Wie geht demonstrieren? System change statt Climate change!

In unseren Fahrzeugen lagern die Gelbwesten als Solidaritätsbekundung auf der Beifahrerseite des Amaturenbretts. Seit Monaten verfolgt der Käpten die Entwicklung der Gilet jaune auf Social media und bringt da auch seine systemkritischen Analysen gegen den den Raubbau-Kapitalismus mit ein. Auf den Fahrten durch Frankreich sind sie uns verschiedentlich im Einsatz begegnet, z. B. an Autobahn-Zahlstellen oder an Verkehrs-Kreiseln. Oder wir haben Spuren von ihrem Wirken gesehen an verklebten Radarautomaten (sehr sympathisch :)) und Transpartent. Am allerschönsten war das selbstgebastelte Verkehrsschild zwischen kofferraumgeöffneten Autos und rauchenden Grillständen mit der simplen Aufschrift: ICI: FRATERNITE!  

Ja, genau, danach suchen wir doch, nach diesem geschwisterlichen Zusammenschluss, dieser familiären Zugehörigkeit unter gleichgesinnten Menschen und weiter noch unter allen Wesen (ohne christliche Brüderlichkeits-Verbrämung) und konkret gelebt, nicht nur gross auf die Fahne geschrieben und als leere Phasendrescherei.

Klima geht uns alle an und die exponentiell, zuweilen auch explosiv wachsende Problematik wird immer unausweichlicher, auch wenn viele noch gerne die Augen davor verschliessen vor den weitreichenden und fordernden Konsequenzen. Eine lebenswerte Perspektive und deren reale Umsetzung für einer enkeltauglichen Welt gilt es gerade für Eltern zu entwickeln. Doch wie geht das? An Fakten fehlt es nicht, allenthalben kann mensch sich über die zig Einflüsse von umweltschädigenden Gasen und Giften informieren. Und auch an Strategien zum Vermeiden von Umweltsünden im alltäglichen Umgang fehlt es nicht, von Bio-Veganer-Lokalproduktion über Kurzflüge nur für Insekten bis hin zum Nestle-Boykott und dem Plastik-Fasten gibt es genug Anregungen zum Praktizieren. Auch selber Mitdenken ist gefragt und erst recht Handeln. Denn ganz im Sinne der Transition-Bewegung ist Handeln wie Wollen, nur KRASSER!! 

Als Sundancers füḧlen wir uns der Praxis verpflichtet auch wenn wir oft genug um den Brei rumreden, das Wichtige verschweigen oder mal wieder auf Ignoranz schalten (gilt vielleicht am meisten für die Schreiberin). Wir gehen an die Klimademo mit den Kindern (ohne Hund resp. Agaporniden, die zu hause bleiben). Streiken ist bei uns ja schon eher ein Dauerthema im Bemühen, möglichst nicht im Mainstream gedankenlos mitzufliessen. Im Kleinwagen zu viert vorgängig mit Kostenüberschlag und Energieaufwandberechnung. Alternativen mit ÖV (zu teuer), zu Fuss (zu lange), mit Velo (zu aufwendig), mit Autostopp (zu ungewiss)…Klar, Arguemente und Ausreden gibt es für alles.

Wir sind einigermassen rechtzeitig am Startpunkt und der Käpten drappiert vor Ort seine Gelbweste  als brückenschlagendes Zeichen. In der Demo wirken noch andere Giletierte mit, nicht nur die Polizei in Vollmontour und mit Grosseinsatz (Verkehr und Terrorabwehr?), sondern auch Orangefarbene mit Klimastreik-Aufklebern. Zum Demo-Schluss begegnen wir noch einer Gruppe mit gelben inkl. Ameinsenlogo von der Cleaning-Bewegung. Wie wär‘s mit regenbogenfarbenen Westen, damit das Treiben noch bunter wird und das Zuordnungs- und Bedeutungsgerangel nachlässt.

Zum Demonstrieren gehört ein Thema, ein Brennpunkt und Wut, Lust oder Drang, dieses Anliegen öffentlich zu bekunden, akustisch, visuell, motorisch. Das haben der Bauer und ich mehr als unsere (vor-)pupertierenden Kinder, die dem Vorhaben wesentlich disdanzierter und mit Gemotze gegenüber stehen. Transpartente hab mir keine gebastelt und die gesungenen Parolen schnappen wir ad hoc auf: ufä mit dä Klimaziil – abä mit em CO2… solidarisierä – mitmarschierä… oder als Sprechchor internationalisiert: What do we want: clima justice, when do we want it: NOW! Beim Gang durch die zürcherische Innenstadt bei allerbestem Wetter und (noch) unter wunderbar grünbelaubten Bäumen verfolgen Schaulustige hinter Scheiben unsere Kundgebung und auf Balkonen winken uns Sympatisiernde zu. Ein friedliche, angenehme Atmosphäre, fast zum Wohlfühlen, mit mobilen Bäumen und Pflanzen in Töpfen.  Junge und Alte, nicht nur SchülerInnen sind da unterwegs. Flubblätter werden von VeganerInnen oder velofahrenden Interessengemeinschaften, von feminischer Seite, verschieden alternativen Projekten dem idealen Zielpublikum verteilt oder landen unter Scheibenwischern von parkierten Autos.

