und Honig. Das Thema Essen ist eh durch die Gluten- und Lactoseintoleranz des Käptens aktiviert. Und auch die Bordfrau spürt schon ihre Fingergelenke spannen, höchste Zeit für ein Umdenken und Gewohnheiten ändern. Die Cambutcha-Mamas Rosa I und II produzieren fermentierten Tee und die Bordbäckerin versucht mit mässigem Erfolg ein einiger Massen appetitliches glutenfreies Würfelbrot aus dem Backautomaten zu zaubern.

Die Kinder sind sehr munter und haben schon vor einigen Tagen die Badesaison im Meer für sich eröffnet. Lorhans Zähne sind im Umbruch. Die ersten beiden Milchzähne der unteren Mitte sind schon rausgewackelt und nach einem Sturzflug mit dem Rad hat’s nun auch in der oberen Reihe Platz gegeben. Cool findet er und führt ganz stolz seine neuentdeckte Fähigkeiten als Kunstpfeifer vor. Samona übt derweil ihre Freigiebigkeit und kreiert immer wieder Geschenke für ihre Gespanen. Mal bleibt die neu zusammengestellte Kitty-Handtasche auf dem Spielplatz liegen, mal findet sie ne tolle Schachtel in der Basura, die sie im Nu zu ihrer Schatzkiste umgestaltet. Zum Jubeln gibt auch immer mal Grund, Besuche, den geerbten Inhalt eines Schleckzeug-Automaten, Ostereier im Halbpreis-Angebot, Hüttenbau im Nachbarwald, eine nächste Folge von Ykari, ein kleines selbstgedrehtes Video, eine Geburtsanzeige von Zwillingen….

 

 

 

 

 

Kategorien: Bordleben, Epoxy, Kinder | Ein Kommentar

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