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Das Ganze ist für uns schneller vorbei als gedacht. REIBUNGSLOS (= spurlos?). Kaum am vorgegebenen Zielort der bewilligten Route angelangt, die verkehrtechnisch tipp topp und offensichtlich routiniert geleitet war, löst sich die der Hauptteil der Ansammlung recht schnell auf. Es werden noch Kleber verteilt und Drucksachen, dann erfolgt der Abzug in die umliegenden Cafes oder zur nächsten Eisdiele? Auch wir genehmigen uns ein Glace, klimaneutral, wohl kaum.

Denken ist schon für die meisten fordernd und erst recht UM-denken, ganz zu schweigen vom entsprechend nötigen anderen Handeln. Tatenlos zuschauen tut ja die Mehrheit nicht, nein, es sind gerade eben unsere alltäglichen, un-reflektierten Aktionen, die dem ganzen Richtung geben. Es tut gut, immer mal wieder und auf unterschiedliche Art daran erinnert zu werden, dass jedeR in eigenen Wirkkreis verantwortlich ist .

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Ausgenommen an der Costa Brava

Mitunter wähnt sich mensch (oder ist hier frau mehr angebracht?) in einer traumwandlerischen Sicherheit. Eingelullt in all dem, was selbstverständlich, routinemässig läuft, schleicht sich was ein, das früher oder später zum Erwachen führt.

So oft haben wir die Reise zwischen Spanien und der Schweiz schon pannen- und störfallfrei bewältigt, gewiss dank der guten Verbereitung und wachsamen Begleitung des Käptens und der grossen Flexibilität der Rücksitzmitfahrenden. Der Wahrheithalber ist einzuräumen, dass es mitunter auch zu Spannungen und Stress-Situationen kam, die sich unterschiedlich tief eingegraben haben.

 

Diesmal also, nach einer Nachtfahrt im Konvoi mit zwei Kompositionen (PW plus Anhänger) und einer kurvenreichen, wunderschönen Küstenetappe steuern wir leicht übermüdet einen grossen Supermarkt-Parkplatz an. Mittagsrast ist angesagt und Lust auf frisches Futter lockt uns ins Einkaufsparadies. Die Wagen bleiben stehen voll Gepäck, Schlafsäcken, Kissen und Kuscheltieren. Wir kehren wohlgemut zurück. um die ergatterten Happen jetzt bei etwas strengem Wind vorzugsweise im Innenraum unseres Subarus zu geniessen. Der Bauer dreht für diesen Zweck eigens den Fahrersitz um, was zu mehr Tischatmosphäre führt. Hinter dem Beifahrersitz lagert ein Ersatzgetriebe, drum ist ne Hals- statt Sitzwende für die Schreiberin angesagt. Danach der übliche Powernap des Käptens – sommeil consciemment – wie er es nennt, die Kinder tollen draussen rum. Die Vierte im Bunde schnüffelt vor Ort mit der Kamera in Sack und der Attraktion zum Grünzeug im Herzen herum. Diesmal winkt ein verschlungenes, megahohes Schilfwäldchen am Parkplatzrand zur näheren Betrachtung.

Alles gut, Aufbruch! Auf-Bruch? Als erstes fällt das offene Handschuhfach auf im anderen Fahrzeug. Ach, vielleich aufgeklappt, weil der Bauer die Taschlampe rausgekramt hat, oder so, beruhige ich mich schnell und flüchtig im internen Strom der Welterklärung. Die Tochter, die sich auf dem Rücksitz einquartiert hat und dort wieder Einsitz nehmen will, bemekt schlagartig, dass ihr so wohlgehütetes Reisegepäck verschwunden ist. Noch mehr, nicht nur der Kleidersack ist weg, auch die Computertasche – mit Inhalt versteht sich. Ach ja. Und Augenblicklich durchfähren mich zwei Worte: beklaut! shit! An der Beifahrertür fehlt das Schoss. Aufgeknackt? Wo ist mein Gepäck, wo sind meine Kostbarkeiten fragen sich nun alle aufgebracht im Team. Kakteensammlung und Pfauenfedern lagern unberührt im Kofferraum, doch die „Koffer“ sind weg. Das Werkzeug und des Bauern Sachen lagern noch alle gut verstaut im Subaru, wenigstens das, aber die drei andern Ausrüstungen sind unauffindbar.

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Nein, sie hätten keine Ueberwachungskameras im Aussenbereich erkärt der Filialleiter und verweist stattdessen auf den nächsten Polizeiposten im Nachbardorf. Na bravo. Was nun? Der Bauer zeter kurz was rum von wegen Selbstdiziplin, Unordnung ec.t pp., das hilft jetzt auch nicht wirklich weiter. Fassung finden! Schock bewältigen. Was war denn da alles eingepackt? Klamotten, Computer, Handys, Pässe, E-Banking-Acess, Reserve-Geld… Der Bauer sucht nochmals die Gegend ab, auch die Kindern ordnen ihre Beobachtungen neu. Der Tatbestand ist soweit klar. Den Tathergang versuchen wir zu rekonstruiert. Von Tätern fehlt jede Spur. Verdächtiges wird aus der Erinnerung gepopelt. Was hab ich über-sehen, war da irgendein Signal, irgendein erkennbares Anzeichen? Leichtsinn‘? Unbeschwertheit? Nachlässigkeit? Karmischer Abtrag?

Der Poizeiposten ist rel. schnell gefunden. Zu dritt erstellen wir die Inventarliste für die Anzeige, derweil der Käpten die Gefährte bewacht. Ein routinierter Beamter, der grad von der Steife zurückkommt, übernimmt den „Fall“. Die ganze Sache läuft recht emotionsfrei ab, entlang der formularbedingten Fragen. Kurz wird eingangs Bedauern geäussert. Ein Protokoll für die Versicherung (welche??), Produkte mit Typebezeichnungen, Wertfestlegungen, geschätzter Verlust: 2500 Euro!! Mehr könnten sie im Moment nicht tun. Wiederauffinden? Möglich bis eher unwahrscheinlich, weil dahinter die Diebe meist unerkannt mit dem Auto wegfahren und in aller Ruhe zuhause das Zeug durchkramen und nach ihren eigenen Wertkriterien neu in Verwertbares und Abfall sortieren. Bumm. Aha. ja. so. ok. klar. Vielleicht hilft dieser ritualisierte Ablauf ganz einfach zur Verbeitung der Erschütterung, die mensch erfährt bei plötzlich eintretenden, unvorhergesehenen Ereignissen. Eine Art Ausnüchterung.

Das Bestohlenwerden fühlt sich an wie Durchschütteln, Erdbebengleich, was vorher Bestand hatte, trägt nicht mehr so zweifelsfrei, was vorher noch einfach und fraglos verfügbar war, ist jetzt verschwunden, nur noch in der Erinnerung zugänglich. Eine neu Art der Wertschätzung erwächst durch das Verarbeiten des Verlusts, ein Dankbarkeit, für alles, was noch da ist, was noch funktioniert. Eine schleichende Trauer, für das, was von einem gegangen ist z.B. der Lieblingspullover und die neue Windjacke, die Fotosammlung seit Anfang Jahr (ohne Backup), die USB-Datensticks… Eher neutral fühlt sich der Abgang von Kabeln und Adaptern an, die glücklicherweise fast alle im Doppel noch irgendwo vorhanden sind und mitunter wird auch ein Hauch Erleichterung spürbar, für das Befreiende. Wie gut, dass ich mich mit dem jetzt nicht mehr so alltäglich rummühen muss z.B. dem überfüllten, ewig langsamen Tablet mit dem Wackelkontakt-Kabel, dem fehlenden USB-Anschlüssen und den weggepickten Tasten.

Die Tochter muss ebenfalls mit dem Verlust ihres Computer klarkommen, der ihr in den letzten Monaten so zum Fentster in die Welt geworden ist. Im Nu hat sie ein tolle Bildersammlung angelegt und Links von wichtigen Dokumentarfilmen gespeichert. Die Kommunikationsmöglichkeiten entdeckt, die der elektronische Briefverkehr mit ihren Freundinnen bietet.

Den Sohn triffts fast am härtesten, nicht nur dass sein Computer, den er erst vor ein paar Wochen von seiner Patin erhalten hat weg ist, auch seine drei Handys, die er in einem kleinen roten Köfferchen gehütet hat zusammen mit allen dazugehörigen Kabeln und Kopfhörern. Und am meisten beunruhigt ihn, dass eines davon bloss ausgeliehen war. Wie wird wohl sein Freund auf die Mitteilung reagiere und wie kann er den entstandenen Schaden wieder gut machen?

Er-Setzen. Kann mensch das überhaupt? Dasselbe gibt es gar nicht mehr und mitunter wird erst jetzt bewusst, wie einzigartig auch die Dinge (selbst industriell gefertigte) sind. Es heisst zwangsläufig sich mit etwas Neuem wieder vertrautmachen, anfreunden, in Beziehung treten und Liebgewonnenes loslassen, verabschieden, freigeben.

Wieder Balance suchen und die vormals verengte Perspektive wieder weiten, mehr Nachsicht, Vorsicht, Rücksicht, Umsicht, Weitsicht, Innenschau und Ausschau. Prioritäten neu akzentuieren auf das hin, was uns wichtig ist, was wir brauchen. Wie komme ich dazu und wie schütze ich es und gegebenfalls wie lebe ich ohne damit weiter.

Der Bauer wartet (schon fast ewig) darauf, dass ich endlich vom “hohen Ross” runtersteige, er meint wohl damit meinen Stolz, die Dinge selber regeln zu wollen und auf meiner Eigensinnigkeit zu beharren. Ich solle endlich lernen Hilfe anzunehmen (insbesondere auch seine) und mir einzugestehen, dass ich es nicht allein schaffe. Sehr, sehr ungerne, geb ich zu, doch ist es offensichtlich. Klopfet an und euch wird aufgetan?

Wer immer das liest und vielleicht in seinem resp. ihrem Depot ungenutzte, aber noch funktionierende Handys resp. Tablets oder Laptops hat oder Ideen für günstige Bezugsquellen, findet hier dankbare AbnehmerInnen.

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Gummiboot-Plausch

Viele SeglerInnen kennen ja das eher leidige Problem des Beiboots. Ein Annex ist unumgänglich, will mensch auch mal vor Anker liegen und den Anschluss zur Restwelt nicht vollends aufgeben. Doch das „Ding“, das Dinghi braucht nicht nur Platz, sondern auch Übung im Einsatz und Investment im Unterhalt. Mal ganz abgesehen von Aufwand der Typen-Wahl: Festrumpf-, Falt-, Schlauchboot und den damit verbunden Konsequenzen.

Auch unser Käpten beschäftigt sich schon jahrelang mit der Frage nach dem optimal passenden Beiboot. Er hat nicht nur schon etliche gecheckt, sondern auch schon einige selber gebaut (zu gross oder zu schwer …), bisher mit viel Erfahrungsgewinn, aber noch keiner tragbaren und befriedigenden Lösung. Momentan ist Schlauchboot aktuell, obschon der Bauer im Prinzip gar nicht von den Gummiteilen angetan ist. Aber der segelbar aufgerüstete Klassiker aus der englischen Marine – ein Geschenk eines argentinischen Freundes – hat durchaus seine Vorzüge und wurde als Geschenk – nach intensiver Revision – gleich weitergereicht an die nächste Generation mit dem zugegebenermassen etwas hölzig konstruierten Namen „SaLoLoSa“ und der Auflage, dass an ungeraden Tagen Sa-mona die Kapitänin ist und an geraden Lo-rhan Kapitän, ganz so, wie auch der Abwasch- und Tischdienst eingerichtet ist.

Allein auf unserm Quai liegen einige Schlauchboote schon leicht gammelig herum und warten geduldig auf Zuwendung. Ob sie jemals wieder an Bord geholt werden und gar zum praktischen Einsatz gelangen, ist längst nicht mehr bei allen gewiss. Wenn’s drauf und dran kommt, kaufen solvente resp. liquide Bootsbesitzer meist lieber – sicherheitshalber – ein neues.

Doch was passiert mit dem ausrangierten? Es ist nicht hinüber, bloss vernachlässigt und muss vielleicht lediglich wiedermal gepumpt und geputzt werden oder braucht ne neue Leinen, etwas Kleber und einen kleinen Flick auf einem kleinen Loch. Ein ebensolches Modell hat uns einer unserer Nachbarn überlassen, sogar mit einem festen Boden (muy bien). Der Käpten macht sich mit den Kindern ans Werk und im Nu sind die beiden kleinen Schiffchen einsatzbereit.

Die Ungestümen wollen ihre Boote natürlich gleich austesten und stechen unverfroren in See. Weg ist auch das Kapitänsgerangel, beide sind jetzt gleichzeitig RudererIn, NaviatorIn und Smutje in Personalunion auf ihre eigenen Kahn. Das Hafenwasser hat schon fast 20 ° C erreicht und erwärmt sich täglich mehr. Ganz zur Freude von Lorhan, der gerne einen Schwumm macht und dazu direkt vom Kat springt. Samona bevorzugt die Picina, die offiziell noch auf die Saisonfreigabe wartet. Es werden in Wettrennen Rudertechniken verfeinert, Anlegemanöver geübt und mitunter einfach an der Boje festgemacht, um Wasser aus- oder einzuschöpfen. Wozu wohl? Aha, der Badewannentraum lässt sich vorübergehend auch so erfüllen. 😉

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Auferstehung in Oropesa

Im Kühlschrank lagert noch die Weihnachtsschokolade, zum halben Preis erstandener Christbaum-Schmuck, der auch in österlichen Tagen noch lecker schmeckt. Die Wellen schlagen hoch an die Hafenmauer von Oropese del Mar, ein ordentlicher Nordostwind fegt entlang der Küste und bewegt die verlassenen Schiffe im Puerto, die träge an ihren Anlegern baumeln. Lose Falls peitschen klirrend an die Alumasten der Segelboote, Fahnen, Genua-Abdeckungen und Persenings, Abfallsäcke und dergleichen, alles, was nicht niet- und nagelfest ist flattert oder bläht sich, tritt eine luftige Reise an, tanzt im Wind.

 

Wir sind zum Aufräumen gekommen, wollen die Depots, Warenlager und den Fahrzeugpark vor Ort dezimieren, verkleinern, aktualisieren. Wohin bloss mit dem vielen „Strandgut“? Segel, Aussenborder, Wanten, Ruder, Bäume, Tanks und Pumpen, Rollreffprofilen, WCs und diversem Kleinkram. Der Warenlagerbus (ein selbstgebautes Wohnmobil) und der Werkstattbus (mit komfortabler Rampe) sowie das fahrbare Ersatzteillager (Kleinlaster mit offener Brücke), alles IVECOs der alten Garde, stehen zur Disposition. Im Laufe der Jahre ist da so einiges zusammengekommen.

Ein Schiff ist nie fertig, das erklärt mir der Käpten immer wieder und das fällt mir auch mitunter schwer zu akzeptieren. Solange man(n) daran rumbastelt, ideell und materiell investiert, lebt „es“. Die Gärtnerin erkennt immer deutlicher in der zyklischen Einbindung der Natur den Segen. Da hilft die Kraft des Frühlings, die Beete neu zu bestellen, der Sommer fordert Ausdauer im Tränken und Düngen, der Herbst unterstützt im Abräumen und die winterliche Brache bringt Erholung für den Neuanfang. Wachstum und Zerfall innerhalb relativ klarer und unumgänglicher Spielregeln (mal vom Treibhaus abgesehen). Doch wie sieht’s bei Menschgeschaffenem aus? Da erfolgt die Zäsur nicht via Temperatur, Sonnenstand oder Wasserpegel. Wann ist da die Grenze erreicht, die Zeit für eine Wende? Die Einflussfaktoren sind vielfältiger und subtiler. Die Werdegänge individueller, die Zyklen vielleicht nicht so offensichtlich erkennbar, der Reifegrad schwieriger zu bestimmen. Was sind die Früchte? Welcher Verlust ist unumgänglich? Haben sich Samen gebildet? Was ist zu tun und was zu lassen?

Ein laufender Akt der Befreiung? Der Keimling sprengt die schützende Hülle des Samens. Die junge Pflanze drängt ans Licht und befreit sich vom Dunkel der Erde, sie erhebt sich, erstarkt, erblüht. Damit der Kreislauf weitergeht, braucht’s ne Befruchtung, befreit vom Alleingang paart sich da was und trägt Früchte, bildet neue Samen, befreit sich so von der alten Form, konzentriert sich in der Essenz, bereit für die Wiederauferstehung von neuem Leben. Was geht? Was bleibt? Die Natur hat das genial geregelt, sie weiss, was zu sterben hat und was es braucht zum Weiterleben. Die Ent-Scheidungen sind klar und fokussiert auf den Fortbestand. Und bei uns Menschen? Mit unseren zig Projekten und Möglichkeiten, Träumen und Hoffnungen, Verpflichtungen und Anliegen? Bei uns scheint es mir ungemein schwieriger diese Umbrüche zu erkennen und bewusst zu durchleben. Wir wissen nicht, was das Morgen uns bringt und sind geprägt von den gemachten Erfahrungen. Ein Richtig oder Falsch gibt es da nicht so deutlich. Orientierung ist nur punktuell möglich, die Konsequenzen nur beschränkt absehbar.

Es erfordert viel innere Aufräumarbeit, um endlich auch das Aussen anzugehen. Etappen halt und keine grossen Würfe sind jetzt möglich. Wie das beim Segeln eben üblich ist, Zielraum festlegen, Bunkern, Wind, Wellen und Wetter berücksichtigen, Segelstellen und los geht’s…auf zu…

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Ausfahrt in die Nachbarhäfen

Endlich mal Leinen los und weg aus dem wohlbekannten Clubhafen. Die Wetterlage ist günstig, wenngleich auch nicht mit viel Wind zu rechnen ist und wenn, dann nicht für lange und nicht aus derselben Richtung, Nord-Süd halt :).

Eine gute Gelegenheit für die Crew, die Reise-Vorbereitungen und Hafenmanöver wieder etwas zu üben. Tanks füllen, Schlauchboote aufblasen, Deck putzen, laufendes Gut checken, Lager überprüfen, Kreuzknoten repetieren, Anleger bereithalten, Springleinen setzen, Mooringline durchreichen etc.

Auf und davon, immer wieder ein erhebendes Gefühl auszulaufen und dem weiten Horizont entgegenzusteuern. Ok, zugegen, nicht für lange, denn wir bewegen uns ja parallel zur spanischen Küste auf der Höhe der Costa Azahar, in Sichtweite des Landes also und mit GPS-Support, der dank der neu eingebauten Empfangsantenne nun auch tatsächlich unsere Postion orten kann. Welch Komfort und welche Erleichterung. Die Schreiberin, die sich bis anhin leidlich wenig mit der Bordelektronik befasst hat, kommt ziemlich rasch auf den Geschmack. Wenn nicht all zu viel Frust auf dem Weg zu erwarten ist, keine grossen Knacknüsse zu lösen sind und kaum Gefahr droht, dann ist sie doch gern dabei als neugierige Anwenderin auf dem Plotter mal so eine Route zusammenzuklickern. Wow. Faszinierende Leichtigkeit mit einem synchronisierten Autopiloten. (Touristin halt, der Bequemlichkeit anheim gefallen, ganz zum Leidwesen des Bauer, der sich da eine andere Liga an Mitstreiterinnen wünscht.) Knopfdruck und schon nimmt das Schiff den neuen Kurs auf. Nichts mit Sternkucken und Peilen u.ä. Der Käpten trägt aber seriös und sicherheitsbewusst seine Punkte auf der mitgeführten Karte ein und berechnet den Kurs nach alter Väter Sitte. Ich bin dankbar, dass er diesen Part so zuverlässig übernimmt und natürlich auch, dass er sich mit der Anschaffung und Installation der Bordelektronik befasst. Noch immer befinde ich mich in der „Aufbauphase“, speziell was Aktivitäten an Bord unterwegs anbelangt. Denn bis anhin war Ausfahren mit dem Schiff für mich gleichbedeutend mit Schlechtwerden und Seekrankheit irgendwie überstehen. Keine wirklich lustvolle Perspektive und lange Zeit auch ein echtes Hindernis. Dieses Mal, möge es sich weiter in diese Richtung entwickeln, wurde mir erstmals nicht mulmig, ein ganz neues Feeling! Und sogar echter Appetit meldete sich! Die Kinder hatten zuweilen ein bisschen zu beissen an der relativen Langeweilen oder am alten Seegang – lateral. Aber es ergaben sich immer mal wieder plauschige Momente, beim Vorbeischwimmen von Delfinen, oder beim Springen ins Trampolin, beim Spiel im Bugkorb „wer kriegt schneller nasse Füsse“ oder beim Aufspannen der Wolldecken als Spi-Unterstützung auf dem Vordeck. Insgesamt verlief alles – inkl. Pannen und Spesen – massvoll und echt angenehm. Sogar der Käpten schien ganz zufrieden.;)

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Taufrisches Grosssegel

Ohne grosse Tränen haben wir uns von der harzigen Baumrollanlage verabschiedet, die ja den Käpten einiges an Anpassungsaufwand gekostet hat, aber letztlich nicht die gewünschte Erleichterung gebracht hat. Zurück zum einfachen Baum und einem Gross, das unter den fliegenden Backstagen druchreicht. Einen ersten Entwurf haben wir mal gewagt mit einem Dracon-Segel aus dem Lager, das uns der spanische Segelmacher dann in Form genäht hat. Eine ideale Mustervorlage für das neu Laminat-Segel, das uns ein befreundeter Segelmacher grosszügigerweise gesponsert hat.

So was muss natürlich auch integriert werden, es braucht Hilfestellungen, welche die Handhabung vereinfachen, sprich einen Lazy Jack und es braucht Schutz vor Wind und Wetter, sprich eine Persenning. Ersteres ist eher was für den Bauer, der sich im Spleissen auskennt und isolierten Inoxnieten versenken kann, letzteres ist was für die Bauerin, die dank revidierter Nähmaschine nun wieder viel gelassener an alten Tüchern rumschneidert, um diese in passende Form zu bringen.

 

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Onkels SE280 Merz wird wieder fit

Seit einigen Jahren staubt er vor sich hin, der gute alte Merz aus erster Hand, des Onkels Hand, der ihn mit Stolz gefahren ist. Schwer und träge steht der 1982er WBD 126 da, mitten im Schuppen, derweil der Oheim die Pension feiert und seinen Brief schon lange abgegeben hat. Mutters Traum war zwar einst ein weisser Mercedes, den ich ihr in kindlichen und übermütiger Grosszügigkeit zu schenken versprach, wenn ich mal „GROSS“ bin. Älter bin ich zwischenzeitlich geworden, aber GROSS?. Zu meiner Entlastung habe ich auf eine Spielzeugmodell-Variante zurückgegriffen. Sie selbst hat sich des treuen Gefährten des Schwagers erbarmt, blau halt, aber solide im Bau, wie sie es zu mögen scheint. Nur ist auch sie in die Jahre gekommen und das schwere Vehikel entspricht nicht mehr wirklich ihrem Fahrvermögen, wie sie weise selbst einschätzt. Doch jetzt, was tun damit?

Es ist nicht wirklich ein Sammlerstück und ohne Motorfahrzeugkontrolle sinkt der Marktwert in den Keller. Der Bauer nimmt sich der Sache an und dröselt sich mit Assistenz der Kinder und fachkundigem Rat von der nächsten Merz-Garage durch die Eingeweide des alten Automobils. Als erstes muss mal ne brauchbare Batterie her. Dann scheint’s noch an der Benzin-Zuleitung zu happern und der Tank wird mit Cola gereinigt. Die Arbeiten werden in Intervallen getätigt, wenn halt Kapazität frei wird, die Umstände günstig sind. Beim nächsten Anlauf, Monate, Meer- , See- und Strassenmeilen später ist was mit dem Anlasser nicht mehr in Ordnung. Eine Übung in Geduld, die der Käpten offensichtlich aufzubringen vermag. Die Schreiberin staunt bloss bei sporadischen Visiten über die detailreichen Auslagen auf der Werkbank. Da noch ein Schlauch und ne Pumpe in Teilen, jede Menge Schrauben und …. Er wird es hinkriegen, es ist eine seiner Stärken, Durchzuhalten und Dranzubleiben. Er wird ihn vorführen und durchkommen. Wir werden in ausschreiben und ich wünsche mir jetzt schon einen geneigten Käufer, der seine Passion zu schätzen weiss.

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Mit Adios auf der Klosterinsel

Wir mögen gelbe Boote und wie das Leben mitunter so spielt, hat es uns eine neue Einladung geschickt, um mit einer sonnenfarbigen Barke grüne Inseln zu erreichen.

Der Käpten hat den Aufwand nicht gescheut und sich einen Klassiker angelacht, einen Corsaire. Seit ich ihn kenne, schwärmt er für diese Schiffe. Via Inserat aufgespürt und mit Slip-Tailer übernommen, fehlte nur noch die Kippvorrichtung zum Aufladen auf den bereits vorgängig organisierten Anhänger. Männer brauchen (offenbar) Herausforderungen und finden immer auch wieder Lösungen zu quasi selbstgestellten „Problemen“. Als gewandter Recyclist organisiert der Bauer sich Aluschienen und montiert die, assistiert durch die Kinder. Das Patent funktioniert auf dem Trockenen, wird es sich auch an der Rampe bewähren? Wir checken das aus.

Aufbruch ist angesagt zum schweizerischen Bundesfeiertag. Wir versprechen uns eine exklusive Sicht auf die Lichtershows am See, die diese Jahr wegen der anhaltenden Trockenheit spärlicher ausfallen werden. Doch erst will eingewassert werden und der Mast gestellt sein. Kaum flottiert das Schiffchen auf dem lauen Nass, da sprudelt es auch schon den Schwertkasten hoch. Wir legen vorsichtshalber mal am Steg an zur weiteren Beobachtung. Des ausgetrocknete Sperrholz muss sich erst wieder an die neue Umgebung gewöhnen. Wir schöpfen Wasser und richten uns ein, die Nacht sicherheitshalber landnah zu verbringen. Nach einer massvollen und doch imposanten Gewitterfront, die wir hautnah miterleben dürfen, kommen wir zum krönenden Tagesabschluss doch noch in Genuss von zwei, drei Feuerwerken. (Ich hoffe, es gibt ein anderes  Mal Gelegenheit, den Kindern die herzerwärmende Kette der kommunalen Höhenfeuer der Eidgenossen näher zu bringen.) Der Käpten übernimmt stillschweigend und verlässlich den Schöpfdienst (MERCI  CHERIE) und so schläft die Crew ganz gemütlich dem nächsten Morgen entgegen.

Der bootsinterne Wasserspiegel hat sich stabilisiert, wir können einen Schlag auf dem Zürichsee wagen Richtung Ufenau. Wenig Wind (hallo, kenne wir das nicht von woher?) und unser toller, bis anhin wenig benutzter Elektromotor (called: mixer) bringen uns zur Klosterinsel. Unter Segel legen wir an mit Ankerwurf, die Schiffsgrösse ist angenehm übersichtlich, zum Einspielen des Monövers ideal. Petrolherd an Bord muss sein, jedenfalls auf einem Bauer-Schiff. So brätelt uns dann der Käpten und Kombüsenchef ein Mittagsmenü, da mit offenem Feuer ja ein Grillplausch im Freien bei Feuerverbot nicht angesagt ist. Auf dem anschliessenden Landgang finden wir wunderbar sonnengereifte Bio-Brommbeeren zur Nachspeise. Oberlecker!

Die Rückreise nutzt der Käpten zum Erproben der Segelgarderobe. Ein mitgebrachter Spi aus dem Fundus bläht sich rotschimmernd im zunehmenend Wind. Die Jung-Crew wird zum Trimmen eingespannt, derweil die Schreiberin im dunklen Innenraum abtaucht. Bald kriegt das Boot aber wirklich gut Fahrt und es ist ein echtes Vergnügen an so einem Prachtstag quasi den See für sich zu haben. In Ufernähe steigt eine grosse Rauchsäule gegen den Himmel, wir werden ZeugInnen eines Grossbrands. Doch allsbald haben wir selber Action. An der Auswasserungsrampe wird nämlich voller Einsatz gefordert. Auf der Badeliegewiese scheinen die ZuschauerInnen schon auf ein Spektakel zu warten. Schon laufen Wetten, ob wir das Teil wohl so wieder rauskriegen. Es gibt aber glücklicherweise schnell Kontakt und Helfer melden sich zur Stelle, um letztlich mit Seilwinde und Manpower die Adios wieder auf ihren Hänger zu buxieren. Hau-Ruck, und gegen Mitternacht fahren wir dann zufrieden und müde den Berg hoch.

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PS: Gewisse Ähnlichkeiten von Vater und Tochter sind nicht zu verkennen! 😉

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Vollmond im Krater

Aufbruch, Ausbruch, Abbruch, Durchbruch… Na ja, jedenfalls sind wir als ursprüngliche Sundancer-Crew endlich mal ausgefahren und haben die nächstgelegene Inselgruppe Richtung Balearen besucht und zwar auf tollen Vorschlag des Käptens zur Vollmond-Zeit.

Die Winde sind mässig günstig und schwer zu finden, das Wetter ansonsten recht stabil, trocken und heiss, gerade richtig. Also verlassen wir den angestammten Hafen, Leinen los und geniessen das erhebende Gefühl, einfach alles Landige hinter uns zu lassen. Ok, klar für den Bauer ist es natürlich nicht ganz so locker, schliesslich hat er nicht nur das Schiff zu manövrieren, navigieren und trimmen, sondern auf auch dessen ganzes Energiemanagement zu jonglieren, Formeln mit einigen Unbekannten! Am schwerwiegendsten für ihn ist es wohl, die subversive Kraft der Schreierin zu bändigen, die jederzeit zur Meuterei aufzurufen droht. Doch da kommt ihm deren Faibel für die schwankenden Wellen auch zu Hilfe. Schon nach einigen Meilen ist sie quasi ausgenockt und in der Koje geknebelt, geschlagen von der Geissel der Seekrankheit! Mit den jungen Crew läuft’s prima, die übernehmen in den Manövern ihren Part, sie als Steuerfrau und an den Fendern, er an den Motoren und als Vorschoter. Das frei flowtenden weitere „Element“ ist aus besagten Gründen nicht so zuverlässig einsetzbar. Mal für den Auskuck vielleicht. Aber wie gut ist ihre Nach(t))sichtigkeit? Als eigentliches Greenhorn auf dem Wasser immer wieder irritiert von den vielen verschiedenen Lichtern in Küstennähe und dem noch nicht eingetunten Gefühl für Distanzen und Geschwindigkeiten auf dem Wasser.

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Wir kommen noch vor Mitternacht an der Boje in den Islas Columbretes an und dank himmlischer Beleuchtung ist das Anlegen auch entsprechend easy. Leichter Levante trügt die Wellen in den nach Osten offenen Kraterrand des Vulkans, der vor ca. 300’000 Jahren letztmals ausgebrochen sein soll – weiss ja keiner so genau. Am nächsten Morgen ist Landgang angesagt. Das Naturschutzgebiet kann auf Anfrage und in Begleitung eines Wächters besucht werden. Per Beiboot setzen wir über erklimmen auf einer rollstuhlgängigen Piste den höchsten Punk, der auch vom Leuchtturm markiert wird. Eine fantastisch Sicht eröffnet sich uns hier und zeigt die ganze Gruppe von schroffen Felsklötzen, die aus dem Blau hervorlugen. Zwar liegen einige andere Yachten in Bojenfeld, doch heute geniessen wir eine Privat-Tour sogar inklusiv Tourifoto, das der Guide unaufgefordert von uns schiesst.

Speziell ist das ewige Gelächter der Möwen, welche hier die kargen Abhänge besiedeln und sich Tratschtanten gleich gegenseitig immer wieder neu Geschichten zugackern, um deren Pointen mit ausgelassene Gegröle zu feiern. Ansonsten treffen wir Tigerspinnen, die in ihren Netzen auf Beute lauern und ein grosses Kakteenfeld, das einst von ehemaligen Leuchtturmwächter angelegt wurde. Viel wächst hier sonst nicht. Kein einziger Baum! Unterwasser gibt`s fast mehr zu entdecken, das finden jedenfalls die Jungen, schnappen sich das Schnorchelzeug und tauchen ab.

Den verloren Zahn von Samona finden sie allerdings nicht mehr. Wie das Leben so spielt ist bereits bei unsere ersten Inselbesuch vor Jahren an Bord von Freunden just an der Kratereinfahrt ein Milchzahl bereit gewesen zu weichen. Samona hat ihn kurzerhand aus ihrem Mund geknackt und den Wellen übergeben, ganz ähnlich wie diese Mal. Dafür finden wir auf unserer Rudertour eine seichte Stelle und haben endlich eine felsenfeste Erklärung für die sagenhafte Jesus-über-Wasser-geh-Geschichte ;). Der Käpten gibt noch einzeln Segelunterricht auf der SaLoLoSa, derweil die etwas rekreierte Schreiberin zwei drei Ecken des kürzlich genähten Biminis von Hand verstätet. Der Schattenspender verwandelt das sonst bratige Cockpit in eine lauschige Laube ganz zu Gefallen aller.

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Nach ein paar Tagen ist dann genug geschaukelt und die Geschäfte an Land rufen zurück. In einer nächtlichen Fahrt mit mehr Motor-denn-Windkraft finden wir trotz lästig pipsendem, positionsverlustigem GPS zurück an unseren Hafenplatz. Die Testfahrt hat doch einiges aufgezeigt. So ist gewiss noch an dem Batterieladesystem zu arbeiten und der Bauer wünscht sich eine stärkere Motorisierung und hat auch schon seine Pläne im Werden. Etappen, Schritte, Teilziele…Jedenfalls der Ausflug gut geklappt und der Kapitän hat sich erfolgreich gehen etwelche Meutereien behauptet sowie Schiff und Crew heil zurückgebracht. Merci bien et chapeau!

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und dann plustert es sich auf …

Nein, die Rede ist nicht von unserem leicht verwirrten Hafen-Pfau, der auch nach all den partnerinnenlosen Jahren noch immer unermüdlich seinen Schweif zur Balz schüttelt, am liebsten ganz graziös und halsbrecherisch mitten in der unübersichtlichen Kurve bei der Hafeneinfahrt.

Die Rede ist viemehr von unserem ehemaligen Wohnschiff, das endlich einen neuen Liebhaber gefunden hat und jetzt auf dem Trockendock steht. Die Braut soll noch etwas chic gemacht werden für ihren neuen Käpten, der vielleicht dereinst mit ihr gen Süden schippern will. Die mehrjährig gebildeten submarinen „Korallenriffe“ werden abgekrustet, das Ruder vergrössert (Epoxi sei einmal mehr Dank und der Bauer läuft fast über Nacht zur Höchstform auf). Wenn schon mal draussen, dann können auch noch ein paar andere Modifikationen getätigt werden, „by the way“ und das beginnt dann zu plustern… Die Toilette fliegt raus und ein Loch weniger ist im Rumpf zu überwachen. Das Spiel in der Ruderhalterung wird austariert, die Welle überprüft, die Stevenrohr gewechselt und der Unterwassseranstrich erneuert. Das Teakdeck saugt das nährende Leinöl auf, die hölzernen Flanken und das Schanzkleid kriegen einen neuen Lackanstrich, der Innenraum wird den Bedürfnissen des neuen Eigners angepasst. So macht der Petrolkocher einer Gasflasche Platz und die Schweizer-Netzstecker werden europäisisert. Der Motor wartet nach seiner Reinigung noch auf den Einbau der Zweikreiskühlung, die Bilgenpumpe hofft auf ihre Säuberung. Niemand scheint sich um diese Task zu reissen, eigenartig, dabei ist gerade da am meisten Effekt rauszuholen (vielleicht wag ich’s heute noch). Bald kann sie wieder ins Wasser, die Moïra, möge sie wohl weiter leben.

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